Minibrowar Haust
Zielona Góra
POL

Vor zwei Jahren schon hatte ich das Bier aus der polnischen Gasthausbrauerei Minibrowar Haust bei einer Verkostung getrunken, aber erst heute, am 17. Juni 2009, war es mir vergönnt, die Brauerei auch einmal zu besuchen. Sie liegt am Plac Pocztowy, nur etwa 200 m von der Fußgängerzone in Zielona Góra entfernt. Das Gebäude ist schön renoviert, und an der Außenwand prangt stolz das Emailleschild, das vom 3. Platz im Wettbewerb der Weizenbiere 2007 kündet – eine nette Erinnerung auch für mich, habe ich doch seinerzeit in der Jury gesessen und mit verkostet.

die Minibrowar Haust, schön am Plac Pocztowy gelegen

Betritt man den Schankraum, findet man gleich links die Brauanlage, laut Aufschrift mit EU-Fördermitteln gebaut. Der Schankraum selber ist von oben bis unten mit Bierdeckeln (und einigen Kronkorken und Emailleschildern) tapeziert – sehr urig und interessant, denn es sind hunderte teilweise sehr exotischer Brauereien vertreten. In Gedanken begab ich mich auf eine Weltreise des Bieres, die mich in wenigen Minuten mehrfach um den Globus herumführte.

Das freundliche Personal war trotz nur weniger Gäste gut ausgelastet – es wurde viel gegessen und getrunken. Kein Wunder bei einer Auswahl von nicht weniger als fünf vor Ort gebrauten Bieren. Eine Bierkarte auf dem Tisch informierte detailliert über geschmackliche Charakteristika und Besonderheiten der angebotenen Biere – die einzige Information, die fehlte, war die Angabe des Alkoholgehaltes.

das Sudwerk

Begleitet von einem einfachen, aber durchaus leckeren Essen kostete ich mich durch das Angebot hindurch: Das Red Haust war hervorragend gehopft, sehr bitter, ohne aufdringlich oder zu nachhängend zu sein, und hatte einen starken Charakter mit dem Hauch einer Rauchnote; das Jasne vom Typ Pils war knackig-herb und gleichzeitig schön hopfenaromatisch; das Pszeniczne Weizen roch intensiv nach Gewürznelken und hatte eine vollen Körper – geradezu zum Abbeißen; der dunkle Bock, Czarny Bock, hatte einen leicht metallischen Geruch, war sonst aber ausgezeichnet – voll, rund, malzig und mit einem leichten röstigen Aroma; schließlich das Porter: pechschwarz, röstig-bitter aber auch sehr aromatisch hopfig und malzig – ein wahrhaftig großes Bier!

In der summarischen Betrachtung: Unter dem Gesichtspunkt der Bierauswahl und der geschmacklichen Qualität der Biere sicherlich derzeit eine der besten Gasthausbrauereien Polens. Großes Lob!

Nachtrag 14. März 2017: Auf dem Weg von Tschechien in den Norden Polens bot sich heute die Möglichkeit einer kurzen, erneuten Visite – eine kurze Mittagspause nur, aber sie genügte, um zwei der angebotenen Biere zu verkosten und etwas Deftiges zu essen. Überraschenderweise empfing uns gähnende Leere – wir waren um 14:20 Uhr die einzigen Gäste. Hätten wir gedacht, nun ganz besonders freundlich bedient, geradezu umsorgt zu werden und die ungeteilte Aufmerksamkeit der Kellnerin auf uns ziehen zu können, so wurden wir diesbezüglich eines Besseren belehrt: Wir schienen eher zu stören. Noch nicht unhöflich, aber doch sehr lustlos und kurz angebunden bekamen wir unser deftiges Mittagessen serviert, die beiden Biere und der Kaffee für meine holde Ehefrau wurden eben mal im Vorübergehen auf den Tisch geknallt, ohne abzuwarten, ob wir vielleicht noch einen ergänzenden Wunsch hätten.

mit Bierdeckeln auf Weltreise

Ärgerlich, denn die ausgezeichneten Biere hätten es verdient gehabt, besser, freundlicher und professioneller serviert zu werden: Das Red India Pale Ale mit 6,5% Alkohol erfreute mit einer blitzsauberen Hopfenbittere, dezent-harzigen Hopfenaromen und einem schönen, kräftigen Malzkörper, wohingegen das American Lager mit seinen 4,5% etwas dünner, noch nicht wässrig, aber im direkten Vergleich doch ein wenig schwachbrüstig wirkte. Obwohl es das nicht war – sein Hopfencharakter war deutlich zu spüren, das Aroma rund, das ganze Bier sehr süffig. Lediglich die Reihenfolge, erst das charakterstarke Red IPA, dann erst das dezentere American Lager, war definitiv nicht die beste…

Die Minibrowar Haust ist täglich ab 12:00 Uhr durchgehend geöffnet; montags ist Ruhetag. Zu erreichen ist sie problemlos, der Plac Pocztowy liegt am Rand der Altstadt. Der Bahnhof ist zwar eine gute Viertelstunde zu Fuß entfernt, die Bushaltestelle Uniwersytet Zielenogórski mit den Linien 7, 10, 14 und 30 aber gerade mal 100 m entfernt.

Bilder

Minibrowar Haust
Plac Pocztowy 9
65-001 Zielona Góra
Polen

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