{"id":5716,"date":"2016-11-11T23:00:09","date_gmt":"2016-11-11T22:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=5716"},"modified":"2024-11-25T14:21:01","modified_gmt":"2024-11-25T13:21:01","slug":"emil-ulischbergerrund-ums-bier-und-kochrezepte-mit-bier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=5716","title":{"rendered":"Emil Ulischberger<br \/>Rund ums Bier \u2026 und Kochrezepte mit Bier"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein bisschen vergilbt ist es schon, das kleine B\u00e4ndchen \u00fcber Bier aus DDR-Sicht, das mir in die H\u00e4nde gefallen ist. Herausgegeben 1983 in Leipzig, ein kleines Taschenbuch mit etwas \u00fcber 170 Seiten. \u201eRund ums Bier\u201c, verspricht der nicht gerade einfallsreiche Titel, und die dezent farbige Grafik auf dem Umschlag zeigt eine Stubbi-Flasche und ein halbes Dutzend stilisierte Biergl\u00e4ser.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"241\" height=\"354\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-1-227.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5719\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-1-227.jpg 241w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-1-227-102x150.jpg 102w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-1-227-204x300.jpg 204w\" sizes=\"auto, (max-width: 241px) 100vw, 241px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>Emil Ulischberger<br>Rund ums Bier \u2026 und Kochrezepte mit Bier<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Das Buch liest sich fl\u00fcssig, der Stil ist eing\u00e4ngig, wenn auch nicht gerade mitrei\u00dfend, und in f\u00fcnf Abschnitten wird dem Leser einiges rund ums Bier nahegebracht \u2013 oftmals sehr durch die zeitgen\u00f6ssische, und noch \u00f6fter nat\u00fcrlich durch die sozialistische Brille gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Abschnitt, offensichtlich obligatorisch in jedem Buch \u00fcber Bier, ein Abriss der f\u00fcnftausendj\u00e4hrigen Geschichte: \u201eVom Ursprung des Bieres\u201c. Die \u00fcbliche Aneinanderreihung von Fakten, beginnend im Zweistromland Mesopotamien \u00fcber die Biergeschichte des Mittelalters, die Rolle der Kl\u00f6ster, bis hin in die Neuzeit. Kennt man ja. Doch halt, etwas f\u00e4llt auf: Das <a href=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?page_id=369\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">sogenannte \u201eReinheitsgebot\u201c<\/a> von 1516 fehlt. Es wird nicht nur nicht n\u00e4her erl\u00e4utert, sondern gleich v\u00f6llig verschwiegen. Hei\u00dfa!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"354\" height=\"342\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-210.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5720\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-210.jpg 354w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-210-150x145.jpg 150w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-210-300x290.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>Hopfenernte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Aber nat\u00fcrlich ist der Grund daf\u00fcr offensichtlich, und das ist mitnichten die Tatsache, dass es w\u00fcnschenswert w\u00e4re, auch mit anderen nat\u00fcrlichen Zutaten als Getreide, Hopfen, Hefe und Wasser zu brauen, sondern dass es in der DDR \u00fcblich war, Bier mit Zuckerzusatz zu brauen und zus\u00e4tzliche Enzyme zu verwenden, wenn der Zuckeranteil einmal gar zu hoch geraten war. Das Buch macht auch gar kein Geheimnis daraus, wie man auf Seite 90 dann sp\u00e4ter nachlesen kann: \u201eAuch der Zusatz von Zucker im Sudhaus ist vielfach \u00fcblich. (\u2026) Das durch den verringerten Malzeinsatz reduzierte Enzympotential wird durch Zugabe von nat\u00fcrlichen Enzympr\u00e4paraten erfolgreich ausgeglichen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Abschnitt des Buchs, \u201eBier hier \u2013 Bier dort\u201c, liest sich aus heutiger Sicht am unterhaltsamsten. Zun\u00e4chst wird der Bierdurst der DDR-B\u00fcrger mit 138 Litern pro Kopf und Jahr gelobt, und anschlie\u00dfend wird Bier in der DDR und Bier beim Nachbarn vorgestellt. G\u00e4rzeitverk\u00fcrzende Verfahren, Gro\u00dfraumreaktoren (heute als ZKG bekannt) und die Zusammenfassung der Bierproduktion in den lokalen Markt