„Viele tausend verschiedene Biere gibt es in Deutschland zu verkosten – und noch viele tausend weitere in der ganzen Welt.“ So habe ich es bereits auf der Seite Start / Autor dieser Homepage geschrieben, auf der ich mich und mein Hobby vorstelle – und so war die Jagd nach immer neuen Bieren, immer neuen Geschmackserlebnissen, auf die ich mich Anfang 1995 begeben habe, die ich bis heute noch nicht beendet habe und die ich wohl nie beenden werde, nur die konsequente Folge dieser Feststellung.

Bis heute habe ich weit über 13.000 verschiedene Biere verkostet – manchmal nur einen winzigen Schluck, manchmal auch größere Mengen. Das war nicht immer nur von der Qualität abhängig – oft habe ich von exzellenten und besonderen Bieren nur eine kleine Menge abbekommen, weil wir uns mit mehreren eine klitzekleine Flasche teilen mussten, und manchmal habe ich mir mutig eine ganze Kiste eines viel versprechenden Bieres gekauft, das dann aber doch nicht so gut schmeckte und tapfer weg getrunken werden musste…

Einkäufe in Getränkemärkten oder Besuche in Brauereien und Biergärten gestalten sich, seitdem ich mit diesem Hobby begonnen habe, recht spannend. Bevor ich spontan zum erstbesten (oder ersten und eben nicht immer besten) Bier greife, befrage ich meine Bierliste, ob ich das betreffende Bier nicht schon einmal getrunken habe, und ob es vielleicht nicht besser sei, zum zweiten, dritten oder x-ten Bier des Angebots überzugehen, um die Jagd nach neuen Bieren erfolgreich weiter zu führen und mit einem gezielten Blattschuss wieder eine neue Biermarke „zu erlegen“ und der Trophäensammlung hinzuzufügen. Aus dem blanken Gedächtnis geht das leider nicht mehr – bei über 13.000 Positionen fühle ich mich da (obschon noch lange nicht senil) doch ein wenig überfordert.

Das geduldige Blättern in der ausgedruckten Bierliste oder auch das Nachschauen in meinem elektronischen Gedächtnis – meinem Smart Phone, das mich fast immer begleitet – gab schon häufig Anlass zu interessiertem Nachfragen meiner Mitmenschen, und in der Folge entspannen sich schon viele interessante Gespräche und Diskussionen rund ums Bier.

Einige der Fragen, die mir dabei gestellt wurden und immer wieder gestellt werden, möchte ich an dieser Stelle beantworten.

Die allererste und wichtigste:

1. Ist diese Bierliste auch im Internet abrufbar?

Lange musste ich dies immer verneinen, aber mittlerweile bin ich so oft gefragt worden, dass ich mich habe breitschlagen lassen. Hier ist sie also:

Miniatur1Und wer Probleme damit hat, diese Excel-Tabelle darzustellen, der findet die Liste hier noch einmal im pdf-Format, in dem Format, in dem ich sie auch auf meinem Smart-Phone oder anderen mobilen Endgeräten schnell mal unterwegs nutzen kann, und zwar einmal mit reduziertem Informationsumfang und etwas kleinerer Dateigröße:

Miniatur2…und einmal mit vollständigen Informationen:

Miniatur3Und hier nun die anderen Fragen (und Antworten):

2. Nach welchen Kriterien sind die Biere in der Liste erfasst?

Ich versuche, zu jedem Bier die genaue Bezeichnung der Brauerei und des Bieres zu erfassen, dazu den Ort, das Land (gegebenenfalls einschließlich des Bundeslandes), in dem das Bier gebraut wurde, den Alkoholgehalt, die Darreichungsform (Flasche, Fass, Dose, Plastikflasche, Nachfüllflasche oder sogar Lagertank, wenn ich das Bier in der Brauerei „zwickeln“ konnte), das Datum, an dem ich das Bier getrunken habe und schließlich eine Bewertung von „+“ bis „+++++“. Diese Daten sind auch in der oben veröffentlichten Bierliste enthalten.

