Pub Dublin
პაბი დუბლინი
Tbilisi
GEO

Neben der Altstadt westlich der Friedensbrücke ist in Georgiens Hauptstadt Tbilisi mittlerweile auch nördlich des Platzes der Rosenrevolution im Stadtteil Vera ein kleines Kneipen- und Amüsierviertel entstanden. In den drei schmalen Gassen unweit des Radisson-Hotels, das insofern als gute Wegmarke dienen kann, findet sich eine kleine Kneipe neben der anderen, und auch, wenn die eine oder andere ihr Profil noch finden muss, und die Suche nach diesem Profil gelegentlich auch vergeblich ist und zur vorübergehenden Schließung führt, findet man ausreichlich Möglichkeit, eine lange Nacht bei gutem Bier zu verbringen. Und selbst eine kleine Europareise ist theoretisch möglich, befinden sich die drei Pubs London, Dublin und Amsterdam doch wie drei Schwestern an der gleichen Einmündung in die Akhvlediani-Straße.

Aber ach, heute, am 1. Juni 2016, wird aus dieser Europareise nichts. Zum einen reicht die Zeit nur für eine der drei Bars, höchstens, und selbst das ist angesichts des straffen Zeitplans der Geschäftsreise fast schon Übermut, und zum anderen ist die Bar Amsterdam geschlossen. Und so, wie es aussieht, dauerhaft. Bleibt also die Wahl zwischen London und Dublin.

„Wir gehen rechts“, entscheidet meine holde Ehefrau ohne hinzuschauen, und somit landen wir in Irland, im Pub Dublin.

Miniatur (1)Von außen einige Leuchtreklamen: Guinness, Heineken, Murphys, Kozel, Krombacher, Herzog, Estrella. Ein Streifzug durch die Industriebiere der Welt. Und als netter Blickfang ein holzverkleideter Balkon, der durch das Anbringen zweier Holzräder optisch in eine Kutsche verwandelt worden ist.

Drinnen am frühen Abend noch gähnende Leere. Man hat zwar Restaurantbetrieb ab 11:00 Uhr morgens, aber den Tag über schleppt sich alles so dahin, das Nachtleben beginnt in Tbilisi nicht vor 22:00 Uhr. Eine Band baut ihre Instrumente auf, ohne Bühne, einfach so, auf einer freien Fläche zwischen den Tischen, aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Livemusik beginnt.

So lange haben wir leider nicht Zeit und bestellen uns nur rasch ein Bier. Von den außen beworbenen und den in der Getränkekarte aufgelisteten Bieren gibt es genau nur zwei: Guinness und Harp. Blitzschnell werden sie serviert, und während die Band mit kreischenden, ohrenbetäubenden Rückkopplungen kämpft und verzweifelt den verursachenden Fehler in der Elektrik sucht, verkosten wir die beiden Biere.

Das Guinness ist etwas zu warm, schmeckt ansonsten aber wie überall in der Welt. Kremiger Schaum, ein seidiger Antrunk und die erwartete, röstige Bittere. Gut so. Es ist mit Guinness wie mit McDonalds – immer das Gleiche, aber dadurch auch immer berechenbar und ohne böse Überraschungen.

Das Harp Lager hingegen kaum genießbar. Ebenfalls zu warm, und dumpf und muffig im Geschmack. Als ob das Fass schon uralt wäre, und seit einigen Wochen bereits angebrochen. Traurig blicke ich auf den müden Rest gelber Brühe, der in meinem Glas schwappt. Der eine große, durstige Zug gleich zu Beginn war nicht wirklich das, was es jetzt gebraucht hätte.

Miniatur (2)Wir sehen uns nochmal um. Die Einrichtung der Bar ist gemütlich, viele Fotos hängen an den Wänden, alles ist schön mit warmen Holztönen eingerichtet. Die Band spielt ein paar Takte für den Soundcheck, es klingt vielversprechend. Und ganz langsam kommen jetzt auch andere Gäste. Angelockt von den noch etwas dissonanten Klängen der E-Gitarre oder von der Bierleuchtreklamenbatterie an der Hauswand.

Nachdem es für mich morgen früh leider extrem früh losgeht und der Tag heute lang und anstrengend war, bleibt es mir verwehrt, Zeuge zu werden, wie die Stimmung anschwillt, sich die Bar füllt, die Musik einsetzt und die Party bis in die frühen Morgenstunden beginnt. Stattdessen trete ich den Rückzug an, und in Erinnerung bleiben die zu warmen Biere und der eine oder andere misslungene Akkord beim Soundcheck.

Das Pub Dublin im Tifliser Stadtteil Vera hat täglich von 11:00 Uhr durchgehend bis zum Morgengrauen geöffnet. Tagsüber eher als Restaurant mit lokaler Küche betrieben, verwandelt es sich abends ab 21:00 Uhr in einen Pub mit Livemusik. Die Bierauswahl ist allerdings erheblich geringer, als die Leuchtreklamen außen glauben machen. Die engen Gässchen machen eine Anfahrt mit dem Auto und die Suche nach einem Parkplatz beschwerlich; stattdessen bietet sich der Platz der Rosenrevolution als Metrostation (Linie M1, Rustaveli) und Busbahnhof (Haltestelle 815) an – es sind nur zwei Minuten von dort zu Fuß.

Bilder

Pub Dublin
პაბი დუბლინი
8, Akhvlediani Street
0108 Tbilisi
Georgien

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