Aufsturz
Berlin
DEU

Enttäuscht? Ja! Irgendwie schon.

Da verspricht die Werbung einer Bar mitten in Berlin ein Angebot von mehr als 100 Biersorten, löst dieses Versprechen auch irgendwie ein, aber macht dies so, dass man sich im Jahr 2015 irgendwie auf den Arm genommen fühlt.

Überall auf der Welt, mittlerweile auch in Deutschland, schießen neue kleine Brauereien wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden, und dann gelingt es dem Aufsturz doch tatsächlich, eine Bierkarte mit über 100 Einträgen zu erstellen, die kein einziges wirklich originelles Bier enthält.

Viele gute Biere, das schon, ohne Zweifel. Leckere belgische Trappistenbiere, viele bayerische Biere, auch einiges aus aller Welt. Starke und mächtige Biere genauso wie leichte und erfrischende. Und doch: Die Karte liest sich wie die Bestellliste eines x-beliebigen Getränke-Grossisten. Alles bekannte Marken, die mein großer Getränkemarkt um die Ecke auch hat. Egal, welches Bundesland, egal welches Nachbarland, egal, ob aus Übersee – man findet die recht großen Spieler. Sam Adams aus den USA: Gibt es mittlerweile an jeder Straßenecke. Genauso wie Red Stripe, Peroni, Zipfer, Krušovice. Gute Biere, aber eben auch Allerweltsbiere.

Die Einrichtung ist ja recht gemütlich, die Bedienungen sind rasch und freundlich, kennen sich in der Bierkarte auch aus und staunen nicht, wie andernorts gelegentlich: Wie, das haben wir auch in der Karte? Wo steht das denn? Da muss ich aber erst fragen… Klare Ansage, rasche Bestellung, selbst die Preise haben sie im Kopf.

Draußen die Bierbänke unter den Zeltdächern sind im Oktoberregen verwaist, nicht einmal ein einziger wetterfester Raucher ist zu sehen. Das Herbstlaub raschelt ein wenig, fällt dann aber lustlos und matschig zu Boden, als ein Wagen vorbeifährt und eine Fontäne Wasser aus der Pfütze über den Gehsteig spritzt.

MiniaturHerbstregen, und dann noch kein so richtig umwerfendes Bier? Verdrießlich trolle ich mich nach nur einer Flasche eines süßlichen, österreichischen Zwickels aus der Neufeldner Brauerei wieder. Nee, irgendwie ist das heute nix gewesen.

Objektiv gesehen ist der Aufsturz natürlich eine grundsolide Gaststätte, die zu Recht und gerne von Touristen und Einheimischen besucht wird. Gemütlich, neben dem Bier auch viele Whisky-Marken, und auch die Kaffee-Auswahl ist sehr ordentlich. Es gibt einen Klub mit vielen Veranstaltungen, somit auch ein gutes kulturelles Angebot.

Nur der Bier-Aficionado, der findet halt einen Grund zum Meckern.

Der Aufsturz hat täglich ab 12:00 Uhr mittags durchgehend bis Mitternacht geöffnet; zu erreichen ist die Gaststätte bequem mit der Straßenbahn oder S-Bahn, Haltestelle Oranienburger Straße.

Bilder

Aufsturz
Oranienburger Straße 67
10 117 Berlin
Berlin
Deutschland

4 Kommentare

    • Tja, Ludger, Du hast ja so recht. Aber ich war auf dem Rückweg von einer anderen – besseren! – Location (The Circus Hostel Brewing – nett dort), und stolperte auf dem Weg zum Hotel da vorbei. Eigentlich wollte ich ins Bett und bin dann da auf ein letztes Bier reingegangen… VQ

  1. Da spricht mir jemand aus dem Herzen… selbst in Berlin ist das Aufsturz eine der wenigen Kneipen, in der man auch schon früher am Tag ein umfangreiches Biermenü studieren kann (als Tourist darf man das!), und dann ist da so wirklich gar nichts Besonderes dabei. Als ich im März an einem Samstag dort mangels echter nachmittäglicher Craftbier-Alternative einkehrte, gab es immerhin Schönramer IPA und Samichlaus. Der Wirt schien mir auf Nachfrage sogar noch stolz darauf gewesen zu sein, sich dem neuen Biertrend nicht anzuschließen. Mich zog es dann recht schnell in den Wedding, wo ich dann im Hopfen & Malz auch schon im Hellen interessante Biere verkosten konnte.

    • Yo. Ich bin da auch nur auf dem Rückweg von einer anderen – besseren! – Location (The Circus Hostel Brewing – nett dort) vorbeigekommen, auf dem Weg zum Hotel. Vor zehn Jahren hätte ich das noch als genialen Laden empfunden. Vor fünf vielleicht auch noch. Aber heute? Tja, schade. VQ

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