Reinheitsgebot – Verbraucherbetrug?
Wir fragen die aufgeklärten Biertrinker
Heute: Michael

MiniaturWir fragen die aufgeklärten Biertrinker, denn viele der Brauer haben inzwischen vom Bayerischen Brauerbund einen Maulkorb verpaßt bekommen. Da es beim Bier aber um den Verbraucher geht, soll er doch mal zum Zuge kommen.

Michael, 1987, München

1. Erinnerst Du Dich noch, wie es für Dich war, als Du realisieren mußtest, daß der Begriff Reinheitsgebot nur ein Marketinginstrument ist, und daß in Wahrheit nach dem Lebensmittelgesetz gebraut wird?

Miniatur (2)Man fühlt sich betrogen, da einem auch der Begriff Reinheitsgebot eigentlich etwas anderes suggeriert. Natürliche Dinge dürfen nicht enthalten sein, Gifte und manipulierte Zutaten aber schon im Produktionsprozess.

2. In 2012 hat die Verbraucherzentrale ganz deutlich am Beispiel der Erdinger Brauerei entschieden, daß auf den Bieretiketten nicht mehr stehen darf „Gebraut nach dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516“ und das nach dem Lebensmittelgesetz gebraut werde. Man möchte meinen, daß diese Aussage zu einem Aufschrei in Deutschland und zu einer Abwendung von den Bieren, die nach dem Reinheitsgebot gebraut sind, geführt haben müßte. Tatsächlich ist verbraucherseitig nichts passiert! Kannst Du mir erklären?

Miniatur (2)Ich denke, viele Leute sind zu bequem, trinken weiter das, was sie schon immer getrunken haben und bekommen gar nicht mit, was in der Brauereiwelt passiert. Viele Marken gaukeln einem auch Originalität vor, dabei ist alles vom gleichen Erzeuger. Dazu kommt noch der Handel, ich hab in vielen Geschäften schon nachgefragt und bekomme oft als Antwort es gäbe keine Kundschaft für die Kleinbrauer, Craftbiere usw. Hier in München gibt es zum Glück spezielle Läden wie das Biervana oder das Limonadenbüdchen.

3. Im kommenden Jahr feiert das Bio-Reinheitsgebot sein 25jähriges Bestehen. Nach inständigem Bitten des Bayerischen Brauerbundes sehen sie aber von Feierlichkeiten ab und überlassen dem Brauerbund die Festbühne. Welche Gedanken kommen Dir dazu?

Miniatur (2)Ein Aufspringen auf den Biozug, der hinterleuchtet, oft noch nicht einmal etwas anderes macht, für mich scheinbare Zufriedenstellung von scheinbar aufgeschlossenen Kunden.

Vielleicht möchte sich der Brauerbund auch nicht damit identifizieren oder sie wollen das Programm anders aufziehen.

4. Inzwischen haben wir es in der Branche mit einem dritten zu klärenden Begriff zu tun: CRAFT, Handwerk. Auch steht Marketing im Vordergrund, und daß das Handwerk sekundär ist, beweist beispielsweise die Tatsache, daß eine Störtebeker Brauerei sich in Braumanufaktur umbenannt hat (geschätzter Ausstoß 200.000 hl). Wollen wir betrogen werden? Wollen wir in unseren Köpfen diese Bilder vom verschwitzten Brauer, der nachts bei Mondenschein mit seiner Mutter noch das Gebräu umrührt?

Miniatur (2)Es wird eine scheinbare Nahbarkeit und Sympathie erzeugt, Marketing macht heute wahnsinnig viel aus, anders bleibt es bei vielen nicht in Erinnerung. Der ein oder andere gute Tropfen geht unter massiver Werbung der Großen schnell mal unter.

5. Was wünschst Du persönlich Dir für Dein Bier?

Miniatur (2)Eine Vielfalt an Bieren mit natürlichen Zutaten fernab des Einheitsgeschmackes, so dass ich merke, welches Bier ich überhaupt trinke. Gerne können auch andere Zutaten verwendet werden, so etwas Lächerliches, wie der Fall Milk Stout sollte zum Beispiel nicht mehr vorkommen.

Das Bier muss sich auf jeden Fall irgendwo neu erfinden, sonst geht die Kundschaft noch weiter zurück.

Fragen: Esther Isaak
wiederveröffentlicht von Bierguerilla
mit freundlicher Genehmigung der Autorin

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