Die „Braukatzen“ aus Nesselwang sind jetzt zu sechst
Nesselwang
DEU

Die Brau-Manufactur Allgaeu weitet ihr Craftbier-Angebot in neuer Optik deutlich aus

Craft-Bier? Das sind doch Hopfenbomben. Hopfen in die Vorderwürze, Bitterhopfen zu Beginn der Kochung, Aromahopfen am Ende, und dann noch einmal fleißig Hopfenstopfen. Der Brauer oder die Brauerin tanzt mit dem Maischescheit in der Hand einem indianischen Medizinmann gleich um den Braukessel herum: „Hop – Fen – Hop – Fen – Hop – Fen – Stop – Fen!“ Jede Silbe rhythmisch begleitet von einem stampfenden Schritt. Aus dem Braukessel steigen die Brüden in die Luft und füllen den Raum mit dichtem, feuchtem Hopfengeruch.

Praktisch für die Anfänger, Seiteneinsteiger und Autodidakten im Biergeschäft. So richtig brauen können muss man nicht, es reicht, hinterher noch mal eine Extra-Schippe Hopfen zu verwenden, um eventuelle Braufehler locker zu überdecken.

Und wenn trotz kräftiger Hopfung einmal etwas daneben geht und die Würze gar umschlägt und sauer wird, dann nennt man das Ganze in Vergewaltigung einer Bierstil-Bezeichnung halt Imperial Hopfengose und behauptet, das sei alles Absicht gewesen.

Hopfenbomben und Sauerbiere. Sour is the new hops.

Läuft sich aber auch irgendwann einmal tot. Der Biertrinker wird müde von den intensiven Aroma- und Geschmackserlebnissen und sehnt sich vielleicht auch einmal wieder nach einem leichteren, weniger fordernden Bier, nach einem, das man einfach nur mal wegzischen kann. Und das trotzdem gut und ausgewogen schmeckt.

War es diese Überlegung, die die Schwestern Stephanie und Kathrin Meyer aus der Braumanufactur Allgaeu (ganz modern mit „c“ und „ae“ und hervorgegangen aus der Post-Brauerei Nesselwang) dazu bewogen hat, ihrem hopfenbetonten Craftbier-Portfolio nun ein paar eher malzbetonte Biere hinzuzufügen?

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Stephanie und Kathrin Meyer

Die Pressemitteilung spricht von einer „aktuellen Entwicklung im Craftbier-Markt“ und davon, „den Fokus nicht mehr ausschließlich auf Craftbiere mit einer starken Hopfung zu legen“. Mühselig quäle ich mich durch das Marketinggewäsch, durch substanzloses Gerede von einer „zeitgemäßen und auf Innovation ausgelegten Produktphilosophie“, von einer „Überarbeitung der Marken-Optik“, die „am POS noch aufmerksamkeitsstärker“ ist und von „einer noch fokussierteren Zielgruppenansprache in Richtung probierfreudiger Bier-Genießer“.

Ich bin mir nicht sicher, ob die neu auf dem Markt gebrachten Biere dieses Geschwätz nötig haben. Eigentlich klingt es nämlich vielversprechend, was in Nesselwang gemacht wird. Neben den drei bereits etablieren und recht hopfenbetonten, weil hopfengestopften Kreativbieren „Braukatz Pale Ale“, „Braukatz Red Ale“ und „Braukatz Hop Cat“ kommen nämlich nun drei eher malzige Biere ins Angebot, und zwar „Braukatz Golden Cat“, „Braukatz Dark Cat“ und „Braukatz Pussy Cat“.

Würde ich diese Biere probieren wollen, wenn ich sie im Getränkemarkt im Regal sehe? Auf alle Fälle! Unter anderem (natürlich nicht nur!) auch, weil sie hübsche Etiketten haben.

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die sechs Braukatz-Biere

Fühle ich mich eingeladen, sie zu probieren, wenn ich dieses Werbefuzzi-Gewäsch in der Pressemitteilung lese? Wenn der Getränkemarkt als POS (Point of Sale) bezeichnet wird und die hübschen Etiketten als Marken-Optik? Nee, eher nicht.

Meine Güte, an wen sollen sich die merkwürdigen Formulierungen eigentlich richten? An die, die sich schon – vergeblich? – an der Rettung der im Niedergang befindlichen Marke Warsteiner versuchen?

Ach, ich weiß nicht.

Könnt Ihr nicht einfach schreiben, dass vielleicht nicht jeder die hopfengestopften Biere mag und Ihr deswegen auch malzbetonte Biere brauen wollt? Dass das trotzdem gute und kreative Biere sein können? Meinetwegen auch Craft-Bier genannt? Und damit ist es dann doch auch gut. Der Rest sind hohle und überflüssige Phrasen, die eher abschrecken als einladen.

Also: Glückwunsch zu den neuen Bieren, gerne auch zu den neuen Etiketten, und ich freue mich, wenn ich das nächste Mal in der Region sein werde und die Biere probieren kann. Aber hört auf mit dem Marketinggewäsch. Otto Bierdimpfl, der Fernsehbiertrinker, versteht’s nicht, und alle engagierten Biergenießer durchschauen den billigen Werbetrick mit diesen Phrasen. An wen wendet sich die Pressemitteilung also?

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