{"id":19941,"date":"2018-08-27T23:00:18","date_gmt":"2018-08-27T21:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=19941"},"modified":"2018-10-11T05:19:02","modified_gmt":"2018-10-11T03:19:02","slug":"michael-rudolfder-pilsener-urknallexpeditionen-ins-bierreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=19941","title":{"rendered":"Michael Rudolf<br \/>Der Pilsener Urknall<br \/>Expeditionen ins Bierreich"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_19943\" aria-describedby=\"caption-attachment-19943\" style=\"width: 374px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-19943 \" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Der-Pilsener-Urknall-1.jpg\" alt=\"Der Pilsener Urknall, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Bierbuch\" width=\"374\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Der-Pilsener-Urknall-1.jpg 709w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Der-Pilsener-Urknall-1-99x150.jpg 99w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Der-Pilsener-Urknall-1-197x300.jpg 197w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Der-Pilsener-Urknall-1-674x1024.jpg 674w\" sizes=\"auto, (max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19943\" class=\"wp-caption-text\">Der Pilsener Urknall<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vierzehn Jahre ist es her (2004), dass dieses Buch zum ersten Mal erschien, sechs Jahre (2012), dass die Neuauflage auf den Markt kam, und jetzt erst (2018) habe ich es zum ersten Mal gelesen. Ein recht kleines B\u00e4ndchen ist es nur, wenig mehr als 200 Seiten dick.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kann man an einem oder zwei bierseligen Abenden mal nebenbei lesen. Bequem im spie\u00dfigen Wohnzimmersessel, die Beine hochgelegt, das Bier rechter Hand in bequemer Griffweite. Leise Musik dazu oder auch nicht, und aus der Ferne klappert das Geschirr der in der K\u00fcche emsig wirtschaftenden holden Ehefrau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnte man meinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klappt aber nicht. Erstens, weil die Stereotype vom Gelsenkirchener Barockwohnzimmer und der in die K\u00fcche verdammten Hausfrau bei uns nicht funktioniert, und zweitens, tja, zweitens, weil sich 200 Seiten als so randvoll mit wunderbaren Schilderungen, brillanter Erz\u00e4hlkunst und messerscharfer Kritik des Bierestablishments gef\u00fcllt erweisen, dass allein der Versuch, das Buch in einem Rutsch zu lesen, zum Scheitern verurteilt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michael Rudolf versteht es, auf dem Klavier der Sprache zu spielen und seine bierigen Botschaften so zu verpacken, dass man jedes Kapitel zun\u00e4chst einmal diagonal liest, sich freut, dann zur\u00fcckspringt, an der einen oder anderen Formulierung h\u00e4ngen bleibt (\u201eWie hat er das denn jetzt gemeint?\u201c) und dann selbstdiszipliniert das Kapitel noch einmal Wort f\u00fcr Wort genie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht um Bier. Klar. Das geht aus dem Titel des Buchs hervor, und wer das Wortspiel mit dem Pilsener Urquell nicht auf Anhieb versteht, dem sticht immerhin die schwarzgraue Silhouette des Maurerstubbies ins Auge, Sinnbild hunderter, nein, tausender, ach, was rede ich, Millionen von achtlos, achtsam, aufmerksam oder ganz nebenbei getrunkener Alltagsbiere. Dahinter, in grellem Orange, Gelb und Wei\u00df ein stilisierter Urknall. Bier, ein wahrhaft explosives Thema.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es ist nicht eines der erm\u00fcdend gleichf\u00f6rmigen B\u00fccher \u00fcber Bier, in denen sich Seite an Seite reiht, immer wieder nach dem gleichen Muster: Foto einer Bierflasche, einer Bierdose oder eines mehr oder weniger gut eingeschenkten Glases, dazu ein paar tabellarische Informationen, ab und an ein paar bierige Weisheiten eingestreut, die entweder zum Allgemeinwissen geh\u00f6ren und eh bekannt sind, oder sich bei n\u00e4herem Hinsehen als Urban Legends entpuppen, und im einleitenden Kapitel ein geschichtlicher R\u00fcckblick auf die Braukunst der alten Mesopotamier und eine verg\u00f6tternde Abhandlung \u00fcber das sogenannte \u201eReinheitsgebot\u201c. Keines der