Robin Barton (Hrsg.)
Lonely Planet’s Global Beer Tour

Lonely Planet’s Global Beer Tour, Bier vor Ort, Bierreisen, Craft Beer, Brauerei, Bierbuch
Lonely Planet’s Global Beer Tour

Ein Parforceritt durch die Welt des Biers. Auf 270 Seiten geht es in rasendem Tempo einmal um die Welt. Jedes Land bekommt ein paar Seiten, jede Brauerei höchstens eine, manchmal nur eine halbe. Auf diesem knappen Platz müssen Bilder ihren Platz finden, und auch Ausflugstipps in die Umgebung dürfen nicht fehlen. Was bleibt dann noch übrig? Ist es genug, um die Leserin oder den Leser bei der Stange zu halten? Bietet dieses Buch überhaupt sinnvolle Informationen?

Betrachten wir Lonely Planet’s Global Beer Tour doch einmal näher. Das Buch kommt im halbwegs kompakten Format daher (ungefähr 17 x 21 cm²), hat einen festen Kartoneinband und ist sogar fadengebunden. Der Titel ist in Form eines rotmetallisch glänzenden Siegels in den Einband geprägt und verleiht dem Buch dadurch eine schöne Haptik.

Blättert man einmal mit dem Daumen schnell durch das Buch, fällt auf: Das Papier ist seidenmatt, der Druck ist durchgehend farbig, auf allen Seiten finden sich bunte Bilder. Das Layout ist grundsätzlich ansprechend, aber die Vielfalt der Schriften und deren Schnitte machen die Seiten zu wuselig. Insbesondere die Mischung von Serifen- und serifenlosen Schriften gefällt mir überhaupt nicht. Der Wechsel zwischen Schriftfonts kann der Orientierung dienen und bestimmte Textelemente betonen, aber wenn auf ein und derselben Seite insgesamt zehn, wenn man die Seitennummerierung mitzählt sogar elf verschiedene Fonts und Schnitte verwendet werden, verkehrt sich diese Hilfe in ihr Gegenteil.

Jetzt schauen wir einmal gründlicher hin. Das Inhaltsverzeichnis verspricht, dass alle fünf Kontinente in alphabetischer Reihenfolge besucht werden: Africa, The Americas, Asia, Europe und Oceania. Insgesamt 33 Länder sind aufgelistet (auch wenn das Vorwort von 32 Ländern spricht). Jeweils zwischen zwei Kontinenten sind Doppelseiten als eigene Kapitel einfügt, die ein wenig querschnittliche Information anbieten: Weird Beers, Food & Beer, Hangover Cures und Great Ale Trails.

Die kurze Einleitung stellt sich zwei Fragen Was ist überhaupt Craft Beer? Und warum soll man auf Bierreisen gehen? Die Antwort auf die erste Frage bleiben die Autoren schuldig. Wie so oft, gibt man ein paar Hinweise, wie eine Definition lauten könnte, gibt aber auch zu, dass nicht alle im Buch vorgestellten Brauereien wirklich „Craft“ seien. Besser gelingt die Antwort auf die zweite Frage – denn Bier schmeckt, Bier verbindet, Bier ist global, Bier lädt ein, Gleichgesinnte rund um den Globus zu treffen.

Auf geht es also zu einer Bierreise rund um die Welt.

Doch halt, zunächst werden noch zwei Doppelseiten verschwendet. Eine, um die vier Grundzutaten für Bier vorzustellen – immerhin aber, ohne das unsägliche sogenannte „Reinheitsgebot“ zu bemühen. Ganz im Gegenteil: Man weist ausdrücklich darauf hin, dass jenseits dieser vier Zutaten nahezu alles in Bier verbraut werden kann: „blue cheese, bull testicles and an entire margarita pizza are a few recent examples“, heißt es.

Die zweite Doppelseite stellt den Brauprozess schematisch dar. Sieben Phasen, vom Schroten bis zum Abfüllen. Hat man alles schon einmal anderswo gesehen, meistens auch grafisch eingängiger dargestellt. Wer sich diesen Reiseführer kauft, der kennt den Vorgang wahrscheinlich schon – insofern hätte es dieser Doppelseite nicht bedurft.