Darüber hinaus umfasst meine Bierdatenbank noch zahlreiche andere Informationen, wie zum Beispiel meine persönlichen Geschmacksempfindungen, die Gelegenheit, bei der ich das Bier getrunken habe, Informationen über die Brauereien (einschließlich deren Adressen, Telefonnummern, Internetadressen), Bilder und Fotos der Biere, Videos, und, und, und… Diese Daten habe ich aber nicht veröffentlicht, da sie zum Einen teilweise sehr persönlich sind, zum Anderen aber auch vom Umfang her den Rahmen sprengen würden (es handelt sich um einen Datenbestand von derzeit über 50 Gigabyte).

3. Was fließt in die geschmackliche Bewertung ein?

Ich bewerte die Farbe und Klarheit, den Schaum und seine Stabilität, den Geruch und den Geschmack – vom Antrunk über die Vollmundigkeit bis zum Abgang. So objektiv wie möglich, und so subjektiv wie nötig. Ich versuche, dabei die Merkmale, die für die Biersorte typisch sind (Herbe und Aroma beim Pilsener, Hefetrübung beim Weißbier, Malzkörper beim Bockbier, usw.) zu bewerten, lasse aber auch meine persönlichen Vorlieben einfließen.

4. Manchmal scheint das gleiche Bier mehrmals aufzutauchen!

Ich sehe einen Unterschied darin, ob ein Bier zum Beispiel in Flasche, Fass oder Dose angeboten wird (beispielsweise ist Dosenbier häufig mal pasteurisiert, das gleiche Flaschenbier aber nicht), betrachte diese verschiedenen Darreichungsformen also als unterschiedliche Biere. Bei Klein- und Gasthausbrauereien wandeln sich der Geschmack und die Qualität des Bieres häufig mit der Zeit – hier betrachte ich Biere aus verschiedenen Kalenderjahren auch als verschiedene Biere. Letzteres gilt auch für Saisonbiere wie Oktoberfestbiere, Winter- oder Weihnachtsbiere, Maibock u.ä. Dann kann man Biere, insbesondere schwere, alkoholstarke Biere, auch gut lagern und nach einem, zwei oder gar vielen Jahren erneut verkosten und prüfen, wie sich Geruch und Geschmack in dieser Zeit verändert haben. Und schließlich ändern die Brauereien auch gelegentlich ihre Rezepturen – häufig am leicht unterschiedlichen Alkoholgehalt erkennbar. Dann hat ein Pils plötzlich 4,9 % statt vormals 4,8 %. Auch das sind für mich unterschiedliche Biere.

Man mag mir vorwerfen, die Anzahl der getesteten Biere damit künstlich zu vergrößern. Na und? Kommt es wirklich darauf an, ob in der Liste über 13.000 getestete Biere enthalten sind, oder nur 9.000? Ach was! Und: Häufig genug schmecke ich tatsächlich Unterschiede, und gerade bei winzigen Gasthausbrauereien oder kleinen, fränkischen Dorfbrauereien schmeckt sogar jeder einzelne Sud ein wenig anders. Da müsste ich eigentlich noch viel präziser als nur jährlich differenzieren…

5. Wann hast Du alle Biere durch?

Nie. Erstens gibt es dazu viel zu viele Biere, da reicht ein Menschenleben gar nicht. Und zweitens entstehen und vergehen tagtäglich kleine Brauereien oder die von ihnen gebrauten Biere – schneller, als man da „hinterher trinken“ kann…

6. Wird das mit der Zeit nicht langweilig?

Nein.

7. Kann man beim Verkosten wirklich so viele geschmackliche Unterschiede feststellen?

Gegenfrage: Würdest Du das einen Weintrinker auch fragen?

Nein?

Na also!

Natürlich kann man so viele Unterschiede feststellen. Meines Erachtens noch wesentlich mehr, als beim Wein. Es ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen, dass es im Bier deutlich mehr unterschiedliche Stoffe gibt, die als Komponenten zu Geruch und Geschmack beitragen. Sehr viel mehr als beim Wein! (Wer’s nicht glaubt, dem empfehle ich, in auf der Seite Bier erleben einmal nachzusehen – dort habe ich eine schier unendlich lange, allerdings englischsprachige Liste von „Beer Tasting Terms“ bereitgestellt, mit der sich der Genießer dieser unglaublichen Komplexität und Vielfalt relativ systematisch nähern kann.)

