Hawidere – Burger & Bier
Wien
AUT

„… eines der letzten Wohnzimmer Wiens!“, so behauptet es die Gastwirtschaft Hawidere auf ihrer Homepage, und sie wirbt mit Burgern & Bier. Und zwar nicht mit irgendwelchen Burgern, und auch nicht mit irgendwelchem Bier.

Zusammen mit Bierpapst Conrad Seidl mache ich mich also am 9. Juli 2016 auf den Weg ins Wohnzimmer, ein paar hundert Meter nur durch den fünfzehnten Bezirk.

Eine kleine Nebenstraße, auch jetzt in den frühen Abendstunden noch glühend heiß von der Hochsommersonne. Das Hawidere – Burger & Bier ist schon von weitem zu sehen, zwei kleine, eingezäunte Biergärtchen an beiden Seiten der Wirtschaft, gemischtes Publikum, buntes Treiben, rappelvoll. Trotz knappen Parkraums im Innenstadtbereich dürfen die Gastwirtschaften in Wien kleine umzäunte Biergärtchen auf der Fahrbahn errichten, ordentlich und gepflegt, und nur bis 23:00 Uhr, aber immerhin.

Miniatur (2)Wir gehen zunächst ins Wohnzimmer hinein und schauen uns um. Gähnende Leere. Alle Gäste drängen sich draußen in der Sonne, niemand hat Lust, im Hochsommer drinnen zu sitzen. Obwohl es urgemütlich wäre. Ein buntes Sammelsurium von Holztischen und Stühlen, jeder anders. Auf den ersten Blick fällt es mir schwer, zwei gleiche Stühle zu identifizieren. Ich schaue durch den Raum. Halt, da ist ein Stuhl, dessen Pendant auch am anderen Ende des Raums noch einmal steht. Ja, und die beiden dunkelbraunen Hochstühle an der Theke, die bilden auch ein Pärchen. Aber sonst? Fehlanzeige. Lauter Einzelstücke.

Genauso abwechslungsreich geht es an den Wänden weiter. Deko-Stücke, von denen ich nicht so genau weiß, was sie darstellen sollten. Eine Art Ofenrohr, aus dem eine metallene Konstruktion hervorragt, an dessen Spitze schließlich ein Lämpchen leuchtet. Was immer diese Leuchtenkonstruktion bedeuten soll… Schaut seltsam aus. Aber faszinierend. Dazu an den Wänden Sprüche und lustige Bilder. Spontan am besten gefällt die schlichte Bemerkung, schwarz auf weiß festgehalten: „Learning English is important. But cold beer is importanter.“

Ganz schön bunt, ganz schön vielseitig für ein Wohnzimmer. Aber gemütlich und ansprechend.

Und was ist mit Burgern & Bier, ist da die Auswahl genauso bunt und abwechslungsreich?

Ich werfe einen Blick hinter die Theke. Ich erspähe sechzehn Zapfhähne, blitzblank geputzt und vielsagend durchnummeriert: 1, 2, 3, … Hm. Hilft nicht wirklich weiter. Ich greife zur Bierkarte auf der Theke, schlage sie rasch auf und stelle fest, sie ist auch nicht wirklich hilfreich. Vom Bier steht hier nix. Ich ziehe ein langes Gesicht, schlage sie zu, und lese erst jetzt, begleitet von Conrads breitem Grinsen, den Text auf der Umschlagseite der Karte: „Speisen: Yep. – Getränke: Yep. – Bier: Nope. → Bierkarte.“ Aha! Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Miniatur (1)Also schlage ich das zweite Heftchen auf: „Das ist keine Bierkarte“ steht drauf. Stimmt aber nicht. Enthalten ist eine Anleitung zur Bierverkostung, eine grobe Orientierung, was sich hinter den sechzehn Zapfhähnen verbirgt (beispielsweise enthält Leitung 6 immer belgische Biere, Leitung 9 immer Sauerbiere) und schließlich die lange Liste an Flaschenbieren, angeblich 67 an der Zahl, Und ganz am Ende noch rund ein Dutzend Cider. Toll, eine große Vielfalt. Aber schlauer bin ich jetzt immer noch nicht. Welches Fassbier verbirgt sich denn hinter welcher Nummer?

