{"id":6046,"date":"2016-12-09T23:00:56","date_gmt":"2016-12-09T22:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=6046"},"modified":"2025-07-13T17:13:41","modified_gmt":"2025-07-13T15:13:41","slug":"auf-ein-bier-ins-sofitelvom-sinn-und-unsinn-ueberall-exotisches-bier-trinken-zu-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/?p=6046","title":{"rendered":"Auf ein Bier ins Sofitel?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vom Sinn und Unsinn, \u00fcberall exotisches Bier trinken zu wollen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4ndig unterwegs: Der Arbeitgeber schickt mich mal hierhin, mal dorthin. Meistens innerhalb Europas, oft aber auch dar\u00fcber hinaus. Und so bummele ich eines Tages im Zeitfenster zwischen Konferenz und R\u00fcckflug durch H\u00e0 N\u1ed9i. Es ist vormittags, und ich schlendere langsam eine der mond\u00e4neren Stra\u00dfen der Stadt entlang.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Hotel Sofitel Legend Metropole taucht vor mir auf, ein Haus mit gro\u00dfer Geschichte. 1901 im Franz\u00f6sischen Kolonialstil errichtet, war es von Anfang an Herberge f\u00fcr ber\u00fchmte Besucher der Stadt. Staatschefs, Botschafter und so mancher ber\u00fchmte Star haben hier \u00fcbernachtet. Charlie Chaplin, Jane Fonda, George Bush, Fran\u00e7ois Mitterrand, Jacques Chirac \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich so an der oft fotografierten Fassade mit den gr\u00fcnen Fensterl\u00e4den entlanggehe, sehe ich auf einem der runden Tische auf der Veranda eine Getr\u00e4nkekarte liegen und sp\u00e4he hinein. Viel erwarte ich nicht, jedenfalls nicht in meinem Interessenbereich. Bestimmt viele teure Whiskys und Cocktails, Wein und Champagner. Und wie \u00fcberrascht bin ich, als ich fast eine ganze Seite mit Bier entdecke.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"253\" height=\"354\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-1-263.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6049\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-1-263.jpg 253w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-1-263-107x150.jpg 107w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-1-263-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 253px) 100vw, 253px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>eine Bierkarte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eAber klar\u201c, winke ich in Gedanken absch\u00e4tzig ab, \u201enat\u00fcrlich die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen.\u201c Und wie zum Beweis folgt nach drei vietnamesischen Industriebieren eine Handvoll internationaler Industriebiere. Heineken, Asahi, Corona, damit die Krawattniks dieser Welt sich gro\u00dfkotzig als weltm\u00e4nnisch geben k\u00f6nnen. Zur Ehrenrettung noch zwei Belgier: Hoegaarden und Chimay. Entt\u00e4uscht will ich die Karte schon wieder weglegen, als ich die n\u00e4chste Zeile lese: Micro Brewery \/ Craft Beer. Da bleibt mein Blick nat\u00fcrlich sofort h\u00e4ngen. Drei Biere aus Neuseeland werden angeboten, nein, nicht nur angeboten, sondern auch detailliert vorgestellt. Mit zwei bis drei Zeilen wird das Geschmacksprofil erl\u00e4utert, zweisprachig sogar, in englisch und in vietnamesisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kurzer Blick auf die Uhr. Es ist elf. Eigentlich zu fr\u00fch. Aber was soll\u2019s\u2026 Im Nu sitze ich auf der Terrasse, bestelle mir das Kingtide Pacific India Pale Ale und warte gespannt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"228\" height=\"354\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-239.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6050\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-239.jpg 228w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-239-97x150.jpg 97w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-2-239-193x300.jpg 193w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>Kingtide Pacific India Pale Ale<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Es dauert einen Moment, bis die nette Dame wieder kommt, aber dann steht sie vor mir, die Flasche. Aus der neuseel\u00e4ndischen Brauerei Beach Brewing Co. Nicht ganz stilecht, aber noch in Ordnung, gibt es dazu eine schlanke Pilsfl\u00f6te, \u00e4hnlich dem Warsteiner-Glas. Unangenehme Assoziationen kommen auf, verschwinden nach dem Einschenken aber rasch wieder. Statt schwinds\u00fcchtiger Warsteinerbl\u00e4sse bietet das Bier orangegoldenes Leuchten. Leicht opalisierend mit einem wei\u00dfen Schaum.