Die Dose ist die neue Verpackung für Bier. Von den Nicht-Craftbier-Trinkern noch weitgehend unbemerkt, hat sie sich für die neuen und kreativen Kleinbrauereien etabliert. Sie ist leicht, schützt das Bier deutlich besser vor den schädlichen Einflüssen des Lichts als es noch so dunkle Flaschen können, ist sauerstoffdicht (was der Haltbarkeit des Biers zugutekommt, wenn der Abfüller bei den Dosen den Sauerstoffeintrag genauso gut auf ein Minimum zu reduzieren vermag, wie bei den Flaschen), und sie ist ökologisch den Einwegflaschen überlegen. In Bezug auf die Mehrwegflaschen streiten sich die Gelehrten, und es hängt wohl sehr stark von den einbezogenen Parametern ab, ob die Dose oder die Flasche in der Gesamtbetrachtung (Bauxit-Abbau, kurze oder lange Transportwege, Recyclingquote der Dosen, Umlaufhäufigkeit der Flaschen, und, und, und …) umweltfreundlicher ist.
Und noch eins ist die Dose: Sie ist durch ihre regelmäßige Zylinderform eine deutlich bessere Projektionsfläche für Design als die Flasche. Die nutzbare Fläche ist größer und gleichmäßiger geformt.
So hat sich innerhalb weniger Jahre eine ganz eigene Kunstform entwickelt – das Design der Craftbier-Dosen.
Das Buch Craft Beer Design befasst sich ausschließlich mit dieser Kunstform und gibt mit Stand 2022 einen recht umfassenden Überblick über die verschiedenen Spielarten.

Peter Monrad
Craft Beer Design
Auf über zweihundert großformatigen Seiten in hervorragender Druckqualität auf matt glänzendem, hochwertigem Papier werden rund fünfzig Brauereien aus der ganzen Welt und ihre Designlinien vorgestellt. Optisch ein Genuss!
Die englischen Texte sind kurz und halten sich im Wesentlichen an eine Handvoll fester, jeweils dem verantwortlichen Designer gestellter Fragen – wie würdest Du den visuellen Stil Deiner Brauerei beschreiben, wie entstehen neue Designs, woher nimmst Du Deine Inspirationen, welches ist das Design, auf das Du am stolzesten bist, welches Design anderer Brauereien gefällt Dir …
Die Antworten sind teils blumig, teils abschweifend oder ausweichend, teils sachlich kurz und knapp. Manchmal lese ich auch inhaltsleeres Gewäsch, zum Beispiel im Fall von To Øl: „How would you describe the visual style of your brewery? – Referential, inconsistent, idiosyncratic, and slightly eccentric. Once in a while the planets and stars align perfectly and unexpected beauty emerges.“
Im Allgemeinen sprechen die abgebildeten Dosen in den großen und plakativen Abbildungen aber für sich.

große und plakative Abbildungen
Ab und an steht nahezu ausschließlich das Design im Vordergrund der Dosengestaltung, und ich habe als Verbraucher das gelegentlich etwas nervende Gefühl, die interessanten Informationen über den Inhalt geduldig mit der Lupe suchen zu müssen. Finde ich schade, denn ich kaufe eine bestimmte Biermarke in erster Linie wegen des Inhalts, des Biers, und nicht, weil ich die Dose so schön finde. Manchmal aber gehen Design und Information eine wunderbare Liaison ein, und dann bin ich wirklich begeistert.
Insgesamt ein sehr beeindruckendes Buch, in dem ich gerne immer mal wieder zur Entspannung blättere.
Aber eins bleibt, was nervt: Jeder Designer hat die Frage gestellt bekommen „Which of your labels are you most proud of?“, und die meisten haben diese Frage auch recht konkret beantwortet. Aber nur in den seltensten Fällen ist das genannte Label auch in den Abbildungen zu finden. Da wird Bezug genommen auf irgendein konkretes Bier, irgendeine konkrete Dose, die ganz besonders gelungen gewesen zu sein scheint, aber die Abbildungen lassen genau dieses eine Kunstwerk vermissen.
So viel Aufwand für ein so gelungenes Buch, aber an dieser Stelle hinterlässt es jedes Mal ein schales Gefühl. Blöd!
Sehr sogar.
Peter Monrad
Craft Beer Design
gestalten
Berlin, 2022
ISBN 978-3-96704-032-6
To Øl is not particularly one of my favourite breweries, so I have no dog in the discussion, but I find the reply from their can designer really quite funny. You wrote, „Machmal lese ich auch inhaltsleeres Gewäsch zum Beispiel im Fall von To Øl.“
Leider meiner Meinung nach liegst du völlig daneben.
They answered,“Referential, inconsistent,idiosyncratic and slightly eccentric. Once in a while the planets and stars align perfectly and unexpected beauty emerges.“
I really smiled when I read that. Nicely self-deprecating, slightly sarcastic, humourous and extracting the urine. Whether or not they thought the question daft, they certainly give that impression.I found their answer to be a nice attempt at humour,perhaps British humour, given English is my first language. Aber einer Sache kann ich sagen, es gibt bestimmt ab und zu inhaltsleeres Gewäsch‘, aber du hast ein schlechte Beispiel benutzt deine Kritik zu illustrieren. Sorry.
Gruß,
Neil
Hallo, Neil, hab herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar, denn ich, wie immer, sehr schätze.
Allerdings: Diesmal kann ich Dir nicht folgen und zustimmen. „Once in a while the planets and stars align perfectly and unexpected beauty emerges.“ ist für mich einfach nur eine pseudophilosophische Seifenblase – die bei genauerem Hinsehen nichts anderes aussagt als „es ist halt einfach so passiert“. Mit einem leisen Plopp platzt die Seifenblase, und es bleibt nichts als ein feuchtes Tröpfchen auf dem Fußboden …