B\u00fccher also, von denen ich schon reichlich im Regal stehen habe, und die auch immer mal wieder auf dem Grabbeltisch im Supermarkt feilgeboten werden, zu einem Preis, f\u00fcr den man nicht einmal eine wirklich gute Flasche Bier bekommt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19945\" aria-describedby=\"caption-attachment-19945\" style=\"width: 709px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-19945 size-full\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Der-Pilsener-Urknall-3.jpg\" alt=\"Der Pilsener Urknall, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Bierbuch\" width=\"709\" height=\"608\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Der-Pilsener-Urknall-3.jpg 709w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Der-Pilsener-Urknall-3-150x129.jpg 150w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Der-Pilsener-Urknall-3-300x257.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19945\" class=\"wp-caption-text\">einfach nur Text<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, es ist einfach nur Text. Kaum Bilder, und wenn, dann in, der Verlag m\u00f6ge es mir verzeihen, deutlich verbesserungsw\u00fcrdiger Schwarzwei\u00dfqualit\u00e4t. Das Wort zum Bier ist es, dass hier die Hauptrolle spielt. Den Leser in den Bann schl\u00e4gt, ihn nicht wieder losl\u00e4sst und ihn mitnimmt auf einen mentalen Kreuzzug gegen etablierte Industriebrauereien. Ihm die Geheimnisse der wahren Braukunst vorf\u00fchrt, ohne selbige v\u00f6llig zu offenbaren. Und ihm, gleichsam nebenbei, die eine oder andere Gesellschaftskritik schonungslos um die Ohren haut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genussvoll keilt Michael Rudolf aus: \u201eEine kurze Testbilanz (\u2026) ist ersch\u00fctternd und fordert den Gebrauch von Schimpfworten geradezu heraus: Warsteiner, Krombacher, Henninger, Beck\u2019s, Binding, Holsten, Diebels, Feldschl\u00f6\u00dfchen, Jever, Paulaner, Licher, Tucher, K\u00f6nig, Schulheiss \u2013 die Geschmacksvermeidung der Designerbiere hat viele Namen.\u201c Er spricht von der \u201eDeliktpalette des organisierten Erbrechens\u201c, von \u201epfannengef\u00fchrten Retortensorten\u201c und von \u201eJunkbeer mit mehligem Gout\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und genauso genussvoll kommt er ins Schw\u00e4rmen, wenn ein Bier \u201ebrilliert mit gutem, reichlichem Schaum. (\u2026) Die feine Tr\u00fcbung passt gut zur fruchtig-lieblichen S\u00e4ure, die Bittere scheint nur angedeutet und garantiert einen s\u00fcffig-leichten Gesamteindruck. Ein \u201aReintrinkbier\u2018, also mit immanenter Aufforderung zum Weitertrinken.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michael Rudolf beschr\u00e4nkt sich aber bei Weitem nicht auf die Beschreibung seiner Geruchs- und Geschmackserlebnisse, sondern begl\u00fcckt mit einer Einf\u00fchrung in den Brauprozess, konsequent im Stil der Sendung mit der Maus, schreckt ab mit dem Bericht einer Brauerei-\u201eBesichtigung\u201c beim Tucher in F\u00fcrth und vergr\u00e4tzt die Szene der Hobbybrauer mit messerscharfer, organoleptischer Kritik der resultierenden Produkte. Geradezu post-orgiastisch setzt er einen grandiosen Schlusspunkt im letzten Kapitel \u201eNo Sleep \u2018til Nankendorf\u201c. Nur an einem scheitert er: An den verbindlichen Ratschl\u00e4gen, den ewigen Streit K\u00f6lsch vs. Altbier zu schlichten. Das gleichnamige Kapitel bleibt leer. Einsam h\u00e4ngt die \u00dcberschrift \u00fcber der leeren Seite und gr\u00e4mt sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bierlekt\u00fcre vom Feinsten. Unterhaltsam, kurzweilig, aber niemals oberfl\u00e4chlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Michael Rudolf<br \/>\nDer Pilsener Urknall<br \/>\nExpeditionen ins Bierreich<br \/>\nOktober Verlag<br \/>\nM\u00fcnster, 2012<br \/>\nISBN 978-3-941895-20-1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Vierzehn Jahre ist es her (2004), dass dieses Buch zum ersten Mal erschien, sechs Jahre (2012), dass die Neuauflage auf den Markt kam, und jetzt erst (2018) habe ich es zum ersten Mal gelesen. Ein recht kleines B\u00e4ndchen ist es nur, wenig mehr als 200 Seiten dick. 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