{"id":33087,"date":"2014-01-01T07:00:09","date_gmt":"2014-01-01T06:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=33087"},"modified":"2020-09-13T18:14:14","modified_gmt":"2020-09-13T16:14:14","slug":"2014prosit-neujahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=33087","title":{"rendered":"2014<br \/>\u201eProsit Neujahr!\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Jahr 2013 ist vorbei \u2013 unwiderruflich. Und in G\u00e4nze! Denn bereits seit Anfang Dezember \u00fcberbieten sich Zeitungen, Fernsehen und Blogs im Wettlauf um den ersten Jahresr\u00fcckblick. Analysen der vergangenen zw\u00f6lf (eigentlich oft nur elf) Monate beleuchten Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport aus allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Blickwinkeln. Fr\u00fchanalysten blicken panisch auf Sp\u00e4tereignisse, wie zum Beispiel den Tod von Nelson Mandela oder den Bombenterror in Wolgograd. Ereignisse, die die Dreistigkeit hatten, erst nach dem mentalen Jahresabschluss stattzufinden.<\/p>\n\n\n\n<p>2013 war ein bewegtes und bewegendes Jahr. F\u00fcr mich ganz pers\u00f6nlich, f\u00fcr meine eigene Betrachtung der Welt des Bieres. Auf meiner Suche nach gutem Bier bin ich erneut durch gro\u00dfe Teile Europas und Teile Asiens gereist, habe Brauereien besucht, Bierbars getestet, mich auf Bierfestivals herumgetrieben und in guten Biergesch\u00e4ften die Vorr\u00e4te f\u00fcr daheim aufgestockt. Die Bierszene ist dynamisch gewesen. Die sogenannte Craft-Bier-Revolution ist auf dem Vormarsch.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst im bierkonservativen Deutschland entstanden zahlreiche neue Kleinbrauereien. Junge Wilde, die sich an neuen, exotischen Bierstilen \u00fcben. Mit teilweise beachtlich hohen Eigeninvestitionen, teilweise liebevoll improvisiert, oft in Zusammenarbeit mit existierenden Brauereien als Wanderbrauer, oder manchmal einfach nur beratend in Zusammenarbeit mit gr\u00f6\u00dferen Betrieben. Die Gro\u00dfbrauereien betrachten diese Entwicklung aufmerksam, noch ohne Sorge. Aber die Marketingstrategen entwickeln erste Schlachtpl\u00e4ne.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schon ist der Streit da. Gro\u00dfe Konzerne bringen neue Biermarken und \u2013stile unter dem Label \u201eCraft\u201c auf den Markt. Eine Brauerei versucht sogar, sich diesen Begriff als Wortmarke sch\u00fctzen zu lassen. Eifers\u00fcchteleien beginnen. Man g\u00f6nnt sich alles, den anderen nicht viel. Auf der Graswurzelebene herrscht hingegen eitel Sonnenschein \u2013 die handwerklichen Kleinbrauer der neuen Szene kennen sich, unterst\u00fctzen sich, inspirieren sich. Noch \u2026 Es bleibt abzuwarten, wie lange.<\/p>\n\n\n\n<p>Die handwerklichen Kleinbrauer der alten Szene k\u00e4mpfen. Oft vergebens. Auch 2013 hat zahlreiche Kleinbrauereien schlie\u00dfen sehen. Nach teilweise mehreren hundert Jahren wird der Braubetrieb eingestellt. Unwirtschaftlich. Von der Konkurrenz erdr\u00fcckt. Krankheitsbedingt. Oder weil der Nachwuchs den elterlichen Betrieb nicht \u00fcbernehmen will. Kleinodien der Brauereigeschichte gehen vor die Hunde. Anderswo, manchmal nur wenige Kilometer entfernt, entstehen neue, und der Kreis schlie\u00dft sich, wird zum ewig rotierenden Rad des Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nachbarland Polen ist die Entwicklung noch dynamischer. Selbst die zuverl\u00e4ssigsten Beobachter der Szene verlieren den Anschluss an die tagesaktuelle Entwicklung. Wer ist noch Hausbrauer? Wer schon in Zusammenarbeit mit einer etablierten Brauerei etwas mehr? Wer hat sich schon selbst\u00e4ndig gemacht? Als Kleinbrauer, als Wanderbrauer, als graue Eminenz hinter einer unver\u00e4ndert unscheinbar agierenden Regionalbrauerei? Oder als aus dem Nichts entstandener nationaler Player. Pinta l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<p>Dynamik allerorten. Selbsternannte Auguren der Bierszene sprechen bereits von einer Craft-Bier-Blase und warten, dass sie platzt, w\u00e4hrend andere sich noch m\u00fchen, den Begriff Craft \u00fcberhaupt erst definieren zu wollen. Ist das, was in den Vereinigten Staaten noch als handwerklich, als \u201eCraft\u201c gilt, bei uns nicht oft schon eine Gro\u00dfbrauerei? \u00c4ndert Konzernabh\u00e4ngigkeit den handwerklichen Brauprozess in einer Kleinstbrauerei, gilt das dann nicht mehr als Craft? Mehr eine Philosophie, als eine objektive Betrachtung. Unsere polnischen Nachbarn beginnen, \u201eCraft\u201c durch \u201eKraft\u201c zu ersetzen. Nicht im Sinne des deutschen Wortes, nicht auf Starkbiere beschr\u00e4nkt, aber um sich vom amerikanischen \u201eCraft\u201c abzusetzen und eine eigene Philosophie des handwerklichen Bierbrauens zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>2014 wird Antworten auf manche Frage des vergangenen Jahres geben. Platzt die Craft-Bier-Blase wirklich? Gibt es \u00fcberhaupt schon eine? Wie behaupten sich die alteingesessenen Kleinbrauer, insbesondere im Bierwunderland Franken? Bringt der Generationswechsel, der in vielen Betrieben ansteht oder gerade stattgefunden hat, neuen Schwung? Holla, die Waldfee! Hier ist Bewegung. Werden die neuen Biere endlich problemlos \u00fcberall im Land zu kaufen sein? Erschlie\u00dfen sie sich die klassischen Distributionskan\u00e4le oder bleibt das den finanzstarken Playern wie denen hinter Braufaktum vorbehalten? Wieviel ist der deutsche Biertrinker dauerhaft bereit, f\u00fcr sein Bier zu zahlen? F\u00fcr sein Alltagsbier, f\u00fcr ein Degustationsbier, f\u00fcr den besonderen Anlass?<\/p>\n\n\n\n<p>Ach ja, und was passiert eigentlich mit dem Deutschen Reinheitsgebot? Nur noch zwei Jahre vor seinem 500. Jahrestag ger\u00e4t es unter Druck wie nie zuvor. Vehemente Gegner des Reinheitsgebots k\u00e4mpfen um neue Bierstile, um das Schleifen der Bastion zugunsten des neuen Geschmacks. Internationale Gro\u00dfkonzerne (und nationale Gro\u00dfbrauereien?) reiben sich im Hintergrund schon die H\u00e4nde und sehen M\u00f6glichkeiten, Bier noch billiger, noch effizienter produzieren zu k\u00f6nnen. Die Vielfalt der Argumente ist nicht immer sachlich, die Gefahr des Chemiebiers mit k\u00fcnstlichen Enzymen, genmodifizierten Hefen und Billigst-Rohstoffen aus importiertem Getreide wird heraufbeschworen. 500 Jahre durchg\u00e4ngige Tradition (die es leider objektiv nie gegeben hat) wird als Gegenargument ins Feld gef\u00fchrt, ja sogar die UNESCO instrumentalisiert. Unsachliche Argumente auf beiden Seiten, die Lager stehen sich unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich wird der Brauerbund mit dem Mut der Verzweiflung bis 2016 durchhalten, um 500 Jahre Reinheitsgebot aus seiner Sicht geb\u00fchrend feiern zu k\u00f6nnen. Danach wird man sich in der Mitte pragmatisch einigen. Fr\u00fcchte, Gew\u00fcrze, nat\u00fcrliche Zutaten werden erlaubt; Chemie und Gentechnik verboten? Wo zieht man die Grenze? Die Fachanw\u00e4lte des Lebensmittelrechts werden sich schon vorbereiten!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber bis 2016 ist es noch lang. Vor uns liegt 2014. Was es in der Bierszene bringen wird, wei\u00df ich nicht. Dass es viel Neues bringen wird, dessen bin ich mir sicher. Ob es mir gelingen wird, auf Ballh\u00f6he zu bleiben? Ich werde es versuchen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"709\" height=\"531\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Jahresbeginn-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33088\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Jahresbeginn-1.jpg 709w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Jahresbeginn-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Jahresbeginn-1-150x112.jpg 150w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Jahresbeginn-1-678x509.jpg 678w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Jahresbeginn-1-326x245.jpg 326w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Jahresbeginn-1-80x60.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size\"><strong>Neujahrsmorgen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heute, am Neujahrsmorgen, l\u00e4ute ich das Jahr wieder mit meinem ersten Sud ein. Ich baue die Anlage in der K\u00fcche auf, stelle mich an den Kessel und werde brauen, w\u00e4hrend um mich herum das Land langsam verkatert die Augen \u00f6ffnet. Das Bier wird mein erster Beitrag zur Bierszene 2014.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><strong>Deutschland schl\u00e4ft, Volker braut!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das Jahr 2013 ist vorbei \u2013 unwiderruflich. Und in G\u00e4nze! Denn bereits seit Anfang Dezember \u00fcberbieten sich Zeitungen, Fernsehen und Blogs im Wettlauf um den ersten Jahresr\u00fcckblick. Analysen der vergangenen zw\u00f6lf (eigentlich oft nur elf) Monate beleuchten Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport aus allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Blickwinkeln. 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