Pivovar Zábřeh Welzl
Zábřeh
CZE

Die selbsterzählte Geschichte der netten kleinen Pivovar Zábřeh Welzl folgt dem üblichen dreistufigen Ansatz. Stufe 1: Der Blick zurück in die Geschichte des Bierbrauens im Ort. Stufe 2: Die Klage, wie viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte es keine Brauerei mehr im Ort gegeben hat. Stufe 3: Die erleichterte Meldung, dass mit Gründung einer Mikrobrauerei an die alte Brautradition angeknüpft werden kann.

Man setze einen beliebigen Ortsnamen ein, ein paar Jahreszahlen, den Namen einer gerade erst gegründeten Brauerei, et voilà, der Zeitungsartikel ist fertig und kann nun wahlweise im örtlichen Blättchen oder von der lokalen Tourismusagentur veröffentlicht werden.

So auch in Zábřeh. Öffnet man die Website des Touristeninformationszentrums der Stadt, so findet man genau eine solche Geschichte. Viele Jahrzehnte lang habe es eine bürgerliche Brauerei in Hohenstadt, wie Zábřeh vor 1918 hieß, gegeben, aber, oh Jammer, vor mehr als hundert Jahren sei die Produktion gestoppt worden. Erst jetzt wieder, Anfang des Jahres 2015, werde im ehemaligen Kesselhaus in Krumpach eine kleine Brauerei eingerichtet und an die alte Bierbrautradition angeknüpft.

Wird ein solcher Artikel, eine fast schon standardisierte Geschichte, der kleinen Brauerei gerecht? Wir wollen es wissen und machen uns auf den Weg nach Zábřeh.

Kotelna, das alte Kesselhaus

Das alte Kesselhaus im Ortsteil Krumpach ist schnell gefunden, und über dem Eingang steht groß auch genau dieses: Kotelna. Kesselhaus. Links und rechts daneben jeweils das Wappen der Pivovar Zábřeh Welzl – umrahmt vom Schriftzug mit dem Namen der Brauerei lacht uns ein schnurrbärtiges Gesicht an.

Vor dem Eingang ein kleiner Biergarten – grobe Holzmöbel, an denen heute, einem der ersten frühlingshaften Tage des Jahres, schon ein paar wetterfeste Biertrinker sitzen. Alles sieht noch ganz neu aus – Kunststück, die Eröffnung war im Sommer 2016.

Wir betreten das alte Kesselhaus und staunen. Die Halle ist zwar riesig, aber so eingerichtet, dass es trotzdem einladend wirkt. Ebenso grobe Holzmöbel wie draußen, in der Mitte eine große Theke, und dahinter das erstaunlich große Sudwerk. Zwei gewaltige, kupferverkleidete Geräte mit einer Kapazität von sage und schreibe 20 hl! Das ist mehr, viel mehr, als in Gasthausbrauereien üblich, und so wird auch gleich deutlich, dass hier nicht nur für den eigenen Ausschank gebraut wird, sondern auch viel in Fässern abgefüllt und dann an die lokale Gastronomie verkauft wird.

Sudwerk und Thekenbereich

Links neben dem Sudwerk sieht man durch eine dicke Glasscheibe die offenen Gärtanks, kann aber durch den ungünstigen Blickwinkel leider nicht viel erkennen. Und noch einmal ein paar Schritte weiter links eine weitere Glasscheibe, die den Blick auf die Lagertanks freigibt.

Wir suchen uns ein kleines Plätzchen in der Nähe der Theke. Vier Sorten Bier verspricht die schwarze Kreidetafel am Eingang, und da ich das Bitter und das India Pale Ale gerade vor einer Woche erst in Prag auf einem Bierfestival getrunken habe, fällt die Entscheidung für die anderen beiden Sorten nicht schwer. Zunächst das Helle, ein einfaches Elfer. Dunkelgelb, gleichmäßig trüb, fester Schaum. Fast kein Geruch. Doch, ein Hauch von frischem Getreide macht sich bemerkbar. Auf der Zunge dann malzig und süffig, gleichzeitig aber auch noch ein wenig zu jung wirkend, zu süßlich. Kann man schon gut trinken, aber eine etwas längere, eiskalte Lagerung hätte dem Bier vermutlich noch ganz gut getan, denke ich.

das Welzl 11°

Das zweite Bier, das Stout mit 13°, enttäuscht hingegen. Zu wässrig wirkt es, leicht metallisch, und es schmeckt ein wenig leer. Das hätte ich angesichts der doch eher guten Erfahrungen mit dem aromatischen Bitter 12,5° und dem India Pale Ale 16° vom letzten Wochenende anders, kräftiger und intensiver erwartet. Nun, kein Bier zum entrüstet Zurückgeben, aber doch eines, das keine rechte Freude aufkommen lässt.

Zum Essen gibt es nicht wirklich was. Zwar nennt sich der Verkostungsraum „Restaurace“, aber neben etwas Wurst und eingelegtem Käse kann man sich nur Pizza vom Pizzaservice bestellen. Ein reines Bierlokal, also. Was ja nicht schlecht sein muss.

Die Bedienung ist sehr aufmerksam und freundlich, die Atmosphäre angenehm, und drei der vier heute angebotenen Biere schmecken auch lecker. Insofern: Die Erkundung hat sich gelohnt.

Zurück zu unserer Ausgangsfrage, zur standardisierten Geschichte in drei Erzählstufen: Nein, sie wird dieser netten kleinen Brauerei nicht wirklich gerecht. Zu wenig Individualität steckt in der Geschichte, sie spiegelt das Bemühen um den Gast, die Atmosphäre und das Bier nicht wider.

Die Pivovar Zábřeh Welzl ist täglich ab 15:00 Uhr durchgehend geöffnet, sonnabends und sonntags schon ab 14:00 Uhr; montags ist Ruhetag. Sie liegt am Rand von Krumpach, das mit der Stadt Zábřeh eng verwachsen und nicht mehr als eigenständiger Ortsteil erkennbar ist. Kommt man mit dem Auto, kann man direkt vor der Tür kostenfrei parken; mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist es schwieriger – vom Bahnhof Zábřeh ist es schon ein ordentlicher Fußmarsch, einmal quer durch den Ort, mindestens eine halbe Stunde, wenn nicht mehr.

Bilder

Pivovar Zábřeh Welzl
Krumpach 24a
789 01 Zábřeh
Tschechien

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