{"id":2931,"date":"2016-01-03T23:00:09","date_gmt":"2016-01-03T22:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=2931"},"modified":"2021-02-06T02:49:48","modified_gmt":"2021-02-06T01:49:48","slug":"fred-klingerbraugewerbe-und-braukunst-mitten-in-bayerningolstaedter-brauereigeschichte-im-rahmen-der-entwicklung-des-bayerischen-und-deutschen-brauwesens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=2931","title":{"rendered":"Fred Klinger<br \/>Braugewerbe und Braukunst mitten in Bayern<br \/>Ingolst\u00e4dter Brauereigeschichte im Rahmen der Entwicklung des bayerischen und deutschen Brauwesens"},"content":{"rendered":"<p class=\"hide-if-no-js\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-post-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-1-2-297x330.jpg\" alt=\"Miniatur (1)\" width=\"164\" height=\"182\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Buch f\u00fcr echte Bier-Nerds, nicht f\u00fcr nur Bier-Trinker oder Bier-Genie\u00dfer. 280 eng bedruckte Seiten, nur wenige Abbildungen, daf\u00fcr aber eine unendliche Menge an Detailinformationen. Fred Klinger beschreibt in seinem exzellent recherchierten und durch zahlreiche Quellen sauber dokumentierten Buch die Geschichte des Biers in Bayern und in Deutschland vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Eine ungeheure Flei\u00dfarbeit, die wohl nur deswegen m\u00f6glich war, weil Klinger erstens vom Fach (er beruft sich auf drei\u00dfig Jahre T\u00e4tigkeit in der Brauwirtschaft) und zweitens im Ruhestand ist (und damit hinreichend Zeit f\u00fcr eine so sorgf\u00e4ltige Arbeit hat).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was urspr\u00fcnglich, so Klinger, eine Chronik des B\u00fcrgerlichen Brauhauses Ingolstadt werden sollte, ist letztendlich zu einem umfassenden Werk geworden. Und, was mich am meisten an diesem Buch begeistert: Trotz der Detailf\u00fclle, trotz des Umfangs, trotz des Fehlens bunter Abbildungen liest sich das Buch fl\u00fcssig, wird auch dort, wo es akribisch in die Tiefe geht, nie langweilig oder trocken. Nat\u00fcrlich, an der einen oder anderen Stelle schleichen sich Auflistungen ein, die den Leser vielleicht doch nicht wirklich interessieren. Auf Seite 79 eine Namensliste aller 33 Brauer in Ingolstadt in der Zeit um 1600? Nun ja, vermutlich dann spannend, wenn man einen bekannten Familiennamen entdeckt oder gezielt etwas nachforschen m\u00f6chte. Sonst wohl eher nicht. \u00c4hnlich die detaillierte Auflistung der Einwohnerzahlen Ingolstadts von 1400 bis 1800 auf Seite 66 \u2013 pr\u00e4zise darstellend, dass dazu B\u00fcrger, Inwohner, akademische B\u00fcrger, Beamte und Hofleute geh\u00f6rten. Separat erw\u00e4hnt auch Jesuiten, Guardi-Soldaten oder Infanterie-Regimenter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber abgesehen von diesen gelegentlichen Ausfl\u00fcgen in nachschlagewerks\u00e4hnliche Tabellen und Listen, die erst dann wirklich hilfreich sind, wenn sie sauber indexiert und nicht nur in den Flie\u00dftext eingestreut sind, ziehe ich den Hut vor dem Autor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-post-thumbnail alignright\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-2.