[Blick zurück auf Ende Juli 2025]
Das eindrucksvolle Gebäude der Brüsseler Börse, errichtet auf den Ruinen eines Franziskanerklosters aus dem dreizehnten Jahrhundert, war jahrzehntelang ein eindrucksvolles Baudenkmal mitten im Herzen der Brüsseler City. Schön anzusehen, aber aufgrund seiner Funktion für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Als die Nutzung als Handelsplatz aufgegeben wurde, begann der Bau zu verfallen, und bald war es vorbei mit der eindrucksvollen Erscheinung – der Gammel war 2020 nicht mehr zu übersehen.
Drei Jahre und 99 Millionen Euro später erstrahlt das Gebäude in altem Glanz, und es beherbergt nun nicht nur ein Museum im Tiefgeschoss, in dem die Überreste des Franziskanerklosters gezeigt werden, sondern auch das völlig neu konzipierte Biermuseum Belgian Beer World Experience. Aufwändig gemacht und sehr schön in die alte Architektur des Gebäudes integriert – so, dass es den gewaltigen Eindruck der zentralen Halle nicht stört, gleichzeitig aber aus der Ausstellung heraus trotzdem immer wieder neue Perspektiven in und über das Gebäude bietet.

das Gebäude bietet ein tolles Ambiente
Neugierig stiefeln wir die Treppe in die Zwischenebene hoch und sind gespannt, was uns in diesem neuen Museum erwartet. Die Tür geht auf, und im ersten Moment sind wir ein wenig enttäuscht.
Sehr stilisiert, mit vielen bunten, aber abstrakten Animationen und viel, viel immerhin interaktiver Technik werden der Brauprozess und die Bierkultur dargestellt – Zielgruppe: Diejenigen Bierliebhaber und Bierliebhaberinnen, die von ihrem Lieblingsgetränk überhaupt keine Ahnung haben, noch nicht einmal eine große Vorstellung, wie der Brauprozess aussieht. Also die Kategorie derer, die mich bei Schaubrau-Veranstaltungen immer mit der Frage überrascht haben, ob das Bier, das ich gerade brauen würde, denn heute Abend schon probiert werden könne …
Sehr simpel also der Ansatz, sehr vereinfachend. Und im Wesentlichen auch auf diesem Niveau verharrend. Wer sich also als Anfänger in gut anderthalb Stunden einmal durch die Ausstellung arbeitet und sich alles anschaut, wird immer noch nicht in der Lage sein, selbst Bier zu brauen, aber wenigstens wird er wissen, dass das Bierbrauen ein langer, mehrwöchiger Prozess ist und sich ein wenig komplexer darstellt, als das Kochen einer Erbsensuppe.
Wer hingegen als erfahrener Bierkenner die heiligen Hallen der Börse erkundet, wird nichts Neues lernen, darf sich dafür aber ganz dem Genuss der didaktischen und methodischen Kniffe hingeben. Warum nicht einmal eintauchen in den Lebenszyklus einer Hefezelle und sich in einem 3-D-Kino durch Gär- und Lagertanks spülen zu lassen – Temperaturwechsel, Nässe und sonstige Effekte inklusive?
Das Museum hat also durchaus einen Unterhaltungswert, und wie die Bewertungen in den einschlägigen Portalen im Netz zeigen, kommt das bei den Menschen auch durchaus gut an. Tiefgründige Kenntnisse werden nicht vermittelt, Spaß und Unterhaltung stehen im Vordergrund.

die Darstellungen sind aufwändig, bleiben aber an der Oberfläche
Gegen Ende der Ausstellung kommen wir in einen Schauraum der belgischen Biere. In großen Glasvitrinen werden hunderte von Bieren gezeigt, zum Teil wie in einem Running-Sushi-Restaurant an uns vorbeigefahren, und die jeweiligen Brauereien und Bierstile genannt. An Monitoren, die überall im Raum stehen, können wir uns nun ein auf unsere eigenen Vorlieben abgestimmtes Bier empfehlen lassen. Nach Einscannen des QR-Codes unserer Eintrittskarte beantworten wir Fragen nach unseren kulinarischen Vorlieben und sonstigen sensorischen Interessen, und am Ende erhalten wir einen Bierdeckel, der auf der Vorderseite das Logo der Ausstellung trägt, auf der Rückseite aber eine individualisierte Empfehlung mit insgesamt zehn Biere zeigt, die zu unseren Vorlieben passen.
Mit diesem Deckel können wir jetzt durch die Glastür in die Rooftop-Bar The Beerlab gehen und uns eines dieser Biere einschenken lassen. Oder jedes andere, die Damen und Herren an den Zapfhähnen und Kühlschränken sind da beliebig flexibel. Gerne empfehlen sie auch noch weitere vergleichbare Stile.
Bei gutem Wetter kann man nun nach draußen gehen und Brüssel von oben genießen. Das Beerlab trägt seine Bezeichnung Rooftop-Bar nicht zu unrecht. Ein toller Blick!
Heute schüttet es allerdings wie aus Eimern, und wir verkrümeln uns hinter die schützenden Glasscheiben. Nach der im Eintrittspreis enthaltenen einmaligen Bierprobe können wir aus dem weit über hundert Positionen umfassenden Angebot weiter auswählen, nun natürlich auf separate Rechnung. Insofern bietet sich das Beerlab auch als separates Ausflugsziel zum Biergenuss an – ein Fahrstuhl führt direkt in die oberste Etage, so dass keine Eintrittskarte für die Ausstellung gekauft werden muss.
Ohne uns wirklich klar darüber zu sein, was wir erwartet haben … Aber das, was wir hier gesehen haben, eigentlich nicht. Es war nett, es war aufwändig, aber wir haben kaum Neues gelernt. Trotzdem haben wir uns fallen lassen, sind eingetaucht in die interaktive Welt und haben unseren Spaß gehabt. Muss man mal gesehen haben, aber ein zweites Mal braucht man nicht hierher zu kommen.
Vielleicht ist es auch so, dass der vielreisende Bierafficionado ein wenig verwöhnt ist und zu hohe Ansprüche stellt …
Die Ausstellung Belgian Beer World Experience ist dienstags bis donnerstags und sonntags von 10:00 bis 19:00 Uhr geöffnet; freitags und sonnabends eine Stunde länger. Montag ist Ruhetag. Im Eintrittspreis ist eine Bierprobe von etwa 0,3 l im Beerlab enthalten, und während des Rundgangs gibt es an einer der Stationen zwei winzige Probiergläschen eines eher malz- und eines eher hopfenbetonten Biers zu verkosten. Durch die Lage mitten in der Stadt, gerade mal zwei Minuten zu Fuß vom Grande Place in westlicher Richtung, ist das Museum sehr einfach zu finden.
Belgian Beer World Experience
Boulevard Anspach 80
1000 Brüssel
Belgien

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