{"id":2032,"date":"2015-09-06T07:00:05","date_gmt":"2015-09-06T05:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=2032"},"modified":"2020-07-31T09:06:29","modified_gmt":"2020-07-31T07:06:29","slug":"anonymder-bier-komment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=2032","title":{"rendered":"anonym<br \/>Der Bier-Komment"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_32466\" aria-describedby=\"caption-attachment-32466\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-32466\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Miniatur-1.jpg\" alt=\"anonym, Der Bier-Komment, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Bierbuch\" width=\"370\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Miniatur-1.jpg 709w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Miniatur-1-234x300.jpg 234w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Miniatur-1-117x150.jpg 117w\" sizes=\"auto, (max-width: 370px) 100vw, 370px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32466\" class=\"wp-caption-text\">anonym <br \/>Der Bier-Komment<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2026 eine kleine, sonnt\u00e4gliche Fr\u00fchst\u00fccksphilosophie \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oha! Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf geht, als ich dieses B\u00fcchlein in die Hand nehme: Da gibt man sich jahrelang so viel M\u00fche, den Mitmenschen zu erkl\u00e4ren, dass Bier ein Genussmittel ist, und nicht nur daf\u00fcr gedacht, in m\u00f6glichst gro\u00dfen Mengen in m\u00f6glichst kurzer Zeit durch die Kehle zu rauschen und weich in der Birne zu machen. Jedenfalls meistens, denn Kirchweih-, Sch\u00fctzen- und Oktoberfeste wird es immer geben \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann bekommt man \u2013 Du bist doch Bierliebhaber, das wird Dir sicher gefallen! \u2013 ein B\u00fcchlein geschenkt, das das Br\u00fcllsaufen kodifiziert. Oh, je!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im Vorwort ist ausf\u00fchrlich von Trinkverm\u00f6gen, Trinkfestigkeit, Trinkfreudigkeit die Rede, vom Genuss jedoch kein einziges Wort. Und auf fast f\u00fcnfzig Seiten folgen dann detaillierte Regelungen, wie im studentischen Konvent das Bier zu trinken, nein, zu saufen ist. Die Menge macht\u2019s. Ob Sauerbier oder nicht, ob frisch oder abgestanden \u2013 kein Wort zur Qualit\u00e4t, nur zur Quantit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fein ausformulierte Regelungen galten damals bei den Studentenverbindungen, und ich bef\u00fcrchte, auch heute noch gibt es Bruderschaften, die sich vergleichbar verhalten. M\u00fchsam muss man sich seinen gesellschaftlichen Status, seinen Rang in der Bruderschaft ersaufen und sich mehr oder weniger menschenunw\u00fcrdigen Ritualen unterwerfen, die nur f\u00fcr den nicht peinlich sind, der im Suff und unter Seinesgleichen gro\u00dfe Reden schwingt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, danke, nichts f\u00fcr mich. Ein B\u00fcchlein, das ob seines winzigen Formats in die kleinste Hosentasche passt und dann bei passender Gelegenheit hervorgezogen werden k\u00f6nnte, um eine gem\u00fctliche Runde, in der das Bier genossen wird, in ein alkoholisiertes Durcheinander zu verwandeln. Und ich bef\u00fcrchte, dass es den einen oder anderen geben k\u00f6nnte, der genau das versucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich mag es ganz witzig sein, die sonderbaren Regelungen einmal zu \u00fcberfliegen, zu lernen, wie man in den Bierverschiss ger\u00e4t und wie man sich aus ihm wieder befreit, wie man einen Salamander reibt und durch einen solchen vielleicht auch einmal geehrt wird, aber allein schon die Schilderungen, in welchem Ma\u00dfe man verpflichtet werden kann, gr\u00f6\u00dfere und richtig gro\u00dfe Mengen Biers in knapper Zeit zu leeren, ohne R\u00fccksicht auf Konsequenzen \u2026 Nein, wirklich nicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32467\" aria-describedby=\"caption-attachment-32467\" style=\"width: 709px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-32467 size-full\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Miniatur-2.jpg\" alt=\"anonym, Der Bier-Komment, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Bierbuch\" width=\"709\" height=\"547\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Miniatur-2.jpg 709w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Miniatur-2-300x231.jpg 300w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Miniatur-2-150x116.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32467\" class=\"wp-caption-text\">Der Bierverkehr unter den einzelnen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Analysiert man den Bier-Komment, wie er sich in regional unterschiedlichen Formen im neunzehnten Jahrhundert und davor entwickelt hat, so mag man vielleicht im Zuge der Recherchen auf Argumentationen sto\u00dfen wie diese: Ohne ein solches Regularium, ohne einen verbindlichen Komment, w\u00fcrde in den Bierkellern unserer Universit\u00e4tsst\u00e4dte regellos und v\u00f6llig willk\u00fcrlich durcheinander gesoffen, die jungen Studenten h\u00e4tten keine Vorbilder, keine Leitlinien, keine Verhaltensma\u00dfregeln, und in bedauernswertem, daueralkoholisiertem Zustand w\u00fcrden sie ihre kostbaren Jugendjahre verschwenden, die Gelder ihrer Eltern vertrinken, die Examen nicht bestehen und am Ende in der Gosse landen. Nur das ritualisierte Trinken vermag ungez\u00fcgelten Exzessen vorzubeugen und Strukturen in das studentische Leben, in die studentische Gemeinschaft hinein zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was man aber in keiner dieser Quellen findet, ist eine sachliche Analyse dessen, was denn die ritualisierten Exzesse von den spontanen, ungesteuerten so positiv abhebt \u2013 ganz im Gegenteil, man findet Erz\u00e4hlungen und Geschichten von jungen Menschen, die, vom Konvent getrieben, vom Bier-Komment reguliert, der Trunksucht anheimfielen, den gesellschaftlichen Halt verloren, Haus und Hof vertranken und elendiglich zugrunde gingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, auch ich habe w\u00e4hrend meiner Universit\u00e4tsjahre viel getrunken, manchmal auch zu viel, gelegentlich sogar viel zu viel, aber gl\u00fccklicherweise nie unter formalem Zwang, sondern aus dem Genuss geboren und der fr\u00f6hlichen Atmosph\u00e4re geschuldet. Und das ist es doch, was mir Bier bedeutet: Genuss, und dieser am besten in einer angenehmen, fr\u00f6hlichen Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so sei mir hoffentlich verziehen, dass aus diesem Text, der eigentlich eine kleine Buchrezension werden sollte, ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr genussorientiertes Trinken geworden ist. Eine Absage an Quantit\u00e4t und ein Appell an Qualit\u00e4t und Genuss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und unter diesem Motto, Qualit\u00e4t und Genuss, werde ich in ein paar Stunden einen kleinen sonnt\u00e4glichen Fr\u00fchschoppen zu mir nehmen \u2013 in kleiner Runde, in entspannter Stimmung, und vor allem: In kleiner Menge.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Anonym<br \/>\nDer Bier-Komment<br \/>\nSachsenbuch Verlagsgesellschaft mbH<br \/>\nLeipzig 1996<br \/>\nISBN 3-910148-99-9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>\u2026 eine kleine, sonnt\u00e4gliche Fr\u00fchst\u00fccksphilosophie \u2026 Oha! 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