Um diese Komplexität und Fülle aber nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis kennen zu lernen, bedarf es jedoch der Bereitschaft, nicht immer nur nach „einem Bier“ zu fragen, „ein Bier“ trinken zu wollen – denn sonst bekommt man fast immer nur ein Pilsener oder Lager angeboten. Das ist so ungefähr die bierige Entsprechung früher zum „Amselfelder“ oder heute zum „Prosecco“ der Freunde vergorener Trauben. Immer gleich, ohne Charakter, aber von Werbung und Mode beeinflusst. (Sind wir nicht alle ein wenig „Schickimicki“ und lassen uns eher von dem beeinflussen, was gerade „in“ ist, anstelle auf unseren eigenen Geschmack und unsere eigenen Vorlieben zu achten???)

Also: Nicht nach „einem Bier“ fragen, sondern sich nach Spezialitäten, besonderen Bieren oder wenigstens regionalen Sorten erkunden! Sonst verpasst man nämlich all die anderen Geschmacksrichtungen, die jenseits des Pilsener- und Lagerhorizonts liegen.

Und man sollte sich davon lösen, nur das als Bier zu bezeichnen, was streng nach dem so genannten „Deutschen Reinheitsgebot“ gebraut ist. Dann verpasst man nämlich auch sehr viele und sehr gute Biere. Dazu aber an anderer Stelle mehr. Viel mehr!

8. Was ist mit Biermischgetränken?

Solange der Bieranteil mindestens 50 % beträgt, nehme ich sie in die Liste mit auf. Gnadenlos. Auch wenn es geschmacklich manchmal viel Überwindung kostet.

9. Manche Biere haben eine besonders gute oder besonders schlechte Bewertung, die gar nicht nachvollziehbar erscheint – wieso?

Wenn es eine besonders gute Bewertung ist, die nicht nachvollziehbar erscheint, ist wahrscheinlich die Gesamtsituation dafür verantwortlich. Es gibt Momente, in denen stimmen einfach alle Rahmenbedingungen, angefangen vom Wetter über den Durst, die nette Begleitung, die freundliche Bedienung bis hin zum Ambiente und zu was auch immer noch. In solchen schönen, leider aber seltenen Situationen bin ich bestimmt nicht frei davon, mich subjektiv beeinflussen zu lassen. Und da kann die Wertung für ein Bier schon mal ein wenig besser ausfallen, als es das Bier allein objektiv rechtfertigen könnte.

Manchmal ist es aber auch das Über-Bord-Werfen von Vorurteilen, das zu einer guten Wertung führen kann. Wie viele Menschen habe ich schon schimpfen hören, dass beispielsweise Oettinger ein Plörre sei, die man nicht trinken könne! Tja, zum Einen stellt sich mir die Frage, warum Oettinger dann den größten Ausstoß aller deutschen Brauereien hat – am Preis allein kann’s nicht liegen, dann wären die Plastikflaschen von Aldi, Lidl & Co noch erfolgreicher… Und zum Anderen: Macht man einmal eine Blindverkostung, bei der keiner der Verkoster weiß, welches Bier sich in welchem Glas befindet, schneiden die im Verruf stehenden Billigbiere oftmals erstaunlich gut ab. Das Oettinger Winterbier ist beispielsweise so ein Kandidat für eine positive Überraschung, auch wenn seine Qualität von Jahr zu Jahr ein wenig, aber spürbar schwankt.

Anders ist es bei überraschend schlechten Bewertungen, die nicht nachvollziehbar scheinen. Auch hier gibt es grundsätzlich zwei Ursachen.

Zum Einen haben viele Biertrinker ihr Lieblingsbier, auf dass sie nichts kommen lassen. Mit den Jahren haben sie sich dann an den eigenartigen Beigeschmack dieses Bieres gewöhnt und empfinden das, was der um Objektivität bemühte Biertester als Geschmacksfehler beschreibt, als genau die Note, derentwegen das Bier ihr Lieblingsbier geworden ist. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier, und über Geschmack lässt sich nur schwer streiten. Da müsste man sich schon einmal in einer Blindverkostung viel Zeit nehmen und den Gaumen ein wenig trainieren…

