{"id":45202,"date":"2023-07-14T22:21:00","date_gmt":"2023-07-14T20:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=45202"},"modified":"2024-04-30T14:41:53","modified_gmt":"2024-04-30T12:41:53","slug":"vier-spezialitaetender-browar-grodzisk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=45202","title":{"rendered":"Vier Spezialit\u00e4ten<br \/>der Browar Grodzisk"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wer h\u00e4tte das vor zehn Jahren gedacht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor etwas mehr als zehn Jahren bin ich mit ein paar polnischen Freunden in den Ruinen der ehemaligen <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/browar_grodzisk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Brauerei Grodzisk<\/a> herumgestromert und habe <a href=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=30758\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">einen kurzen Blog-Beitrag<\/a> dar\u00fcber geschrieben \u2013 eine mindestens vierhundert Jahre alte Brauereigeschichte schien ihr endg\u00fcltiges Ende gefunden zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze Aktion fand statt, nachdem wir zuvor viele Monate lang versucht haben, in Archiven mehr \u00fcber das Piwo Grodziskie und dessen Zubereitung zu erfahren. Gemeinsam hatten wir seinerzeit einen <a href=\"https:\/\/pspd.org.pl\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/grodziskie-redivivus-raport-1-eng.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bericht zu unseren Recherchergebnissen<\/a> erstellt und insgeheim gehofft, dass sich vielleicht doch irgendwann einmal ein Investor finden m\u00f6ge, der der alten Brauerei wieder Leben einhauchen und die Produktion des Piwo Grodziskie (in Deutschland auch gelegentlich Gr\u00e4tzer Bier genannt) wieder aufnehmen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau das ist tats\u00e4chlich eingetreten: Nur wenige Wochen nach unserem Besuch wurde die alte Ruine von der Investmentgesellschaft IBG gekauft und 2015 kam das erste in Grodzisk Wielkopolski gebraute Piwo Grodziskie auf den Markt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"747\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-1-1024x747.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45204\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-1-1024x747.jpg 1024w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-1-300x219.jpg 300w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-1-150x109.jpg 150w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-1-768x560.jpg 768w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-1.jpg 1063w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>vier Spezialit\u00e4ten aus Grodzisk<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Mittlerweile kann man wohl behaupten, dass die Brauerei sich etabliert hat. Es gibt das Piwo Grodziskie wieder auf dem polnischen Markt, und mehr noch: Die Brauerei stellt auch ein paar weitere Spezialit\u00e4ten unter dem Label Piwo z Grodziska (Bier aus Gr\u00e4tz) her. Vier dieser Spezialit\u00e4ten habe ich beim St\u00f6bern im <a href=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=45006\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bierl\u00e4dchen Elysium<\/a> in Szczecin entdeckt und zur Verkostung mit heim genommen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><strong>Verkostungsnotizen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-2-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45205\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-2-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-2-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-2-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-2-768x769.jpg 768w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Vier-Spezialitaeten-der-Browar-Grodzisk-Mini-2.jpg 1063w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>Grodziskie Piwobraniowe 2023; Grodziska APA; Grodziska White IPA; Grodziskie Session Ale<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Grodziskie Piwobraniowe 2023 (4,0%)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gleich die erste Flasche, die ich \u00f6ffne, ist eine ganz besondere: Beim Hausbrauwettbewerb 2022 hat Kacper Specya\u0142 mit einer besonderen Interpretation des Piwo Grodziskie gewonnen: Eine etwas vollmundigere Version mit Zugabe von Ananassaft und Rosmarin. Die Jury war begeistert, und die Brauerei hat es unter der Bezeichnung Grodziskie Piwobraniowe 2023 in gro\u00dfem Ma\u00dfstab gebraut und auf den Markt gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bier ist hellgelb und gleichm\u00e4\u00dfig tr\u00fcb, und es wird gek\u00f6rnt von einer \u00fcppigen und stolzen, schneewei\u00dfen und festen Schaumkrone.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Duft ist eine hochinteressante Mischung aus einem ganz dezent rauchigen Fundament mit intensiven, spielerisch-fruchtigen Ananasnoten dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Antrunk ist spritzig-frisch und leicht pfeffrig, auf der Zunge prickelt das Bier sehr angenehm, zeigt aber gleichzeitig auch eine leicht phenolische Rauchigkeit, die die Schleimh\u00e4ute leicht viskos belegt (\u201eseifig\u201c kling so negativ \u2026). Retronasal spielen erneut die fruchtigen Ananasaromen die erste Geige, dahinter der dezente Rauch, und ganz im Hintergrund kommt jetzt ein kr\u00e4uteriger Hauch dazu \u2013 ein Hinweis auf den verwendeten Rosmarin.