beherrschende Betriebe (u.a. VEB Radeberger Exportbierbrauerei) werden in der DDR, der \u010cSSR, der UdSSR, der VR Polen, der Ungarischen VR, der SFR Jugoslawien, der VR Bulgarien und der SR Rum\u00e4nien (was waren uns diese K\u00fcrzel einst vertraut\u2026) als Errungenschaften dargestellt, die es erm\u00f6glichen, \u201eeinen gr\u00f6\u00dferen Aussto\u00df (zu) gew\u00e4hrleisten \u2013 bei verbesserter Qualit\u00e4t, sei hinzugef\u00fcgt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gleiches Vorgehen in der Bundesrepublik wird verunglimpft. Von \u201ePudding-Oetker\u201c und \u201eZigaretten-Reemtsma\u201c, von \u201eM\u00fcnchner Bankmagnaten\u201c und \u201eBrauerei-Sammlern\u201c ist die Rede, und \u201eEs geht um Maximalprofit\u201c. \u201eDer Konsument zahlt in jedem Falle die Rechnung!\u201c, hei\u00dft es, aber n\u00e4here Ausf\u00fchrungen dazu gibt es nat\u00fcrlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Abschnitt \u201eVom Halm zum Glase\u201c ist dann (unabsichtlich?) entwaffnend ehrlich, wenn der Produktionsprozess beschrieben wird, die Nutzung von Enzympr\u00e4paraten erw\u00e4hnt wird und an mehreren Stellen darauf hingewiesen wird, dass das Bier nur \u201eeine begrenzte Haltbarkeit\u201c hat, Gastwirte nur einen Vorrat von acht Tagen anlegen und das Bier gar darauf reagiert \u201ewenn ein Gewitter im Anzug ist\u201c. Gute <span style=\"text-decoration: line-through;\">Ausreden<\/span> Gr\u00fcnde, wenn ein Bier in der Gastwirtschaft mal gekippt ist, vielleicht sauer schmeckt. Ob es vielleicht eher an der Hygiene liegen k\u00f6nnte? Die Ratschl\u00e4ge, die Leitung vom Bierkeller zum Schanktisch \u201ealle Monate mechanisch zu reinigen\u201c und \u201ew\u00f6chentlich ein Gummib\u00e4llchen durch die Leitung zu jagen\u201c, \u00fcberzeugen aus heutiger Sicht nicht wirklich \u2013 angesichts dieser geringen Reinigungsfrequenz wird es wohl eher an der Schankhygiene denn am herannahenden Gewitter gelegen haben, wenn sich die G\u00e4ste \u00fcber m\u00e4\u00dfigen Biergenuss beklagten \u2026<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"354\" height=\"334\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-3-99.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5721\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-3-99.jpg 354w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-3-99-150x142.jpg 150w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-3-99-300x283.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>Wirtshausszene<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Der vierte Abschnitt \u201eRund ums Bier\u201c, der den eigentlichen Titel des Buchs wieder aufgreift, ist recht kurz und besteht aus einem Sammelsurium von Kuriosit\u00e4ten, Sprichw\u00f6rtern und Anekdoten und erl\u00e4utert ein wenig die gesundheitlichen Aspekte des Biergenusses.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Abschnitt \u201eLeckerbissen von und zu Bier\u201c findet sich eine Rezeptsammlung, die einen netten Spiegel der Zeit darstellt. Leckerbissen der 70er Jahre sind hier beschrieben, die auch ich aus meiner Jugendzeit kenne. Wobei sich mir an der einen oder anderen Stelle die Frage stellt, was diese Rezepte mit Bier zu tun haben \u2013 sind es doch oftmals nur einfache, rustikale und s\u00e4ttigende Speisen ohne speziellen Bierbezug und auch ohne, dass Bier bei der Zubereitung verwendet wird. \u201eFeinschmeckerrezepte\u201c, wie auf der hinteren Umschlagseite beworben, sind es jedenfalls nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Summe ein unterhaltsames, aber anspruchsloses B\u00fcchlein, das man an einem Abend auf dem Sofa problemlos durchliest. Es hat seinerzeit f\u00fcnf Mark gekostet, und wenn man Gl\u00fcck hat, findet man es heute noch in irgendeinem Antiquariat oder vielleicht bei einem der elektronischen Auktionsh\u00e4user \u00e0 la eBay.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Emil Ulischberger<br>Rund ums Bier \u2026 und Kochrezepte mit Bier<br>VEB Fachbuchverlag<br>Leipzig, 1983<br>ISBN o.A.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ein bisschen vergilbt ist es schon, das kleine B\u00e4ndchen \u00fcber Bier aus DDR-Sicht, das mir in die H\u00e4nde gefallen ist. 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