Piwosz Ilustrowany (Bezalkoholowy)
magazyn producentów, dystrybutorów i konsumentów piwa

Sentimentale Erinnerungen kommen auf, wenn ich ein altes Heft der Reihe Piwosz Ilustrowany zur Hand nehme – aus der Reihe Der illustrierte Bierliebhaber, wie sie auf Deutsch heißt.

Von 1997 bis 2002 ist dieses Heftchen in unregelmäßiger Folge erschienen, und wer hätte seinerzeit gedacht, dass in den bescheidenen und manchmal noch ein wenig amateurhaft wirkenden Anfängen des Bierjournalismus irgendwo versteckt auch die Keimzelle für die Bierrevolution in Polen begraben lag?

Die ersten Heftchen erschienen 1997 im Format nur wenig größer als DIN A 5, mit rund zwanzig Seiten. Farbiger Umschlag auf glänzendem Papier; die inneren Seiten jedoch schwarzweiß, einfachster Druck auf Kopierpapier. Der Inhalt: Nachrichten von den (wenigen) polnischen Brauereien, die es seinerzeit gab, Vorstellungen neuer Biere (meistens Lagerbiere, Pilsener oder süßliche, geschmacksarme Starkbiere der Marke „Pennerglück“) und mehr oder weniger gelungene Kurzgeschichten rund ums Bier. Man merkte den frühen Heftchen das Bemühen an, sie interessant zu gestalten, aber auch die Not, genügend Inhalte zu finden, um sie zu füllen.

Druckqualität und Inhalt wurden rasch besser, und im Januar 1999 erschien das erste Heft im größeren Format – fast DIN A 4 groß. Durchgängig auf glänzendem Papier und in Farbe. Ansprechende Interviews mit Brauern und Brauereimanagern, Fotoreportagen, flüssig geschriebene Geschichten.

Nach wie vor litt Ziemowit Fałat als Herausgeber und Chefredakteur aber darunter, dass es in Polen nur eine langweilige Bierszene gab. Einige wenige Industriebrauereien, ein paar Regionalbrauereien, deren Biere oft von zweifelhafter Qualität waren, und Schluss! Sehnsüchtig blickte man über die Grenze, sah eine bunte Welt verschiedener Bierstile und viele Brauereien mit leckeren, oft auch spannenden Bieren. In diese Zeit fiel die Artikelserie mit dem der prägnanten Abkürzung zuliebe etwas altmodisch-holprigen Titel PPPPP – Piwosza Przewodnik Po Piwa Przypadkach (Des Bierliebhabers Führer durch die Sorten des Biers), in der Andrzej Sadownik die Bierstile der Welt erläuterte, ihre wichtigsten Charakteristika beschrieb und Beispiele für kommerziell erhältliche Marken auflistete. Den Lesern des Piwosz Ilustrowany wurden die Augen geöffnet, was es jenseits von Lager und billigem Starkbier noch alles zu entdecken gab.

Mitte 1999 hatte der Piwosz Ilustrowany vor einem anderen Problem gestanden: Seinerzeit war Werbung für jeden trinkbaren Alkohol in Polen streng verboten. Wie sollte Ziemowit damit umgehen?

Nun, die großen Brauereien machten es ihm vor. Sie warben mit alkoholfreiem Bier. Selbst in den Fällen, in denen sie selbst gar kein alkoholfreies Bier herstellten. Den Vogel der augenzwinkernden Alkoholfrei-Werbung schoss die Brauerei Warka ab, die unverfroren für Warka Strong Bezalkoholowy warb, also für alkoholfreies Starkbier. Und so war es denn auch die Lösung, das Werbeverbot – denn als Werbeheftchen wurde der Piwosz angesehen – mit dem neuen Titel zu umgehen: Piwosz Bezalkoholowy, der alkoholfreie Bierliebhaber. Ein dümmlicher Titel, gewiss, aber so dümmlich, dass er schon wieder raffiniert war und jeder potentielle Leser genau wusste, was sich hinter diesem Titel verbergen würde.

Zwei ganz besondere Hefte gab es im Jahr 2000: Auf dem Titelbild des Hefts 10/2000 vom Dezember stand eine vollformatige Todesanzeige: „In tiefem Schmerz informieren wir Sie darüber, dass wir uns aufgrund der untragbaren Steuerlast von der weiteren Entwicklung der Brauereibranche verabschieden. Die polnischen Brauereien – beigesetzt in tiefer Trauer der Bürger. Die Trauerfeierlichkeiten werden bis Ende 2001 andauern.“ Provokativ, aber treffend.

Und im Heft 7/2000 vom Juni erschien ein kleiner Artikel eines gewissen Volker R. Quante, Nawarz Piwa!, der auf drei Seiten nur beschrieb, wie man mit häuslichen Mitteln Bier brauen kann. Zusammen mit Andrzej Sadownik hatte ich in Warschau gelegentlich ein Bier gebraut, und aus eigener Erfahrung wussten wir, dass es außer uns nahezu keine weiteren Hausbrauer in Polen gab. Noch nicht.

Noch nicht? Ja, denn dieser kleine Artikel war der Startschuss für eine Welle. Eine Hausbrauwelle, die ganz Polen erfasste, den Herausgeber des Piwosz Ilustrowany (Bezalkoholowy), Ziemowit Fałat, dazu veranlasste, einen Versand für Hausbrauzubehör – Browamator – zu eröffnen (infolgedessen leider aber auch die Herausgabe des Piwosz im April 2002 einstellen zu müssen…) und schließlich im Jahr 2011 zur Gründung der polnischen Hausbrauervereinigung Polskie Stowarzyszenie Piwowarów Domowych PSPD führte. Aus dieser wiederum gingen viele, viele kommerzielle Bierbrauprojekte hervor, die die polnische Craftbier-Revolution in den letzten Jahren enorm vorangetrieben haben. Allen voran erneut Ziemowit Fałat, der mit zwei Freunden im März 2011 das Bierbrauprojekt Pinta startete – bis heute die größte und bekannteste Marke unter allen polnischen Craftbieren.

Eine fantastische Entwicklung. Das kleine und bescheidene Heftchen Piwosz Ilustrowany aus dem Jahr 1997 hat so viel in Gang gesetzt, die Hausbraubewegung initiiert, die Craftbier-Revolution angeschürt. Faszinierend. Auch wenn es 2002 dann selber auf dem Altar des Erfolgs geopfert werden musste.

Piwosz Ilustrowany (Bezalkoholowy)
magazyn producentów, dystrybutorów i konsumentów piwa
Famart s.c.
Rzeszów, 1997 – 2002

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*