<\/p>\n\n\n\n<p>Feine Hopfenaromen str\u00f6men mir entgegen; auch wenn das Bier ein wenig zu kalt ist, sind sie schon deutlich sp\u00fcrbar. Auf der Zunge dann ein fester, malziger K\u00f6rper, der sich mit einer kernigen Bittere des Hopfens paart; dar\u00fcber spielen fruchtige, an Stachelbeeren erinnernde Aromen und leichte, harzige Noten. Im Abgang eine saubere und trockene Bittere, die Durst macht auf den n\u00e4chsten Schluck.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n. Ich bin zufrieden. Keine Offenbarung, aber ein sehr ordentliches India Pale Ale mit vielen fruchtigen Noten. Ein rundum gutes Bier.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bleibe noch ein wenig auf der Terrasse sitzen und sinniere dar\u00fcber nach, dass es oftmals die unerwarteten Biermomente sind, die sich so sch\u00f6n genie\u00dfen lassen. Ein exotisches Bier aus Neuseeland, von einem Deutschen getrunken, mitten in Vietnam.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"377\" height=\"213\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-3-115.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6051\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-3-115.jpg 377w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-3-115-150x85.jpg 150w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-3-115-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>Ich bleibe noch ein wenig auf der Terrasse sitzen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Bei diesem einen Bier soll es aber auch bleiben, es ist ja noch fr\u00fch. Ich frage nach der Rechnung, schiebe gleichg\u00fcltig meine Karte in das Leseger\u00e4t, und erst als ich auf die Anzeige schaue, kommt der Schock: 440000,- VND. Plus 5% Service-Charge. Plus 10% State Tax. Macht 508200,- VND. Etwa 21,- EUR. F\u00fcr ein Bier.<\/p>\n\n\n\n<p>Schluck!<\/p>\n\n\n\n<p>Ist das die gerechte Strafe f\u00fcr die Gier nach immer neuen, exotischen Bieren? F\u00fcr die Oberfl\u00e4chlichkeit, mit der ich zwar die Bierbeschreibung in der Karte gelesen habe, aber nicht den Preis? Und h\u00e4tte mir der Rolls Royce, der mit einer gewissen L\u00e4ssigkeit, geradezu gedankenlos an der Hauptstra\u00dfe abgestellt worden ist und schon eine leichte Staubschicht aufweist, nicht Fingerzeig, Mahnung gar sein sollen?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"481\" height=\"213\" src=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-4-30.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6052\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-4-30.jpg 481w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-4-30-150x66.jpg 150w, https:\/\/blog.brunnenbraeu.eu\/wp-content\/uploads\/Miniatur-4-30-300x133.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:12px\"><strong>ein l\u00e4ssig abgestellter, verstaubter Rolls Royce<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Fragen \u00fcber Fragen. Aber keine Antworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur das Bewusstsein, dass es immerhin ein sehr sch\u00f6ner Moment gewesen ist. Hier, im Sofitel Legend Metropole auf der Terrasse, direkt vor dem Rolls Royce. Neuseel\u00e4ndisches Bier unter vietnamesischer Sonne.<\/p>\n\n\n\n<p>Sinn? Unsinn?<\/p>\n\n\n\n<p>Ach, ich wei\u00df es nicht. Will es auch nicht wissen. Sch\u00f6n war\u2019s!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Vom Sinn und Unsinn, \u00fcberall exotisches Bier trinken zu wollen. St\u00e4ndig unterwegs: Der Arbeitgeber schickt mich mal hierhin, mal dorthin. Meistens innerhalb Europas, oft aber auch dar\u00fcber hinaus. Und so bummele ich eines Tages im Zeitfenster zwischen Konferenz und R\u00fcckflug durch H\u00e0 N\u1ed9i. 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