Zlý Časy
Prag
CZE

Zlý Časy – schlechte Zeiten. Fürwahr, fürwahr!

Schlechte Zeiten? Aber warum denn, Du sitzt gerade in einer der bestsortierten Bierbars in Prag, und sinnierst über schlechte Zeiten, frage ich mich selbst. Rund drei Dutzend Zapfhähne, mit dem besten, was die tschechische Kleinbrauerszene zu bieten hat. Dazu noch ein unübersehbar großes Angebot an Flaschenbieren aus aller Welt. Warum also schlechte Zeiten?

Na, vielleicht nicht Schlechte Zeiten, führe ich mein gedankliches Selbstgespräch fort, aber doch schlechte Zeit, Singular, schlechte Uhrzeit nämlich!

MiniaturDenn freitagnachmittags um drei Uhr ist die Bar Zlý Časy zwar geöffnet, aber leer. Völlig leer. Ein einziger Gast – ich – lümmelt sich an einen Ecktisch und studiert die lange Bierkarte, lässt seine Blicke an der Theke und den vielen Zapfhähnen entlang wandern und liest die DIN-A-4-Zettel oberhalb, die die verschiedenen angebotenen Biere beschreiben.

Tolle Sachen dabei. Naja, der Jahreszeit geschuldet, hängen an jeweils einem der Zapfhähne auch das Löwenbräu und das Augustiner Oktoberfestbier, aber das ist durchaus in Ordnung. Als Wiedergutmachung für die deutsche Brauereiszene gibt es den Schneider Aventinus Weizeneisbock. Auch vom Fass! Klasse.

Tja, aber so ganz allein ist es nicht allzu spannend.

Manchmal muss man die Dinge halt nehmen, wie sie kommen. Zlý Časy liegt außerhalb, recht weit von der Altstadt Prags entfernt, und wenn es der Zufall will, dass ich am frühen Nachmittag hier draußen bin, und der Abend leider schon anderweitig verplant ist, dann muss ein Abstecher auch einmal nachmittags drin sein. Wenn auch der Genuss in Gesellschaft größer wäre, aber der Geschmack des einen Biers, das ich mir gönne, wird davon ja nicht schlechter: Matuška California, ein American Pale Ale, mit Saazer und Cascade Hopfen. Sehr schön! Helles Malz, Caramel-Malz, American Ale Hefe, 45 IBU, 12 EBC, 12,5°P, 5,1%alc, und wie die technischen Daten alle lauten. Der Zettel an der Theke ist sehr auskunftsfreudig.

Ich sehe mich noch einmal um. Auf zwei Stockwerken erstreckt sich das Zlý Časy. Oben ist noch geschlossen, ein relativ heller Schankraum, eine Theke, dahinter ein Raum, in dem sich die Fässer stapeln und ein unübersichtliches Gewirr von Bierleitungen in alle Richtungen davongeht. Zwei Treppen tiefer, im Prager Underground gewissermaßen, der Bierkeller, der jetzt schon geöffnet ist. Mehrere miteinander verbundene Kellerräume, an den Wänden endlos lange Reihen von – leeren! – Bierflaschen aus aller Welt. Bekannte, aber auch ganz exotische Marken.

Wenn es hier richtig voll ist, herrscht mit Sicherheit eine tolle Atmosphäre – abends ist hier mit Sicherheit der Bär los.

Der richtige Ort also, aber zur falschen Zeit. Bedauernd zucke ich die Achseln, bezahle und verabschiede mich vom freundlichen Barmann. Vielleicht ein anderes Mal, wenn mein Zeitplan es erlaubt, abends hier vorbei zu schauen.

Die Bar Zlý Časy ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend bis weit nach Mitternacht geöffnet, sonnabends und sonntags erst ab 17:00 Uhr. Die obere Bar ist grundsätzlich erst ab 17:00 Uhr geöffnet. Kräftige Gerichte zum Bier gibt es von Montag bis Sonnabend; sonntags bleibt die Küche kalt. Zu erreichen ist die Bar am günstigen mit den Straßenbahnlinien 18 oder 24 vom Platz Bratří Synků, etwa 100 m entfernt.

Bilder

Zlý Časy
Čestmírova 5
140 00 Praha
Tschechien

2 Kommentare

    • Nee, das glaube ich nicht. „Goldene Zeiten“ müsste auf Tschechisch „Zlaté Časy“ heißen.
      Das Gold = Zlato; Das Böse = Zlo
      Mit bestem Gruß,
      Volker

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.