Fünf BrewDog Biere in der 10er Mix-Box
Berlin und Münster
DEU

Lieferung zwei Stunden nach Bestellung bis nach Hause?

Reklame?*

Die Jungs von BrewDog sind rührig (die Mädels natürlich auch, aber Gründer der Firma waren eben zwei Männer …). Regelmäßig kommen sie mit neuen Ideen und machen auf sich aufmerksam. Mal in großem Maßstab (z.B. die Übernahme der Stone Brewing World Bistro & Gardens in Berlin-Mariendorf), mal völlig geschmacklos (z.B. die Nutzung ausgestopfter Tiere als Hülle für ihre Flaschenbiere), mal nervig-albern (die vermeintliche Änderung der Vornamen der beiden Gründer in Elvis, um das Bier Elvis Juice besser bewerben zu können).

Fünf BrewDog Biere in der 10er Mix-Box, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Bottle Shop
Fünf BrewDog Biere in der 10er Mix-Box

Diesmal geht es darum, dass die BrewDog-Biere in einer 10er Mix-Box bei der Firma flaschenpost.de im Angebot sind und angeblich innerhalb von zwei Stunden nach der Online-Bestellung bereits ausgeliefert werden.

Klingt schneidig!

Und so schaue ich mir die Pressemitteilung mal ein bisschen näher an. Seit dem 15. Juni 2020 kann man eine 10er Mix-Box mit je zwei der BrewDog-Biere Punk IPA, BrewDog Pale Ale, Elvis Juice, Zwickel Helles und Kiez Keule bestellen und bekommt sie innerhalb von zwei Stunden nach Hause geliefert. In 130 deutschen Städten soll das schon funktionieren, behauptet der Versender flaschenpost.de, unter anderem in Münster, Hannover, Köln, Düsseldorf und Hamburg, und für weitere Regionen soll es ausgebaut werden.

Fünf BrewDog Biere in der 10er Mix-Box, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Bottle Shop
je zwei der BrewDog-Biere BrewDog Pale Ale, Elvis Juice, Punk IPA, Kiez Keule und Zwickel Helles

Ich gehe auf die Seite flaschenpost.de und möchte mich informieren, wie die Preise sind und welche Angebote es außer der Mix-Box von BrewDog noch gibt. Hm, an die Informationen scheine ich erst ranzukommen, wenn ich mich im Lieferbereich des Versenders befinde. Hartnäckig verlangt das erste Fenster die Eingabe einer Postleitzahl, um zu prüfen, ob mein Wohnort schon zu den auserwählten 130 Städten gehört. Ich tippe die Postleitzahl des kleinen Provinzstädtchens, in dem ich lebe, ein und drücke die Eingabetaste am Rechner. Natürlich, hier im Oberallgäu ist diese Dienstleistung noch nicht verfügbar. Ich tippe also eine Berliner Postleitzahl ein … ebenfalls nichts. Hm, vielleicht Stuttgart? Auch nichts.

130 Städte? Ich fange an, zu zweifeln.

Nach einem Weilchen des Hin- und Herklickens auf der Seite finde ich endlich eine Deutschlandkarte, auf der die Standorte von flaschenpost.de verzeichnet sind. Neunzehn Stück an der Zahl. Immerhin!

Aber flächendeckend ist anders. Nordrhein-Westfalen ist dicht an dicht mit elf Standorten abgedeckt. Da kommen dann im Ballungsraum Ruhrgebiet einige Städte zusammen, die beliefert werden können, darunter vermutlich auch so Metropolen wie Castrop-Rauxel (Ich teste die 44575 – jawohl, hier wird geliefert!) oder Ortsteile, die ohne einen berühmten Fußballverein niemand kennen würde (45881? Ja, auch Schalke wird beliefert!). Im Rest der Republik sieht’s aber noch traurig aus.

Fünf BrewDog Biere in der 10er Mix-Box, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Bottle Shop
flächendeckend ist anders

Die Bundeshauptstadt? Berlin geht noch gar nicht. Weit und breit keine Flaschenpost. Die Landeshauptstädte rund um Berlin? Schwerin? Magdeburg? Erfurt? Potsdam? Nee, alles nicht. Nur Dresden. Der Norden? Kiel? Nö! Hamburg, Bremen und Hannover ja, Bremerhaven schon nicht mehr. Rheinland-Pfalz und Saarland sind gar nicht vertreten, die trinken wohl nur Wein. Hessen versorgt sich nur durch Frankfurt. Aber da ist ja sonst auch nix außer Ebbelwoi. Baden-Württemberg wird nur über Mannheim im obersten Zipfel versorgt, der Rest des Bundeslandes muss darben. Und das klassische Bierland Bayern? Ausschließlich München.