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-2-150x96.jpg 150w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-2-300x192.jpg 300w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-2.jpg 354w\" alt=\"Miniatur (2)\" width=\"211\" height=\"135\" \/>Besonders spannend nat\u00fcrlich das Kapitel zum Reinheitsgebot. Auf den Seiten 113 bis 122 wird der \u2013 komplette! \u2013 Wortlaut des Reinheitsgebots von 1516 wiedergegeben und in den Kontext der damaligen Rechtsprechung gesetzt. Und mehr noch: Zahlreiche weitere, \u00e4hnliche Regelungen werden zitiert, analysiert, und es wird somit deutlich, dass der Gebotstext vom 23. April 1516 eben nicht die einzige derartige Regelung darstellte. Auch nicht die \u00e4lteste. Und \u2013 und das m\u00fcsste der Brauerbund eigentlich wissen, ach was, jetzt schreiben wir mal ohne Konjunktiv, er wei\u00df es mit Sicherheit, denn dort wird ja auch in den Archiven geforscht, aber die Resultate werden entweder verschwiegen oder, wenn sie denn ver\u00f6ffentlicht werden, merkw\u00fcrdig interpretiert, um nur ja keinen Zweifel an der M\u00e4r des seit bald 500 Jahren unver\u00e4ndert g\u00fcltigen Reinheitsgebots zu lassen und so die Pfr\u00fcnde der bayerischen und deutschen Brauereien zu sichern, die sich r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt und reaktion\u00e4r einer evolution\u00e4ren Weiterentwicklung des Bierbegriffs in Deutschland verschlie\u00dfen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach, ich schweife ab. Schnell zur\u00fcck zum Hauptsatz: \u201eUnd, \u2026\u201c also.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und, Klinger macht auf diesen Seiten sorgf\u00e4ltig mit Quellenangaben belegt deutlich, dass das Gebot von 1516 mitnichten durchg\u00e4ngig g\u00fcltig war, sondern dass es durch andere Gebote und Brauordnungen erg\u00e4nzt, \u00fcbersteuert, au\u00dfer Kraft gesetzt wurde, und dass diese anderen Regelungen zwar immer wieder auf die Reinheit des Biers abzielten, aber mitnichten nur die drei seinerzeit genannten Zutaten zulie\u00dfen. Salz, K\u00fcmmel, Wacholderbeeren, Koriander, Lorbeer, Walnuss \u2013 eine ganze Reihe nat\u00fcrlicher (und nat\u00fcrlich reiner!) Zutaten war in wechselnden Zeitperioden durchaus erlaubt, und dies definitiv auch nicht nur unter dem Einfluss kriegsbedingter Rohstoffknappheit, die es zu kompensieren galt, sondern im normalen, allt\u00e4glichen (Friedens-) Braubetrieb gleicherma\u00dfen. Berauschende Zutaten waren allerdings immer verboten \u2013 Bilsenkraut, Pilze und \u00e4hnliche damals schon bekannte Drogen und Halluzinogene.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welch eine \u00c4hnlichkeit zu dem von den modernen Spezialbierbrauern geforderten neuen Reinheitsgebot, dass chemische und gentechnisch ver\u00e4nderte Zutaten und Hilfsmittel verbieten, nat\u00fcrliche Lebensmittel wie Fr\u00fcchte, Kr\u00e4uter und Gew\u00fcrze hingegen zulassen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das spannendste Kapitel also f\u00fcr mich. Aber \u2013 wie eingangs bereits gesagt \u2013 das ganze Buch liest sich fl\u00fcssig und ist fesselnd. Und die Kapitel \u201eVernunft und Unvernunft im Wettbewerb\u201c und \u201eGlanz und Elend des Brauerstandes\u201c, die sich auf die Neuzeit fokussieren, bilden einen fulminanten Abschluss des Buches, halten vielen modernen Brauern den Spiegel vor. Brillant!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch ist leider nicht mehr frei im Buchhandel verf\u00fcgbar; antiquarische Exemplare werden im Internet um die vierzig Euro gehandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fred Klinger<br \/>\nBraugewerbe und Braukunst mitten in Bayern<br \/>\nIngolst\u00e4dter Brauereigeschichte im Rahmen der Entwicklung des bayerischen und deutschen Brauwesens<br \/>\nVerlag Donau Courier<br \/>\nIngolstadt 1997<br \/>\nISBN 3-920253-32-9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ein Buch f\u00fcr echte Bier-Nerds, nicht f\u00fcr nur Bier-Trinker oder Bier-Genie\u00dfer. 280 eng bedruckte Seiten, nur wenige Abbildungen, daf\u00fcr aber eine unendliche Menge an Detailinformationen. 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