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abgang ist recht schlank, nach dem Schluck bleiben nur ein paar dezente Aromen, die aber rasch abklingen, und auch die insgesamt nicht sehr stark ausgepr\u00e4gte Bittere klingt sehr rasch ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein sch\u00f6nes, erfrischendes Sommerbier, das mich insbesondere wegen der dezenten Ausgewogenheit der Aromen \u00fcberzeugt \u2013 hier wurde der Versuchung widerstanden, zu viel Rosmarin, zu viel Ananas hineinzuballern. Stattdessen von allem nur einen Hauch!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Grodziska APA (5,2%)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Bier hat eine hellbraune Farbe, ist leicht tr\u00fcb und entwickelt einen sehr sch\u00f6nen, altwei\u00dfen und lange haltbaren Schaum, der beim Abtrinken dicke Flocken am Glasrand hinterl\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Duft ist dezent. Als erstes ersp\u00fcre ich ein paar typische nezeitliche Hopfenaromen, vorwiegend in eine fruchtige (rote Beeren) Richtung tendierend. Sie basieren laut Etikett aber ausschlie\u00dflich auf polnischen Hopfensorten (polnischer Cascade, Lubelski, Marynka und polnischer Magnum). Erst dahinter kommt ein Hauch von Rauch hervor \u2013 ganz, ganz zur\u00fcckhaltend.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Antrunk ist frisch und herb, und auf der Zunge entwickelt sich sofort eine knackige Bittere mit angenehm fruchtigen Hopfennoten. Retronasal kommt der Hauch von Rauch hinzu, und erst nach dem Schluck sp\u00fcre ich die phenolischen Rauchnoten ein wenig deutlicher. Das \u00fcber Eichenholz gedarrte Rauchmalz ist offensichtlich nur ganz sparsam eingesetzt worden \u2013 gerade so viel, dass es dem aufmerksamen Genie\u00dfer auff\u00e4llt und ins Portfolio der Brauerei passt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir gef\u00e4llt\u2019s.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Grodziska White IPA (6,0%)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Bier hat eine hellgelbe Farbe (mit einem ganz schwachen Rotstich, der jetzt aber nicht vom Stiegl-Logo auf dem Glas kommt \u2026), ist sch\u00f6n gleichm\u00e4\u00dfig tr\u00fcb und tr\u00e4gt einen altwei\u00dfen Schaum, der lange h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Duft ist sehr angenehm \u2013 eine zur\u00fcckhaltende Kombination aus Mandarinenschale, einem Hauch von Rauch und einer Note, die mich an sogenannten \u201ewei\u00dfen Tee\u201c erinnert, also extrem feine Blattknospen von Tee, der nur zur\u00fcckhaltend fermentiert und getrocknet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Antrunk ist nicht zu spritzig, aber doch sehr frisch mit einer feinen, pfeffrigen Sch\u00e4rfe und einer sp\u00fcrbaren Bittere. Auf der Zunge gesellen sich zitronige Noten hinzu, die den rauchigen und teeartigen Aromen eine spielerische Note verleihen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den Schluck verm\u00e4hlen sich Frucht-, Rauch- und Teeraomen retronasal auf\u2019s Allerfeinste, harmonieren sehr sch\u00f6n mit der Hopfenbittere, und nur ein ganz feiner, viskoser Belag auf der Zunge (schleimig w\u00e4re zu viel gesagt, zumal er gleichzeitig auch ganz leicht adstringierend wirkt), gef\u00e4hrdet fast die F\u00fcnf-Sterne-Wertung.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nachgang studiere ich die Zutatenliste und bin erstaunt, wie die Brauer in Grodzisk dies alles zu fein zusammenkomponiert haben: Zur Kalthopfung deutscher Hallertau Blanc, amerikanischer Ekuanot und japanischer Sorachi Ace, f\u00fcr die Bittere Magnum. Dazu Teebl\u00e4tter von Sencha Earl Grey. Pilsener Malz, Weizenmalz, Roggenmalz und unverm\u00e4lzter Weizen wurden genutzt und alles mit der eigenen Hefe aus Grodzisk vergoren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Grodziskie Session Ale (4,5%)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Bier ist mittelgelb, leicht tr\u00fcb und ziemlich hoch gespundet, so dass sich trotz extrem vorsichtigen Einschenkens eine \u00fcppige Schaumschicht bildet, die auch lange von feinen Kohlens\u00e4urebl\u00e4schenketten gen\u00e4hrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Duft ist blumig und erinnert ein wenig an Rosenbl\u00fcten \u2013 sehr interessant, aber auch ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Antrunk ist spritzig und kohlens\u00e4urescharf. Auf der Zunge sch\u00e4umt das Bier zun\u00e4chst auf, und erst nach einem Moment werden die Aromen sp\u00fcrbar. Ein ganz dezenter Hauch Rauch, eine ebenso dezente S\u00e4ure und ein noch viel dezenterer fruchtiger und blumiger Akzent. Angenehm erfrischend.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Abgang ist frisch und erfrischend, und erst ganz am Schluss kommt ein feiner, viskoser Belag auf den Schleimh\u00e4uten zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein feines Bier f\u00fcr hei\u00dfe Sommertage.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Browar w Grodzisku Wielkopolskim<br>Pozna\u0144ska 16b<br>62-065 Grodzisk Wielkopolski<br>Polen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Wer h\u00e4tte das vor zehn Jahren gedacht? Vor etwas mehr als zehn Jahren bin ich mit ein paar polnischen Freunden in den Ruinen der ehemaligen Brauerei Grodzisk herumgestromert und habe einen kurzen Blog-Beitrag dar\u00fcber geschrieben \u2013 eine mindestens vierhundert Jahre alte Brauereigeschichte schien ihr endg\u00fcltiges Ende gefunden zu haben. 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