Und zum Anderen passiert es auch der besten Brauerei mal, dass eines ihrer Biere schon vor dem angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum deutlich an Qualität verliert, gewissermaßen fast schon umkippt. Das kommt insbesondere dann vor, wenn die Vertriebskette nicht stimmt, also das Bier bei strahlendem Sonnenschein in der Mittagshitze im offenen Lastwagen herumgeschippert wird, die Kästen dann bei wechselnden Temperaturen im Lager des Supermarkts herumstehen, vielleicht im Schaufenster oder am Kiosk von greller Sonne oder Neonröhren beleuchtet werden – und irgendwann soll nach dieser grausamen Folter das Bier noch getrunken werden und gut schmecken…

Aber auch die Gastwirte sind – leider! – immer wieder für eine unangenehme Überraschung gut. Da sind die Zapfanlagen nicht gepflegt und seit Wochen nicht mehr richtig gereinigt, der „Nachtwächter“, das heißt, das Bier, das über Nacht in der Leitung gestanden hat, wird seelenruhig an den frühen Gast ausgeschenkt, das Bier ist zu warm oder zu kalt, der Schankdruck nicht richtig eingestellt, vorgezapfte Reste werden zusammengegossen, oder der Wirt ist auch im Jahre 2015 immer noch der Meinung, dass ein Pils sieben Minuten lang gezapft werden muss. Damit es auch den letzten Rest von Rezens, von Spritzigkeit verloren hat…

In all diesen Fällen schmeckt das Bier nicht. Und dann bekommt es natürlich auch eine schlechte Bewertung. Wenn ich später, bei anderer Gelegenheit, das gleiche Bier noch einmal trinke, und es schmeckt dann besser, dann korrigiere ich die Bewertung natürlich. Es sei denn, ich muss vermuten, dass der Geschmack von Sud zu Sud schwankt, oder dass es mittlerweile eine Änderung des Rezepts gegeben hat. Dann nehme ich das Bier lieber noch ein zweites Mal mit anderer Jahreszahl in die Datenbank auf – der Leser möge meine diesbezüglichen Erläuterungen in der Antwort auf Frage 4 gerne noch einmal nachlesen.

10. Welches ist Dein Lieblingsbier?

Das scheint die Lieblingsfrage all derer zu sein, die noch nicht über lange Erfahrung mit dem Verkosten von Bieren verfügen. Eine ganz einfache Frage – und doch viel schwieriger zu beantworten, als man gemeinhin denkt.

Wie ein Bier schmeckt, lässt sich mit ein wenig Disziplin immer ganz gut beschreiben, auch unter wechselnden äußeren Umständen. Das geht sogar verhältnismäßig objektiv.

Wie mir aber ein Bier schmeckt, das heißt, ob ich es mag oder nicht, hängt häufig, nahezu immer von der Situation ab. An einem heißen Sommertag nach dem Rasenmähen ein eiskaltes, schlankes Lagerbier. Nach dem Sport ein erfrischendes und gleichzeitig kräftigendes Hefeweißbier (übrigens isotonisch, wie fast alle Biere!). An einem frostigen Winterabend abends vor dem Kamin ein schweres, fruchtiges Trappistenbier. Zur Schweinshaxe einen malzigen Bock. Zur süßen Nachspeise mal ein kontrastierendes, knackig bitteres Stout oder Schwarzbier. Zu Brot und Wurst ein Bamberger Rauchbier.

So wechselt mein Lieblingsbier von einer Situation zur nächsten.

Anders wäre es auch blöd, oder? Ein Rauchbier zur süßen Nachspeise? Ein Trappistenbier mit 10% Alkohol am heißen Sommertag nach dem Rasenmähen? Ein eiskaltes, schlankes Lagerbier, durchgefroren nach einer Winterwanderung?

Nee, ne?

Und so habe ich kein festes Lieblingsbier, sondern genieße den Luxus, immer wieder neu zu entscheiden und zu kombinieren!

2 Kommentare

  1. Guten Tag,
    Gerne möchte ich ein Belgisches bier kaufen. Den name ist: Duvel von die Brauwerei Mooertgat
    Ich wone in die nähe von Udon Thani in Thailand.
    Schikt man auch biere nag ein homeadres?
    Fielen Dank,
    Jan Van Caeyzeele

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