Ich greife zum dritten Dokument vor mir, der gelben Karte. Ein einfacher DIN-A-4-Zettel, knallgelb und zweispaltig bedruckt. Ah, endlich. Hier steht jetzt zu jeder Zapfhahnnummer das ausgeschenkte Bier. Mit technischen Daten und kurzer Beschreibung von Aroma und Geschmack.

Aber halt, was ist denn das? Zwei Biere auf einer Leitung? Ich bin schon wieder konfus, aber nur, bis ich die Bedeutung der drei Buchstaben „W.A.D.“ verstanden habe: „Wenn aus, dann…“. Soll heißen, die zweite Position hinter jedem Bier ist das zweite Fass, das schon auf den Anstich wartet. So spart man sich den Zwang, die gelbe Liste mehrmals am Tag neu drucken zu müssen. Na gut. Sehr vielversprechend, fangen wir doch endlich an zu trinken.

„Ich würde ja gerne draußen sitzen…“, signalisiere ich, „ist aber wohl rappelvoll.“

„Macht nichts“, sagt Conrad und schiebt mich raus. Der alte Fuchs hat natürlich vorher angerufen und uns einen Tisch reserviert, und so sitzen wir in der Abendsonne und können unser Bier im Freien genießen.

Zunächst das Burgen, ein Bier, gebraut in der britischen Thornbridge-Brewery, in Kollaboration mit der Wiener Collabs Brewery. Letztere ist eine Wanderbrauerei, betrieben von Wirt (Adalbert Windisch) und Geschäftsführerin (Dominique Schilk) des Hawidere, die mal hier, mal dort ihr Bier produzieren lässt. Und dann natürlich in der eigenen Wirtschaft auch im Ausschank hat. Das Besondere am Burgen ist, dass es mit Uhudler-Juice versetzt ist, also mit Traubensaft, der sonst für die Produktion des burgenländischen Uhudler-Weins genutzt würde. Ich nippe skeptisch, befürchte dominierend weinigen Geschmack, aber weit gefehlt. Der kräftige, dunkle Malzkörper und der Traubensaft vereinigen sich zu einem erfrischend säuerlichen Bier mit feinen Fruchtnoten. Schön ausgewogen.

Als nächstes folgt ein AM:PM, ebenfalls aus der Thornbridge Brewery. Ein leichtes IPA, nur 4,5 % Alkohol. Fruchtig, erfrischend, ein herrliches Bier an diesem warmen Sommerabend. Ein Session IPA, wie es leider nur wenige gibt.

Aus der riesigen Burger-Auswahl bestelle ich mir den Green Pepper. Als er serviert wird, sieht er auf den ersten Blick etwas trocken aus – man verwendet hier im Hawidere Fladenbrot statt Burger-Brötchen. Aber der Eindruck täuscht. Lecker. Aromatisch. Würzig. Ein prima Burger. Gerne mehr in dieser Richtung – gedanklich setze ich das Hawidere spätestens jetzt auf die Liste der Lokationen, die beim nächsten Wien-Besuch unbedingt wieder aufgesucht werden müssen.

Prima. Bin sehr zufrieden. Conrad auch. Gutes Bier, gute Burger, nette Bedienung, angenehme Atmosphäre. Mit einem Wort: Schön!

Nachtrag 7. August 2016: Nur vier Wochen später habe ich erneut die Gelegenheit, im Hawidere einzukehren – und diesmal gönne ich mir auch einen Biertest mit acht kleinen Bierpröbchen vom Fass. Eine schöne Erlebnisreise durch die Welt der Biergeschmäcker. Und auch das Gurken-Bier (Steamwork Killer Cucumber Ale) und das Jasmin-Bier (Steamworks Jasmin IPA) sind deutlich besser, als die etwas exotischen Zutaten vermuten lassen. Erneut das Urteil: Sehr zufrieden.

Das Hawidere – Burger & Bier ist täglich von 16:00 bis 02:00 Uhr geöffnet; kein Ruhetag. Wie eigentlich alles in Wien ist es am besten mit dem perfekten öffentlichen Nahverkehr der Wiener Linien zu erreichen. U-Bahn-Linien 4 und 6, Haltestelle Längenfeldgasse, und dann nur 200 m zu Fuß.

Bilder

Hawidere – Burger & Bier
Ullmannstraße 31
1150 Wien
Österreich

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