Krah Krah
Wien
AUT

Früher, ganz früher, da hat man Kneipen, Bars und Restaurants mit der Lupe suchen müssen, in denen es mehr als nur zwei oder drei verschiedene Biere gab. Und wenn man dann eine gefunden hat, dann stellte sich raus, dass es vielleicht fünf oder sechs Fassbiere waren, die kamen dann aber alle aus derselben Brauerei. Ein Helles, ein Pils, ein Weissbier, ein Dunkles und vielleicht noch ein Leichtbier oder ein Bock. Schluss. Die gähnende Langeweile der 70er.

Später dann kamen die ersten Gaststätten auf, die ein großes, meist internationales Bierangebot zusammenstellten: Das Haus der 111 Biere in München, das Biermuseum Weisser Schwan in Heidelberg oder das Biermuseum in Kölns Altstadt. Ein paar Biere von lokalen Brauereien und ein paar große Marken am Zapfhahn, dazu dann ‘zig oder hundert verschiedene Flaschenbiere. Suchte man sich als Gast etwas Ungewöhnliches aus der Karte, dann war die Chance nicht gering, dass die betreffende Biermarke gerade aus war oder die Flasche schon etwas überlagert war (Mindesthaltbarkeitsdaten gab es damals auf den Flaschen ja noch nicht). Trotzdem war es schon spannend, sich dort einmal durch das Sortiment zu trinken.

Das war auch die Zeit, in der aus dem alten Wirtshaus Zu den drei Raben in Wien das Bierlokal Krah Krah wurde – genau am 15. Mai 1980. Fast vierzig Jahre existiert es nun also schon.

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das Krah Krah im Jahr 2008

Ein erster Besuch am 29. Februar 2008 im Rahmen der ersten Städtetour de Bier war davon geprägt, dass wir vorher schon in einigen Brauereien waren, hinterher noch einiges Bieriges geplant hatten, und somit das Krah Krah nur eine kleine Zwischenstation war. Aber immerhin: Das selbst so genannte „Erste Wiener Bierspezialitätenlokal von internationalem Zuschnitt“ bot uns rund 50 verschiedene Biere zur Auswahl. Viele davon recht bekannt; an eine Craftbier-Revolution war 2008 ja auch noch nicht zu denken.

Insofern erschien uns das Krah Krah wie eine qualitativ deutlich hochwertigere, aber inhaltlich ähnlich ausgerichtete Fortsetzung dessen, was wir in München, Heidelberg und Köln auch gesehen hatten. Eine große Auswahl, eine gute Bierpflege, die Biere selbst auch für ihren jeweiligen Stil sehr typisch. Dass es sich um ein Raucherlokal handelte, störte uns überhaupt nicht – man kannte es seinerzeit ja gar nicht anders.

Nachtrag 5. August 2018: Zum ersten Mal findet in diesem Jahre die Städtetour de Bier im Sommer und nicht im Winter statt. August statt Februar, und so haben wir Biergärten besucht und viele Biere im Freien getrunken. Jetzt, am Sonntagmittag, ist die Tour vorbei, und zum guten Abschluss gehen wir noch einmal ins Krah Krah, Erinnerungen von vor zehn Jahren auffrischen.

Einiges hat sich geändert, einiges nicht. Das Bierangebot ist nach wie vor recht konservativ. Die versprochenen 50 Biersorten decken das mittlerweile auf dem Markt angebotene Spektrum nicht mehr ganz ab; die echten Bierfreaks, die auf der Craftbierwelle surfen, werden enttäuscht sein. Andererseits: Das was angeboten ist, hat Hand und Fuß.

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das Krah Krah im Jahr 2018

Wir sitzen gemütlich im kleinen Gastgarten vor der Tür, mitten im Eingangsbereich des sogenannten Bermudadreiecks, des Kneipenviertels, das hier am Rabensteig beginnt und sich noch ein paar hundert Meter weiter zieht, und das seinen Namen angeblich deswegen trägt, weil hier der eine oder andere Gast, Studenten meist, für durchaus mehrere Tage verschollen sein kann und sich nach seiner „Rettung“ oftmals an nichts mehr erinnern kann oder mag. Die freundliche Bedienung ist aufmerksam, schnell und kennt sich in der Bierkarte gut aus. Das Essen ist lokaltypisch, deftig und gar nicht teuer – hej, wir sind mitten in Wien und werden nicht abzockt!

Und so ist das Fazit denn auch sehr positiv: Wenn auch der Zeitgeist am Krah Krah vorbeigegangen zu sein scheint, mittlerweile andere Bierkneipen ein noch viel größeres und vielfältigeres, abwechslungsreicheres und farbenfroheres Bierangebot haben, so ist das Krah Krah doch, oder vielleicht gerade deswegen, ein schönes Beisl, in dem der Bierliebhaber gut gepflegte Biere zu schmackhafter Küche genießen kann.

Das Krah Krah ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend bis tief in die Nacht geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist es mit den U-Bahnlinien U1 (rote Linie) und U4 (grüne Linie), Station Schwedenplatz, und von dort aus zwei Minuten Fußweg.

Bilder

Krah Krah
Rabensteig 8
1010 Wien
Österreich

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