{"id":4360,"date":"2016-06-27T23:00:03","date_gmt":"2016-06-27T21:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=4360"},"modified":"2022-04-02T16:03:11","modified_gmt":"2022-04-02T14:03:11","slug":"reinhard-jarczok-red-bier-selber-brauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=4360","title":{"rendered":"Reinhard Jarczok (Red.)<br \/>Bier selber brauen"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn man durch einen Supermarkt l\u00e4uft und auf den Grabbeltischen in der B\u00fccherecke ein kleines B\u00e4ndchen sieht, Bier selber brauen, und dieses dann auch noch mit einem Preis von gerade mal 3,99 EUR versehen ist, dann legt man es als Hobbybrauer automatisch in den Einkaufswagen, ohne weiter dar\u00fcber nachzudenken \u2013 man kann da sicher nichts verkehrt machen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bier-selber-brauen-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-40417\" width=\"841\" height=\"1267\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bier-selber-brauen-1.jpg 235w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bier-selber-brauen-1-199x300.jpg 199w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bier-selber-brauen-1-100x150.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 841px) 100vw, 841px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>Reinhard Jarczok (Red.)<br>Bier selber brauen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kann man aber doch. Zumindest in diesem Falle. Dieses kleine B\u00fcchlein ist selbst den l\u00e4cherlichen Preis von 3,99 EUR nicht wert, obwohl es auf den ersten Blick gut gemacht aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein fester Einband, durchg\u00e4ngig hochwei\u00dfes, leicht gl\u00e4nzendes, festes Papiere, Farbdruck, viele Bilder. Der erste Eindruck ist positiv. Beim zweiten Blick, noch ohne zu lesen, sondern nur beim mit dem Daumen Durchbl\u00e4ttern, bemerkt man aber schon, dass die Bildauswahl ein wenig zusammengest\u00fcckelt wirkt. Moderne Fotos, klassische Bilder und Zeichnungen, bunt durcheinander, kein durchg\u00e4ngiges Layout.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber, was z\u00e4hlt, ist der Inhalt, nicht das Aussehen. Gehen wir doch also von vorne bis hinten das Buch einmal durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Inhaltsverzeichnis wirkt beeindruckend. Winzige Schrift, drei Spalten, zwei Seiten lang. Bis der Leser merkt, dass auch ganz kurze Abschnitte von gerade mal sieben Zeilen L\u00e4nge (und das bei zweispaltigem Druck!) als eigenes Kapitel mit eigener \u00dcberschrift aufgenommen worden sind \u2013 das gaukelt nat\u00fcrlich eine gewaltige Themenf\u00fclle vor!<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten vierzig Seiten sind \u2013 das scheint bei deutschen B\u00fcchern \u00fcber das Bier und das Brauen obligatorisch zu sein \u2013 der Geschichte des Biers gewidmet. Meinetwegen. Aber ein Lektor h\u00e4tte ja schon einmal \u00fcber diese Seiten gehen k\u00f6nnen. Beispielsweise im Abschnitt Gerstenanbau. \u201eHauptanbaugebiete sind China, D\u00e4nemark, Deutschland, GUS, Deutschland, Polen, Kanada, \u00d6sterreich, Spanien, Tschechien, Spanien, USA\u201c Abgesehen davon, dass die GUS, die Gemeinschaft unabh\u00e4ngiger Staaten, heute als Begriff v\u00f6llig \u00fcberholt ist, wundert es schon, dass es Deutschland und Spanien zweimal in diese Liste geschafft haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es kommt noch viel besser. Beziehungsweise schlechter. Es schlie\u00dft sich ein Abschnitt \u00fcber Biersorten und Bierarten, \u201eEine kleine Bierfibel\u201c, an. Hier scheinen irgendwelche Versatzst\u00fccke aus den unterschiedlichsten Quellen zusammengetragen und aneinandergef\u00fcgt worden zu sein, teilweise zusammengefasst und dann oft verf\u00e4lscht, teilweise auch einfach hintereinander gesetzt. Nur ein Beispiel, im Absatz \u201eAbteibier\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEine Besonderheit der Abteibiere ist das Trappistenbier, das ausschlie\u00dflich von M\u00f6nchen gebraut wird und mit dem Pr\u00e4dikat \u201aBestes Bier der Welt\u2018 ausgezeichnet wurde.