Genau dort, wo der ÖPNV gut ausgebaut ist, wo es schon eine Reihe gut sortierter Bierläden gibt, genau dort kann man sich jetzt also innerhalb von zwei Stunden sein Bier liefern lassen, das man in der gleichen Zeit auch bequem selbst hätte holen und dann auch gleich noch ein nettes Schwätzchen im Bottle Shop hätte halten können. In der Bier-Diaspora hingegen bleibt es bei der Unterversorgung.

Aber wir wollen nicht nur meckern. Die Preise sind auf den ersten Blick in Ordnung. Biere werden karton-, kisten- und kastenweise verkauft. Zehner, Zwölfer, Zwanziger und Vierundzwanziger. Die Preise sind erstaunlich niedrig, insbesondere, wenn man bedenkt, dass flaschenpost.de keine Versandkosten aufschlägt.

Fünf BrewDog Biere in der 10er Mix-Box, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Bottle Shop
ein Kampfpreis von 8,88 EUR für 20 x 0,5 l

Da ist dann auch ein Kampfpreis von 8,88 EUR für 20 x 0,5 l No-Name-Pils schon eine Ansage. Eine, die ich allerdings nicht gutheiße – da wird Bier nämlich wieder sinnlos verramscht und dem Verbraucher vorgegaukelt, dass es ein Billiggetränk sei. Jeder Volumentrinker, dem durch solche Angebot eingebläut wird, dass der Liter Bier deutlich unter einem Euro kosten kann, ist für eine Kreativbierszene mit marktgerechten Preisen unrettbar verloren. Gar nicht gut. Solange die Brauwirtschaft diese Kampfpreisspielchen mitmacht, darf sie sich nicht beschweren, wenn Otto Normalbiertrinker Bier nicht wertschätzt, sondern als Billiggut ohne Geschmacks- und Markentreue gedankenlos wegext.

Die Auswahl ist insgesamt recht groß, aber wirklich spannende Biere sind nur wenige dabei. In der Rubrik Pils beherrschen Marken wie Heineken, Becks, Carlsberg, Astra, Holsten, Jever und Krombacher das Geschehen. Langeweile pur. Neugierig klicke ich auf die Rubrik Spezialitäten und hoffe auf Spannendes.

Stattdessen: Leffe (eine Marke des weltgrößten Bierkonzerns ABInBev), Budweiser (aus Tschechien, aber auch Weltmarke), Franziskaner und … Warsteiner. Das Warsteiner Brewers Gold wird hier tatsächlich als Spezialität einsortiert.

Unter Sonstiges finden wir dann noch Guinness, Kilkenny, Desperados, Becks, noch mehr von Warsteiner und … Corona.

Da bestelle ich doch lieber bei Online-Shops, die zwar nur innerhalb von ein bis zwei Werktagen liefern, dafür aber ein wirklich interessantes Angebot haben. Ein Zwei-Stunden-Lieferservice für Biere, die fast jeder Getränkemarkt hat? Höchstens für die völlig Verpeilten, denen kurz vor der Grillparty, dann, wenn die ersten Nachbarn mit dem Kampfschrei „Bier her!“ in den Garten stapfen, siedend heiß einfällt, dass sie an alles gedacht haben, nur nichts ans Bier, und die sonst schnurstracks zur nächsten Tanke gefahren wären, um dort noch schnell mitzunehmen, was immer gerade da ist.

Mir erschließt sich der Mehrwert also nicht. Weder brauche ich den Zwei-Stunden-Service noch diese Bier-Auswahl. Insofern: Gar nicht schlimm, dass nach Eingabe meiner Postleitzahl nur ein freundlicher Hinweis kommt: „Wir benachrichtigen Sie per E-Mail, wenn wir in Ihre Region liefern.“ Nö, danke!

Und mein BrewDog-Bier trinke ich dann lieber in Berlin an der Quelle, dort, wo es für Deutschland gebraut wird, oder in einer der BrewDog-Bars.

Fünf BrewDog Biere in der 10er Mix-Box, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Bottle Shop
„Wir benachrichtigen Sie per E-Mail, wenn wir in Ihre Region liefern.“?
Nö, danke!

* Reklame? Es gibt immer wieder Diskussionen, ob die Beschreibung von besonderen Dienstleistungen Reklame sei. Im Zweifelsfall sollte ein Blogbeitrag daher entsprechend gekennzeichnet werden. Ich habe von BrewDog und flaschenpost.de eine Pressemitteilung über deren Kooperation bekommen und aus diesem Anlass mal genauer hingesehen. Wer den Bericht darüber deswegen als Reklame ansehen möchte: Bitte sehr!

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