Die Bierklinik, oder:
Wie uns eine rumänische Brauerei zeigt, wie man Bier originell vermarkten kann.

Clinica de Bere, die Bierklinik. Eine rumänische Gasthausbrauerei. Ein Stand unter vielen anderen auf der Braukunst Live! 2015. Ein Golden Ale gibt es hier, und ein Weizen.

Nicht weiter erwähnenswert?

Doch, definitiv!

Zum Einen: Hand auf’s Herz! Wer hätte gedacht, dass es in Rumänien eine Gasthausbrauerei gibt? Und dass diese dann sogar auf die Braukunst Live! nach München kommt?

Und zum Anderen: Ganz nonchalant und unaufdringlich zeigen es die Rumänen, wie man pfiffige Werbung macht.

Die Bierklinik. „Sanum per Cerevisiam“ – „Gesundheit durch Bier“, wie der Grieche weiß. Wenn er lateinisch kann.

MiniaturDie Idee des Biers als Allheilmittel zieht sich durch den ganzen Auftritt der Brauerei. „Terapia“ – „Therapie“, so heißen die Biere. Es gibt eine Gold- und eine Platin-Therapie, in Form eine Golden Ales und eines Weizens. Entdecken Sie eine neue Behandlung. Ergänzt werden die beiden Therapieformen durch einen speziellen Behandlungsbereich, die Brot-Bier-Klinik, mit Treber-Brot. Und auch eine individuelle Bier-Therapie gibt es, nämlich personalisiertes Bier nach Wunsch (und Rezept) des Kunden.

Eine lange Liste von medizinischen Indikationen wird angegeben (Stress, Unruhe, Nervosität, Schlaflosigkeit, die ganze Reihe von wohltuenden Wirkungen eines guten Biers wird aufgelistet), und natürlich fehlen auch Kontraindikationen nicht: Übermäßiger Genuss, Suchtgefahr und natürlich „don’t drink and drive“.

Das Tüpfelchen auf dem „i“ war aber, als mir Heinrich Loth, der Brauereibesitzer, ein Medikamentenpäckchen in die Hand drückte. „Inhaltsstoffe und Anwendungsgebiete – Diese Packung enthält alle Zutaten für das Terapia-Bier“, steht drauf. Und in der Tat: In dem Päckchen finden sich drei winzige Tütchen mit Hopfen, Malz und Hefe. Dazu ein ausführlicher Beipackzettel: Präparat, Darstellungsformen, Zutaten, Therapeutische Klasse, Wirkstärke, Kontraindikationen – alles ist sorgfältig und mit einem Augenzwinkern aufgeschrieben.

Volltreffer. Egal, wem wir dieses Medikamentenpäckchen gezeigt haben, jeder war begeistert. Eine wirklich gute Werbeidee.

Und nur eine winzige Kleinigkeit trübt den tollen Eindruck: Da der Deutsche strunzdumm ist und vor sich selbst geschützt werden muss, ist aus legalen Gründen noch der Schriftzug dazu gedruckt: „Achtung, keine echten Arzneimittel!“

Trotzdem, eine prima Idee!

Und jenseits der Gedanken über die Werbung: Das Weizen ist ein süffiges, aber leicht langweiliges Bier; das Golden Ale hingegen mit Raffinesse gehopft und beeindruckend. Sehr weich, sehr ausgewogen, mit einem feinen Hopfencharakter. Sehr schön.

Die Brauerei selbst existiert seit etwa fünf Jahren und ist hervorgegangen aus zehnjähriger, vorheriger Hausbrautätigkeit. Sie befindet sich in Timișoara, und Hauptmotivation, auf die Braukunst Live! zu kommen, war: „Wir wollen eine Rückkopplung über unsere Biere bekommen. Es geht nicht darum, Bier nach Deutschland zu exportieren, dazu brauen wir viel zu wenig. Aber wir wollen wissen, wie den Deutschen unser Bier schmeckt.“ So Heinrich Loth.

Bilder

2 Kommentare

    • Jein, denke ich.

      Es wird ja nicht ausdrücklich behauptet, dass der Genuss des Biers gesund sei, sondern das ganze eher satirisch aufgearbeitet. Und da sollte der Vermerk auf der Packung („Achtung, keine echten Arzneimittel!“) eigentlich ausreichen. – Allerdings bleibe ich bei meiner Behauptung, dass der Deutsche offensichtlich so strunzdumm ist, dass er vor sich selbst geschützt werden muss.

      Bei dem Werbeverbot, dass Du zitierst, ging es ja darum, dass nicht satirisch, sondern vollkommen ernst behauptet wurde, dass Bier gesundheitsfördernd ist. Und da greifen meines Erachtens andere Mechanismen.

      Aber wie dem auch sei, ich finde den Werbeansatz der Rumänen unverändert genial!

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