\u201c Weder wird Trappistenbier ausschlie\u00dflich von M\u00f6nchen gebraut (einige Trappistenbrauereien haben weltliche Brauer eingestellt), noch gibt es ein Trappistenbier, insofern kann es auch nicht \u201eBestes Bier der Welt\u201c sein. Und falls die Rede vom Westvleteren-Trappistenbier gewesen sein sollte, so sollte schon angegeben werden, wer beziehungsweise welche Institution sich berufen gef\u00fchlt hat, entscheiden zu d\u00fcrfen, welches Bier das \u201eBeste Bier der Welt\u201c ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur eine Seite weiter: \u201eDas \u201aCuv\u00e9e des Trolls\u2018 ist ein \u201ajunfges\u2018 Bier\u201c. Aha. Was hat eine Biermarke, Cuv\u00e9e des Trolls, als eigene Biersorte hier zu suchen? Dann k\u00f6nnte man auch Warsteiner, Veltins und Krombacher jeweils als eigenen Bierstil auff\u00fchren. Und, was zum Teufel ist ein \u201ejunfges\u201c Bier?<\/p>\n\n\n\n<p>Ach, und so geht es fort und fort: \u201eDer Geschmack (von Haferbier) ist etwa zwischen Berliner Wei\u00dfe und Hefeweizen angesiedelt.\u201c Aha. Das habe ich noch nie geh\u00f6rt, und noch kein Bier mit Haferzusatz, das ich bisher getrunken habe, best\u00e4tigte diese Aussage. Schon gar nicht, wenn ich an leckere Oatmeal Stouts denke \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Und immer wieder kommen regional und zeitlich begrenzte Ph\u00e4nomene in den Fokus. M\u00f6lmsch, als eine Art M\u00fclheimer K\u00f6lsch, bekommt einen eigenen Abschnitt; eine Studenteninitiative aus Kopenhagen (Vores \u00d8l) ebenfalls. Warum? Es erschlie\u00dft sich mir nicht \u2026<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bier-selber-brauen-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-40418\" width=\"839\" height=\"595\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bier-selber-brauen-2.jpg 354w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bier-selber-brauen-2-300x213.jpg 300w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bier-selber-brauen-2-150x106.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 839px) 100vw, 839px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>nur auf den allerersten Blick ein sch\u00f6nes Buch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schlimm ist der Abschnitt \u00fcber ober- und unterg\u00e4riges Bier und die Biergattungen. Die Behauptung, \u201eDer Hobbybrauer wird einen Stammw\u00fcrzegehalt von ca. elf bis 14 Prozent anstreben.\u201c steht v\u00f6llig aus der Luft gegriffen mitten im Absatz, l\u00e4sst beim Lesen stutzen und nachdenken. Schlimmer noch: Die Frage in der \u00dcberschrift \u201eWann ist Bier oberg\u00e4rig?\u201c wird beantwortet mit \u201eHeute nehmen oberg\u00e4rige Biere den geringeren Teil des Angebots ein.\u201c Aha! Und der Gipfel: \u201eOb unter- oder oberg\u00e4riges Bier gebraut wird, erkennt man an der Umgebungstemperatur in einer Brauerei.\u201c Wenn dieser sowieso schon irref\u00fchrende Satz dann auch noch als Bildunterschrift zu einer Sudpfanne gesetzt wird (Seite 64), ist das Durcheinander komplett.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch bevor also der Abschnitt \u00fcber die \u201eInhaltsstoffe des Biers\u201c beginnt, ist der Leser konfus. Aber auch dort, Unfug allerorten. Auf Seite 80 erneut ein sch\u00f6nes Bild eines kupfernen Sudwerks, und darunter die Bildunterschrift \u201eIm Sudkessel spaltet die Bierhefe den Zucker in Alkohol, Kohlens\u00e4ure und weitere Nebenprodukte auf\u201c Es ist nicht zu fassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders wichtig (Achtung! Ironie!) f\u00fcr den angehenden Hobbybrauer ist dann auch die auf Seite 81 erfolgende Auflistung der chemischen Bezeichnungen f\u00fcr die sechs wichtigsten Ester, die f\u00fcr fruchtige Aromen im Bier verantwortlich sind: Essigs\u00e4uremethylester, Essigs\u00e4ure-3-methylbutylester, Essigs\u00e4ureisobutylester, Essigs\u00e4ure-2-phenylethylester, Hexans\u00e4ureethylester und Octans\u00e4ureethylester. Das ist f\u00fcr den Anf\u00e4nger offensichtlich essentielles Wissen!