Pivnice Pivovaru Trilobit
Praha
CZE

Gibt es in Prag ein russisches Viertel? Die Reiseführer schweigen sich aus. Was es aber gibt, ist ein kleines Stadtviertel, in dem die Straßennamen auf russische Orte hinweisen – da gibt es die Moskauer Straße, die Krim Straße, die Don Straße, die Woronesch Straße, die Sewastopol Straße oder die Charkow Straße. Bezeichnenderweise wird es nach Norden aber nicht nur durch die Russische Straße abgegrenzt, sondern auch durch die Französische Straße, die Francouzská Ulice. Und in eben dieser befindet sich der kleine Ausschank der Brauerei Trilobit, eine Bierbar, die sich auch genau so nennt: Pivnice Pivovaru Trilobit.

Warum gerade Trilobit? Ich habe keine Ahnung. Die schon lange ausgestorbenen Gliederfüßer, über die ich im Schulunterricht vor vielen Jahrzehnten gelernt habe, dass sie aus drei Körperelementen bestehen, einem zentralen, einem linken und einem rechten Loben, und daher Dreilapper – Tri-Lobiten – genannt werden, haben nichts mit dem Bierbrauen zu tun. Eher schon mit Prag, denn sie kamen in der Region des heutigen Prager Beckens, dem Barrandium, vor und wurden und werden als Versteinerungen hier häufig gefunden.

Wie dem auch sei – vielleicht ist der Brauer ein Hobbypaläontologe, oder vielleicht ist der Paläontologe ein Hobbybrauer…

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Pivnice Pivovaru Trilobit

Wir sitzen jedenfalls nach einem abwechslungsreichen Tag in Prag nun endlich in der Französischen Straße in der kleinen Bar und genießen ein Tagesabschlussbier.

Sehr alt ist sie noch nicht, die kleine Bar; sie hat im Frühjahr dieses Jahres erst eröffnet. Recht schlicht und simpel eingerichtet, aber nicht ungemütlich. Eine kleine Theke direkt hinter dem Eingang, und dann rechter Hand ein kleiner Schankraum, dessen wesentlicher Schmuck ein schmales, an der Wand entlanglaufendes Brett ist, auf dem eine beeindruckende Sammlung leerer Bierflaschen steht. Spezialitäten aus aller Welt, und man kann sich schon eine Weile damit beschäftigen, die Biere zu betrachten und gegebenenfalls in Erinnerungen zu schwelgen: „Ach, schau mal hier, das haben wir doch seinerzeit getrunken, als wir diese tolle Reise nach XY gemacht haben…“

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eine beeindruckende Flaschensammlung

Heute haben wir es aber nicht auf Flaschenbiere abgesehen, sondern wollen uns zunächst einmal auf die Fassbiere der Pivovar Trilobit kümmern. Vier Zapfhähne gebe es, erzählt uns der langhaarige, freundliche Rockertyp hinter der Theke – und angeschlossen ein normales Helles, eine mit Callista gehopftes Helles, ein Barbe Rouge Ale und ein relativ leichtes Stout.

Wir entscheiden uns für das Barbe Rouge, weil uns der Name so gut gefällt, und für das Stout, und wenige Augenblicke später stehen die beiden Gläser vor uns. Ein schöner hell-dunkel Kontrast, sehr appetitlich aussehend.

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appetitlich und lecker

Alter tschechischer Tradition folgend, gibt es statt Bierdeckeln aus Karton kleine Porzellanuntersetzer. Ich mag sie zwar nicht so gern, weil bei einem überschäumenden Glas oder bei viel Kondenswasser am kalten Glas sich die Flüssigkeit zwar brav in dem kleinen Untersetzer sammelt, der Glasfuß aber trotzdem nass bleibt und die Flüssigkeit beim Trinken auf den Tisch, die Hose oder das Hemd tropft. Aber sie sind stilecht – je echter und originaler eine tschechische Bierstube, desto größer die Wahrscheinlichkeit, auf diese Porzellantellerchen zu treffen.

Das Barbe Rouge 13° Ale überzeugt mit einem schönen, fruchtig-estrigen Aroma – die Alehefe hat hier Gutes vollbracht und ein fruchtiges Bouquet geschaffen, das die Nase erfreut und auch beim Schluck noch einmal den Nasenrachenraum mit feinen Aromen erfüllt. Dabei ist es schön trinkbar – ein spielerischer, noch recht leichter Durstlöscher. Sehr angenehm.

Und auch das Stout ist nicht schlecht. Leichte Röstaromen, gepaart mit einer feinen Restsüße – typisch für die tschechische Interpretation dieses Bierstils sehr süffig. Allerdings, so stellt sich nach einem etwas detaillierteren Blick in die Getränkekarte heraus, als einziges der vier Fassbiere gar nicht aus dem Hause Trilobit, sondern von der Pivovar Máša aus Řevničov, ein paar Dutzend Kilometer westlich von Prag, fast schon auf halbem Wege nach Karlsbad.

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der schlichte, aber ansprechende Schankraum

Sei’s drum – beide Biere sind uns sympathisch, an beiden Bieren könnten wir auch etwas länger hängen bleiben. Aber morgen wartet ein fordernder Tag auf uns, und die vor dem großen, mit Hopfenranken geschmückten Fenster ab und an vorbeirollende Straßenbahn erinnert uns, dass es eigentlich schon längst Zeit ist, sich auf den Weg in Richtung Hotel zu machen. Ein letzter Blick zurück in die schlichte und doch ansprechende Schankstube, ein allerletzter auf den beleuchteten Kasten an der Außenfassade, an dem in schwungvoller Schrift mit dickem Filzstift das Bierangebot angeschrieben steht, und dann verschluckt uns die nieselig-trübe Dunkelheit der Französischen Straße.

Die Pivnice Pivovaru Trilobit ist täglich von 17:00 Uhr bis Mitternacht geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist sie komfortabel mit der Straßenbahnlinie 22, Haltestelle Ruska, gerade um die Ecke.

Bilder

Pivnice Pivovaru Trilobit
Francouzská 400/112
101 00 Praha
Tschechien

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