3 Brasseurs Saran
Saran
FRA

Also, schön ist die Lage hier draußen nicht! Ein großes Handelszentrum vor den Toren der Stadt Orléans. Riesige Parkplätze, Betonflächen, Autos ohne Ende. Puh! Die typische Infrastruktur entlang der großen Ausfallstraßen. Hässlich ohne Ende.

Andererseits … Wenn die Lage schon nicht schön ist, so ist sie wenigstens praktisch. Denn läge die Brauerei 3 Brasseurs Saran nicht direkt an der Nationalstraße 20, dann wären wir hier auch nicht eingekehrt: Wir rollen durch einen Kreisverkehr, der gerade umgebaut wird. Im Schritttempo geht es voran, und so haben wir Zeit, mal nach links und rechts zu kucken. Les 3 Brasseurs lesen wir, und spontan ist der Entschluss gefällt. Wir umrunden den Kreisverkehr, verlassen die Route Nationale 20 und biegen in das Gewerbegebiet ab.

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hübsch ist es von außen jetzt nicht …

So riesig, wie die Parkplätze hier sind, so voll sind sie auch. Es dauert einen Moment, bis wir eine Lücke gefunden haben und den Wagen abstellen können, und dann laufen wir an den endlosen Reihen parkender Autos entlang bis zum Eingang der Brauerei.

Zwischen ein paar überdimensionierten Blumentöpfen geht es hindurch, dann durch eine Glastür, und schon laufen wir direkt auf ein kleines, kupfernes Sudwerk zu. Irgendeine Feier muss hier stattgefunden haben, die Braukessel sind mit weißen und himmelblauen Girlanden verziert. Oktoberfest vielleicht?

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Überreste einer Oktoberfestdekoration „zieren“ das Sudwerk

Rechter Hand ist ein kleiner Verkaufsstand mit Werbeartikeln und einzelnen Bierflaschen, und dann kommen wir in den großen Schankraum. Beziehungsweise kommen wir nicht, denn es ist Mittagszeit, und das Restaurant ist voll. Wir müssen einen Moment am Eingang warten, bis ein Tisch für uns frei wird, und dann werden wir freundlich an der großen Theke entlang in den hinteren Bereich geleitet.

Die Karte offeriert uns fünf verschiedene Biere, die dauerhaft im Angebot sind, und unter der Überschrift „je nach Saison und Restaurant“ finden sich noch drei weitere. Das Platzdeckchen aus Papier listet für die Saison Juli bis Dezember 2019 insgesamt sechs verschiedene Biere auf. Hm, das wird schwierig. Immerhin ist es erst Mittagszeit…

Die freundliche und sehr aufmerksame Bedienung spricht – in Frankreich leider immer noch eine Seltenheit – recht gut Englisch, und auf meine Frage, welches Bier sie denn empfehlen könne, rät sie mir zu einem Probierbrettchen mit vier kleinen Gläsern. Gute Idee! Habe ich hier gar nicht erwartet, sonst wäre ich vielleicht selbst drauf gekommen.

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das Probierbrettchen

Es dauert nicht lang, und das Brettchen steht vor mir. Ich beginne mit dem Blanche, einem Witbier mit 4,7% Alkohol. Leicht und luftig, spielerisch und fruchtig – ein schönes Aperitifbier. Deutlich besser als erwartet, schließlich habe ich speziell mit Weizenbieren in Gasthausbrauereien schon oft meine Enttäuschungen erlebt. Es wird gefolgt vom 5,2%igen Blonde. Runder und gefälliger, etwas voller, aber ebenfalls schön fruchtig. Ich bin mit dem Auftakt zufrieden.

Jetzt wird es aber Zeit, sich etwas zum Essen auszusuchen. Die Karte ködert mich mit einem Zwischending aus Pizza und Flammkuchen, zwar Flammekueche genannt, aber viel zu groß dafür und zu dick. Eine spezielle Kreation des Hauses. Der Belag besteht aus Schinken, Hackfleisch, Pommes Frites und Spiegelei. Klingt lecker und ungesund. Ist es auch. Aber irgendwie haben mich die zwei kleinen Biere übermütig gemacht, und ich bestelle mir das Trumm tatsächlich.

In Wirklichkeit ist es genauso gewaltig wie in meiner Vorstellung. Unter den kritischen Augen meiner holden Ehefrau säbele ich daran herum und lasse es mir schmecken.