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber darum geht es ja gar nicht wirklich. Der Abschnitt \u201eWissenswertes vor dem Brauen\u201c st\u00fcckelt auf zehn Seiten unterschiedliche Elemente des Brauprozesses zusammen, ohne sie in die richtige Reihenfolge zu bringen oder gar einen Sudablauf zu beschreiben. Und wenn dann der eigentliche Kernabschnitt dieses Buchs folgt, \u201eBier brauen\u201c (dies ist das Hauptthema des Buchs, und umfasst immerhin 11 von 175 Seiten!), dann kommt eine Brauanleitung, bei der ich vor jedem, der es ausschlie\u00dflich auf deren Basis schafft, ein genie\u00dfbares Bier zu brauen, in aller Ehrfurcht den Hut ziehe. Wenig plastisch, unanschaulich, unstrukturiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sich anschlie\u00dfend nett liest, ist die etwa drei\u00dfigseitige Sammlung von Braurezepten, jeweils garniert mit ein paar Informationen zum jeweiligen Bierstil. Schade nur, dass auch hier viel Falsches steht. Beispielsweise ist das Rezept zum Export-Bier, das auch korrekterweise ausdr\u00fccklich als unterg\u00e4riges Bier bezeichnet wird, mit einer Werbeanzeige f\u00fcr schottisches (oberg\u00e4riges!) Ale illustriert. Und bei der Beschreibung des Stils Wei\u00dfbier wird sogar eine Zeitreise r\u00fcckw\u00e4rts in die Vergangenheit m\u00f6glich gemacht: Nach Verweis auf einen 1761 ergangenen Erlass, hei\u00dft es einen Satz sp\u00e4ter: \u201eDiese Einschr\u00e4nkung wurde (\u2026) in seiner Polizeiordnung aus dem Jahr 1616 nochmals ausdr\u00fccklich best\u00e4tigt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten etwas mehr als drei\u00dfig Seiten bieten eine Reihe von leckeren Rezepten, bei deren Zubereitung Bier verwendet wird. Ich habe keines dieser Rezepte ausprobiert, aber wenigstens sind hier die Bilder appetitanregend \u2013 das Durchbl\u00e4ttern macht Spa\u00df. \u2013 Obwohl nat\u00fcrlich auch dieses recht lange Kapitel mit dem eigentlichen Thema des Buchs, Bier selber brauen, nichts zu tun hat.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Summe also leider: Ein oberfl\u00e4chlich zusammengestoppeltes Werk aus Versatzst\u00fccken, f\u00fcr die Praxis wenig brauchbar und grottenschlecht lektoriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Fehlkauf! Leider.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Reinhard Jarczok (Red.)<br>Bier selber brauen<br>garant Verlag GmbH<br>Renningen, 2014<br>ISBN 978-3-86766-469-1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Wenn man durch einen Supermarkt l\u00e4uft und auf den Grabbeltischen in der B\u00fccherecke ein kleines B\u00e4ndchen sieht, Bier selber brauen, und dieses dann auch noch mit einem Preis von gerade mal 3,99 EUR versehen ist, dann legt man es als Hobbybrauer automatisch in den Einkaufswagen, ohne weiter dar\u00fcber nachzudenken \u2013 <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=4360\" title=\"Reinhard Jarczok (Red.)Bier selber brauen\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":40417,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[61,60],"tags":[],"class_list":{"0":"post-4360","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"category-rezensionen"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4360"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40419,"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4360\/revisions\/40419"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/40417"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}