Familie Diesmayrs Dunkelsteiner Bräu
Schaubing
AUT

Kürbishof? Landwirtschaft? Schweinestall?

Nur wenige Kilometer nördlich der niederösterreichischen Landeshauptstadt Sankt Pölten rolle ich auf einen großen Bauernhof im winzigen Dörfchen Schaubing. Gerade einmal zehn Minuten Fahrt waren es vom Stadtzentrum hier hinaus, aber ich habe das Gefühl, ich hätte das Ende der Welt bereits erreicht. Der Trubel der Großstadt ist unendlich weit weg.

Was aber hat mich hierher getrieben, in die tiefste Provinz?

Natürlich. Das Bier. Wieder einmal.

Seit 2008 wird auf dem Bauernhof der Familie Diesmayr nämlich auch Bier gebraut. Nicht als Hauptstandbein, sondern eher so nebenbei. Wobei nebenbei auch wieder untertrieben ist, denn wie wir alle wissen, dauert ein ordentlicher Sud mit Vor- und Nachbereitung seine guten acht Stunden, und in diese Zeit ist weder die spätere Überwachung der Gärung noch das Abfüllen des fertigen Biers in Flaschen oder Fässer mit eingerechnet – die Zeit für den Ausschank gar nicht zu erwähnen.

Nebenbei ist also relativ, und so ist die Balance zwischen Landwirtschaft und Brauerei stets eine neue Herausforderung.

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die Hofeinfahrt

Ich rolle an den großen Silos vorbei, die an der Hofeinfahrt stehen und stelle mein Auto vor einem der Stallgebäude ab. Durch ein kleines Tor in der großen, recht imposanten Front des Hauptgebäudes betrete ich den Innenhof, wo mir sofort das gepflegte und nett geschmückte Ambiente ins Auge sticht. Reichlich und herbstlich bunte Dekoration – es wirkt einladend.

Der Schankraum von Familie Diesmayrs Dunkelsteiner Bräu ist riesig. Eine Halle, groß wie eine Turnhalle, ein ehemaliges Stall- oder Lagergebäude vermutlich, nun aber behaglich eingerichtet, ansprechend dekoriert, warm und gemütlich. Überall stehen Biertische und -bänke, und obwohl es noch früher Nachmittag ist, sind schon reichlich Gäste da, die dem hier gebrauten Dunkelsteiner Bier fleißig zusprechen. Fast könnte man den Eindruck bekommen, die Gäste fühlten sich unter Zeitdruck und müssten so rasch wie möglich und so viel wie möglich trinken – die Bedienungen flitzen nur so zwischen den Bänken und Tischen hindurch, räumen Gläser ab und sorgen für Nachschub.

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die große Halle

Nun, so ganz täuscht der Eindruck auch nicht. Der Schankbetrieb geht nicht unverändert das ganze Jahr hindurch, da sei die Landwirtschaft davor. Stattdessen gibt es Hoffeste und zwei Mal im Jahr einen Bierheurigen, so dass, wenn man alles zusammenzählt, der Ausschank mit Bier und warmen Speisen vielleicht an fünf Wochen im Jahr geöffnet ist. Da kann man dann schon das Gefühl bekommen, unter Zeitdruck zu stehen und in den wenigen Tagen des Heurigen so viel wie möglich trinken zu müssen…

Rechter Hand, direkt neben der Theke entdecke ich einen etwas kleineren Nebenraum, klassisch mit Tischen und Stühlen eingerichtet. Hier ist es etwas ruhiger – ein normaler Restaurantbetrieb während des Heurigen. Ich nehme Platz und studiere die Speisen- und Getränkekarte. Rustikale und deftige Küche, dazu vier verschiedene Sorten vor Ort gebrautes Bier.

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im Nebenraum

Leider muss ich noch fahren, und so muss ich mich auf ein kleines, eher symbolisches Glas einer der vier Sorten beschränken, und entscheide mich für das Schaubinger Helles. Ein schlichtes, goldgelbes, leicht trübes und mildes Bier. Nicht allzu stark gehopft, eher süßlich, und dadurch sehr süffig. Eigentlich also kein Bier für kleine Gläser, sondern eher für den großen Krug oder Humpen, gegen den großen Durst. Dazu gibt’s einen Salat mit reichlich panierten Fleischstreifen. Solide und nahrhaft.

Ich blättere noch einmal die Karte auf. Neben dem Hellen gibt es ein halbdunkles Spezial, ein Weizen und einen dunklen Bock, und alle Biere werden auch in Fünf-Liter-Partyfässchen oder in der Ein-Liter-Bügelflasche angeboten. Der Entschluss, wenigstens vom Bockbier noch eine Flasche mitzunehmen, fällt nicht schwer, und die freundliche Bedienung holt mir eine der hübschen Bügelflaschen aus der Kühlung.

Ein paar Worte nur kann ich mit ihr wechseln, erfahre, dass die Brauerei nun schon seit fast zehn Jahren erfolgreich betrieben wird, dass – wie ich ja gerade erleben würde – während des Bierheurigen hier zwei Wochen lang richtig viel los sei, dass das Hoffest im Spätsommer das Ganze aber noch einmal toppen würde, und dass – und vielleicht ist das die wichtigste Information überhaupt – der Bierverkauf natürlich das ganze Jahr hindurch weiterginge, es gebe jenseits von Hoffest und Heurigem lediglich keinen Ausschank, keinen Restaurationsbetrieb. Bier aber gebe es immer.

So, wie es in einer Brauerei halt auch sein soll. Egal, ob Nebenerwerb oder Hauptberuf.

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Bier gibt’s immer

Ich schnappe mir meine Bierflasche und laufe zurück zum Auto. Die Sonne steht mittlerweile schon sehr tief, die Wolken am Horizont glühen dunkelrot und tauchen den Hof in ein warmes Licht. Irgendwo in den großen Stallgebäuden steht das Sudwerk, das ich heute nicht zu Gesicht bekommen habe…

Familie Diesmayrs Dunkelsteiner Bräu ist eine Nebenerwerbsbrauerei im landwirtschaftlichen Betrieb und Kürbishof der Familie. Zweimal im Jahr ist hier Bierheuriger (für 2018 vom 18. Mai bis zum 3. Juni und vom 16. bis zum 27. November, täglich ab 11:00 Uhr), im Spätsommer ist Hoffest (für 2018 vom 24. bis zum 26. August und vom 31. August bis zum 2. September). In diesen Zeiten gibt es Restaurationsbetrieb, Bierausschank und beim Hoffest auch noch ein Unterhaltungsprogramm. Außerhalb dieser Zeiten gilt, was auf der Visitenkarte steht: „Bierabholung jederzeit möglich“. Wobei „jederzeit“ bedeutet: Montags bis donnerstags von 09:00 bis 18:00 Uhr und freitags bis sonnabends 09:00 bis 20:00 Uhr. Zu erreichen ist der Hof sinnvollerweise nur mit dem Auto; der Linienbus, der in Schaubing hält, ist eher auf die Bedürfnisse von Schulkindern abgestimmt und fährt nur ein paar Mal am Tag, am Wochenende gar nicht.

Bilder

Familie Diesmayrs Dunkelsteiner Bräu
Schaubing 2
3121 Karlstetten
Niederösterreich
Österreich

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