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eine leichte Zwischenmahlzeit ist das jetzt nicht …

Das Ambrée, ein 6,2%iges bernsteinfarbenes Bier, schmeckt dazu allerdings nicht. Es ist mastig, und ich schmecke alkoholische, spritige Noten, die mir überhaupt nicht zusagen. Schade. Da passt das vierte Bier dann schon viel besser, nämlich das 5,6%ige Fumée. Ein Rauchbier. Kritisch schnuppere ich am Glas, befürchte, irgendwelche Kabelbrände zu riechen, werde aber sehr angenehm überrascht. Eine dezente, nicht sofort alles andere überdeckende Rauchnote paart sich mit einem feinen und runden Malzkörper, und nach dem Schluck spüre ich eine spürbare, aber saubere und nicht zu lange haftende Bittere im Rachen. Sehr schön. Ein vorzüglicher Begleiter zum deftigen, sehr, sehr deftigen und reichhaltigen Essen.

Zufrieden lehne ich mich zurück und mache, als meine Frau gerade nicht hinschaut, den obersten Knopf meiner Hose auf. Puh. Wenn ich ehrlich sein soll, war es zu viel des Guten.

Aber wenn es doch so lecker war…

„Jetzt müssen wir aber noch einen Kaffee trinken!“, stellt meine Frau fest. „Oder wir fahren direkt ins Hotel zurück und verschlafen den Rest des Tages, und das wäre schade um unsere freie Zeit!“

Wo sie recht hat, hat sie recht. Heimlich signalisiere ich der Bedienung, dass ich zum Kaffee auch gerne noch das IPA probieren würde. Sie nickt und fragt, ob ich dazu dann einen Café Gourmand nähme. Hört sich gut an, denke ich und nicke, während meine Frau sich einen normalen Café Crema ordert.

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noch was Kleines zum Dessert

Ach, hätte ich doch nur vorher in die Speisekarte geschaut, was sich hinter dem Café Gourmand verbirgt. Oder damals in der Schule im Französischunterricht besser aufgepasst. Gourmand heißt Vielfraß, und genau so sieht der Café Gourmand auch aus. Ein Tässchen Espresso, begleitet von sechs kleinen Desserts. Ein Keks, ein Stückchen Gebäck, ein Schüsselchen frischer Quark, eine Panna Cotta, eine Früchtekreme und ein Schokoladenpudding. „Ich glaub‘ es jetzt nicht“, entfährt es meiner Frau. „Das hast Du Dir jetzt nicht wirklich bestellt, oder?“ Ich nicke kleinlaut, und sie lehnt sich zurück. „Na prima. Das wird jetzt ein Schauspiel, das ich genießen werde. Guten Appetit, und wehe, es bleibt etwas übrig!“

Natürlich bleibt nichts übrig. Dazu schmeckt es zu gut, und dazu bin ich heute auch zu gierig. Das schön gehopfte und sehr ausgewogene IPA begleitet die Süßspeisen und setzt einen deftigen Kontrast. Ohne die Bittere des IPA wären mir die sechs Nachtische wohl zu viel geworden. Zu süß, zu klebrig, zu voll. Aber die Kombination ist prima.

Jetzt noch einen zweiten Hosenknopf zu öffnen, ist unmöglich, das fiele zu sehr auf. Aber es war fein. Die Biere waren für eine Gasthausbrauerei, noch dazu Teil einer Kette von Gasthausbrauereien, sehr ordentlich – insbesondere das Rauchbier und das IPA viel besser, als in diesem Kontext erwartet. Das Essen war sehr reichhaltig und trotzdem qualitativ in Ordnung, nicht nur zugunsten der Menge einfach nur viel und billig zusammengeworfen, sondern wirklich schmackhaft zubereitet. Die Desserts waren der reine Übermut, aber auch ganz fein. Dazu ein freundlicher und aufmerksamer Service.

Insofern fühle ich mich positiv überrascht. Hier, im Industriegebiet, hätte ich eher Massenabfertigung und zweifelhafte Qualität erwartet. Gerne also mal wieder, wenn mich mein Weg erneut nach Orléans führen sollte.

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Blick in den Lagerkeller

Bevor wir gehen, werfe ich auf der anderen Seite des Schankraums noch einen Blick durch die Glasscheiben in den Lagerkeller. In rund zehn simplen Gär- und Lagertanks reift das Bier hier vor sich hin; ein paar Fässer stehen hier und da herum.

Ich rolle mehr zum Auto, als dass laufe, aber es war ein netter Brauerei- und Restaurantbesuch.

Die 3 Brasseurs Saran sind täglich ab 11:30 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist die Brauerei durch die Lage im Gewerbegebiet sinnvoll nur mit dem Auto. Beim Versuch, hier zu Fuß herzukommen, wird man vermutlich mindestens dreimal von der Straße gehupt oder angefahren…

Bilder

3 Brasseurs Saran
1006 Route Nationale 20
45 770 Saran
Frankreich

2 Kommentare

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