Auf Seite 12 geht es jetzt aber los. Africa & The Middle East. Cape Town, Addis Abada, Tel Aviv werden als Städte genannt, dann kommt als erstes Land Ethiopia. Nicht gerade ein typisches Bierland. Wie im Folgenden bei allen anderen Ländern kommt etwas minimalistisches Wissen zuerst. Wie bestellt man ein Bier in der Landessprache? Was heißt „Prost“ vor Ort? Welches ist der typische lokale Bierstil? Was isst man zum Bier? Was sollte man machen, was sollte man auf keinen Fall tun? Alles ein bisschen oberflächlich, alles zu simplifizierend, zu schablonenhaft. Offensichtlich auf US-amerikanische Touristen zugeschnitten, denen zu viel Diversifizierung nicht zugemutet werden kann. Schade, denn so bleibt beim Reisenden nur hängen: Alle Äthiopier trinken Sorghum-Bier, alle Belgier Geueze, alle Briten Pale Ale. Gerade von Lonely Planet hätte ich erwartet, diese Stereotypen zu vermeiden.

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zu jedem Land gibt es ein paar oberflächliche Hintergrundinformationen

Etwas besser dann die Beschreibungen der Brauereien. Der Name der Brauerei in Großbuchstaben, darunter die Adresse, die Website, die Telefonnummer und ein kurzer Text. Zehn bis fünfzehn Zeilen nur, gelegentlich mal zwanzig. Was für eine Brauerei ist es? Welche Bierstile gibt es hier? Welches ist das eine Bier, das man unbedingt getrunken haben muss? Die Qualität der Texte variiert von Autor zu Autor. Manchmal sind es nur oberflächliche Versatzstücke, bei denen man sich fragen muss, ob er oder sie tatsächlich vor Ort war, manchmal gelingt es aber auch, in wenige Worte so viel plastische Informationen hineinzupacken, dass man das Gefühl bekommt, man sei mit dem Autor persönlich in der Brauerei gewesen und habe sich die Bierprobe selbst aus dem Lagertank gezwickelt.

Den verschiedenen Autoren ist es wohl auch geschuldet, dass fleißig zwischen englischer und amerikanischer Rechtschreibung gewechselt wird. Hier sorgfältiges Oxford-English, nicht nur an „flavour“ statt „flavor“ erkennbar, sondern auch an raffinierteren grammatischen Konstruktionen, dort der simple amerikanische Slang, Modewörter benutzend und die Sätze auf SPO – Subjekt, Prädikat, Objekt – beschränkend. Selbstredend, was mich mehr anspricht.

Die Auswahl der jeweiligen Brauereien eines Landes ist subjektiv, manchmal sind auch große „Bierfabriken“ dabei. Immer aber wird die Vielfalt deutlich, immer machen die Beschreibungen Lust, sich sofort in den nächsten Zug oder das nächste Flugzeug zu setzen und sich auf den Weg zu machen, die Welt der Biere zu erkunden.

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fasse Dich kurz: maximal eine Seite pro Brauerei

Ob es dann noch der kleinen Ausflugstipps bedarf, die in die Umgebung der jeweiligen Brauerei führen sollen, sei dahingestellt. Sie sind mit einem kurzen Satz definitiv zu kurz, um allein als Reisegrundlage zu dienen; und wenn man sowieso weiter recherchieren muss, dann finden sich im Rahmen dieser Recherche auch viele, viele andere Empfehlungen und Ziele – man mag über Onkel Google schimpfen, wie man will, aber Reisetipps und Ausflugsempfehlungen hat die Suchmaschine drauf!

Macht es trotzdem Spaß, dieses Buch zu lesen? Ach, doch, ja, auf jeden Fall. Es ist unterhaltsam und kurzweilig. Man blättert mal hier, blättert mal da und träumt sich in die entlegensten Regionen der Welt. Schließlich findet man mittlerweile auch in den entferntesten Ländern und Provinzen kleine und spannende Brauereien. Wenn jetzt auch noch die Zuordnung der meistens sehr schönen und ansprechenden Bildern zu den jeweiligen Brauereien eindeutiger wäre… Man hätte ja an eine Beschriftung denken können…

149,- NOK habe ich am Flughafen in Stavanger für dieses Buch bezahlt. Ich habe es nicht bereut.

Robin Barton (Hrsg.)
Lonely Planet’s Global Beer Tour
Lonely Planet Global Limited
London, 2017
ISBN 978-1786-57795-5

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