Über fünfzig Jahre alt ist dieses Buch, und man sieht es ihm an, denn es hat bei einem der Vorbesitzer ein wenig gelitten. Die Schutzhülle ist eingerissen, der Kartoneinband verbogen und aufgewölbt, das Papier ein bisschen gelbstichig.

Hermann Jung
Bier – Kunst und Brauchtum
Aber der Inhalt ist natürlich unverändert – eine Sammlung von Bildern, Fotos, Grafiken, Nachdrucken und … Texten. Letztere allerdings nur vereinzelt – der Autor versteht Kunst in erster Linie als bildliche Darstellung.
Insofern stechen schon beim ersten Durchblättern des Buchs die vielen farbigen, großformatigen, oft sogar vollformatigen Bilder ins Auge und machen dieses erste Durchblättern schon zu einem Genuss.
In insgesamt neun Kapitel hat der Autor das Buch gegliedert – jeweils zur Einleitung kommt ein wenig Text in einer Diktion, die uns heute, über fünfzig Jahre später, ein wenig holprig vorkommt, die mir aber als mittlerweile schon recht lebensaltem Bierliebhaber durchaus noch vertraut ist. Es folgt eine Fülle von Bildern mit nur kurzen und knappen Beschreibungen, die nicht von der Betrachtung ablenken, sondern wirklich nur mit wenigen Worten belegen, was zu sehen ist und aus welcher Zeit der Gegenstand, das Gemälde oder was auch immer stammt.

viel Bild, wenig Text
Die Orientierung zwischen den Kapiteln ist etwas ungewöhnlich. Statt einer großen Kapitelüberschrift zeigt die jeweilige Trennseite eine Liste an, deren erste Position das folgende Kapitel ist, und alle weiteren Positionen die nachfolgenden Kapitel. Diese Liste wird also von Kapitel zu Kapitel immer kürzer, bis sie auf Seite 173 nur noch aus einer einzigen Zeile besteht.
Originell.
- Vom Halm zum Glas
- Braukunst unterm Krummstab
- Bräuche um Brauen und Trinken
- Bierreisig – Bierkegel – Bierschild
- Gambrinus – König des Bieres
- Die Schutzpatrone der Brauer
- Bier – ein geselliger Tischgenosse
- Am Becher erkennt man den Zecher
- Der vollkommene Biergenuß
Nicht alle der Überschriften lassen sofort und eindeutig darauf schließen, was sich dahinter verbirgt, aber das ist insofern kein Schaden, als dass dieses Buch völlig problemlos von Anfang bis zum Ende durchgelesen, durchgeschaut werden kann. Je nachdem, wie intensiv man sich mit jeder Abbildung auseinandersetzen möchte, kann man so einige gemütliche Winterabende im Ohrensessel gestalten.
Wer Gefallen an diesem Buch gefunden hat und es selbst auch haben möchte: Antiquarisch ist es, je nach Erhaltungsgrad, für kleines Geld und recht unkompliziert zu finden.
Hermann Jung
Bier – Kunst und Brauchtum
Schropp Verlag
Dortmund, 1972
ISBN -ohne-

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