Plaka
Πλακα
Chaniá
GRC

Die Welt der modernen Biere ist bunt, schrill und abwechslungsreich. Knallbunt, sogar!

Miniatur (1)Zweifel?

Nein, jetzt nicht mehr. Ich sitze in einer winzigen Bar in Chaniá in der Altstadt, umgeben von einer Kakophonie von Farben. Grelles Orange, leuchtendes Pink, quittegelb, himmelblau, schweinchenrosa, lindgrün, … Männer können ja im Gegensatz zu Frauen nur ein Dutzend Farbtöne unterscheiden und beschreiben, heißt es, aber die Bar Plaka, griechisch Πλακα, belehrt mich eines Besseren.

Egal, ob es die kleinen Stühle und Tischchen auf dem Bürgersteig vor der Bar sind, die Wandmalereien an der Außenwand, die Bilder und Grafiken außen und innen oder die Inneneinrichtung des kleinen Barraums. Alles ist schrill und grell. Eine richtige Hippy-Bar.

Dazu läuft chillige Musik, ganz cool noch vom Vinyl-Plattenspieler – zwei Stück dieser altertümlichen Geräte, ein großes Mischpult und eine erkleckliche Sammlung von Vinylplatten stehen in der Ecke des Schankraums. Echt witzig hier.

Miniatur (2)Wir sind vor der Mittagshitze hierher geflüchtet, sitzen im Schatten eines kleinen Sonnenschirms, natürlich ebenfalls quietschbunt – in unserem Fall neongrün. Alles ganz prima.

Aber das Beste ist: Die Bierauswahl. Ein kleiner Holzständer, fast schon dezent in himmelblau und schwarz gehalten und in grün und gelb beschriftet, informiert uns über insgesamt neunzehn verschiedene Biersorten, allesamt aus griechischer Produktion. Zwar, den Umständen der sich gerade erst entwickelnden griechischen Bierszene geschuldet, nur in Flaschen, aber immerhin. Neunzehn Flaschenbiere, und nur eine kurze Mittagspause. Das ist nicht zu schaffen. Es wäre auch in einer etwas größeren Gruppe nicht zu schaffen. Und bei der Hitze schon gleich gar nicht.

Es muss also bei einer repräsentativen Stichprobe bleiben. „Ein Kirki hätte ich gern“, sage ich zum Barmann und wedle mit der Hand unbestimmt in Richtung der kleinen Holztafel. Irgendwie habe ich im Unterbewusstsein das Gefühl, dass jetzt irgendeine Nachfrage kommen müsse. So, wie es mir in Deutschland gelegentlich noch passiert, wenn eine Bar eine ungewöhnliche Bierauswahl hat und die unerfahrene Bedienung dann staunt „Wie? Was ist das? So etwas haben wir auch in der Karte?“ Aber weit gefehlt. Ohne mit der Wimper zu zucken, verschwindet der junge Mann und taucht nur Sekunden später mit einer Flasche Kirki wieder auf. Und mit einem frischgepressten Orangensaft für meine Ehefrau.

Und, und auch das ist einer Erwähnung wert, mit einer Flasche stillem Wasser und zwei Gläsern. Wie fast überall in Chaniá bekommt man hier, im Plaka, unaufgefordert und gratis eine Flasche Wasser zur Bestellung dazu. Warum geht so etwas eigentlich in der geldgierigen Gastronomie in Deutschland nicht? Wieso muss ich dort immer mehrere Euro für ein einfaches Wasser in einer lächerlich winzigen und ökologisch daher eigentlich unakzeptablen 200-ml-Flasche bezahlen? Insbesondere angesichts der Tatsache, dass das deutsche Leitungswasser dem Mineralwasser in der Flasche qualitativ in nichts nachsteht, ganz im Gegenteil, aufgrund der strengeren Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eigentlich sogar noch besser ist? Aber ich weiche ab, wir sind in Griechenland, und neben Wasser und Orangensaft steht nun auch das Kirki vor mir. Eine kleine Flasche, schön kühl, aber nicht zu kalt, und ein ordentliches Verkostungsglas. Zwar von einer anderen Brauerei, aber das ist jetzt nicht schlimm.

Kirki Break the Spell, heißt das Bier mit vollem Namen, und laut Etikett kommt es von der Elixi-Brauerei in Lykovrisi. Eine schöne, kräftige und ausdrucksvolle Herbe, ein paar dezente Fruchtnoten, aber vor allem harzige und würzige Hopfennoten machen es zu einem wirklich guten Durstlöscher. Und mit 5,6% ist es auch noch nicht zu stark für die sommerliche Mittagshitze. Und auch die leuchtende, fast schon orangene Farbe passt sich perfekt in das bunte Ambiente der Bar ein. Passt!

Miniatur (3)Aber angesichts der großen Auswahl soll es nicht bei einem Bier bleiben, wenigstens ein zweites möchte ich noch verkosten, bevor es weitergeht, und ich bestelle ein Σόλο, Solo, ein Saisonbier. „Your Cretan Craftbeer“ steht in leuchtender Fliederfarbe auf dem ansonsten schwarzen Etikett. Und dazu strahlt das Bier selbst in kräftigem Dunkelgelb. Erneut passt optisch also alles. Und geschmacklich auch. Ein frisches, kerniges Saisonbier. Gerade so eckig und von den phenolischen Esteraromen der Hefe geprägt, dass jeder Schluck aufs Neue spannend ist, aber nicht so übertrieben kantig, dass man rasch die Lust am Weitertrinken verliert. Ein sehr schönes Bier, nur ganz knapp an der Fünf-Sterne-Grenze vorbeischrammend.

Ein Blick auf das Etikett verrät, dass es für Griechenland, für Kreta hergestellt ist, allerdings von der Arendal Bryggeri im gleichnamigen Örtchen in Norwegen. Kein ganz echtes griechisches Bier also, aber geschmacklich tut das natürlich keinen Abbruch.

Eine lustige kleine Craftbier-Bar, die sich hier in einer kleinen Nebenstraße in der Altstadt etabliert hat. Kein Multitap mit Dutzenden von Zapfhähnen, aber eine sympathische Bar mit einer guten Auswahl von doch recht exotischen Flaschenbieren. Fachgerecht gekühlt und serviert, nett präsentiert von einem freundlichen und schnellen Kellner. Jederzeit gerne wieder!

Die Bar Plaka / Πλακα ist in der Touristensaison täglich ab vormittags durchgehend geöffnet. Sie liegt etwa 100 m südostwärts vom Hafenbecken in einer kleinen Gasse, etwas versteckt, aber wenn man die richtige Abzweigung im Gassengewirr nimmt, in zwei Minuten zu Fuß zu erreichen.

Bilder

Plaka
Πλακα
Sífaka 8
731 32 Chaniá
Griechenland

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