Browar Kraftowy Pałacyk Łąkomin
Lubiszyn
POL

Ganz tief im Wald, hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen, dort, wo die Welt gleich zu Ende ist und sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, dort, so heißt es, gibt es eine winzige Brauerei, die Browar Kraftowy Pałacyk Łąkomin. Wunderbare Biere soll sie produzieren. Und so machen wir uns denn auf den Weg in die schier undurchdringlichen Lebuser Wälder, die Lasy Lubuskie.

Mitten im Wald, an einem kleinen Bächlein, baute man einst, vor rund 200 Jahren, ein Sägewerk und eine kleine Mühle, und rasch wuchs hier ein kleines Dörfchen heran: Lindwerder (heute Łąkomin). Ende des 19. Jahrhundert errichtete hier ein deutscher Industrieller sogar ein kleines Jagdschlösschen, und bis 1933 wuchs Lindwerder auf über 200 Einwohner an. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Dörfchen jedoch fast völlig von der Landkarte. Nahezu alle Wohnhäuser waren verwaist, wurden abgerissen, und übrig blieben lediglich das von den Russen völlig geplünderte Jagdschlösschen mit den Wirtschaftsgebäuden und die alte Mühle.

Browar Kraftowy Pałacyk Łąkomin
tief in den Lebuser Wäldern

Geduldig holpern wir über eine endlos lange Kopfsteinpflasterstraße mitten durch den Wald. Wie mit dem Lineal gezogen zerschneidet sie den Forst, und nur dann und wann kommt uns ein Auto entgegen. Vorsichtig weichen beide Fahrzeuge dann auf den unbefestigten Rand der Straße aus und zirkeln aneinander vorbei.

Die Fahrt scheint kein Ende zu nehmen, aber da, endlich, taucht am Wegesrand ein kleines Schild auf: Pałacyk Łąkomin. Hier ist es, das alte Jagdschlösschen. Nur noch rund ein Kilometer auf unbefestigtem Forstweg und wir erreichen das kleine Ensemble, stellen das Auto auf den Parkplatz und sehen uns um.

Eine kleine Hotelanlage befindet sich heute hier, die als Gelegenheitsbetrieb für Hochzeiten, Seminare, Konferenzen und sonstige besondere Anlässe geöffnet wird. Alles ist sehr schön renoviert und gepflegt; in einem kleinen Gehege grast Wild, große Wiesen laden zum Spaziergang ein. Es ist totenstill, kein Mensch ist zu sehen.

Hier irgendwo, in dieser Einsamkeit also, soll der Brauer Adam Śmiglak seine exzellenten Biere produzieren.

Browar Kraftowy Pałacyk Łąkomin
das kleine Jagdschlösschen beherbergt eine Brauerei

Wir gehen hinüber zum Rezeptionsgebäude, klingeln und treffen eine freundliche Dame – wie sich herausstellt, Adams Mutter. Stolz zeigt sie uns die Urkunden an der Wand, die von der Qualität der hier gebrauten Biere zeugen – Auszeichnungen von zahlreichen Brauwettbewerben. Sie strahlt, als ich ihr auf einer der Urkunden meine Unterschrift zeige – als Mitglied der Jury hatte ich 2014 beim großen Hausbrau-Wettbewerb in Żywiec Adams Schwarzbier verkostet. Na klar könnten wir hier das Bier aus Adams Produktion kaufen, sie würde nur eben den Schlüssel zum Lagerraum holen, erklärt sie uns, aber eine Besichtigung der Brauerei sei leider nicht möglich – erstens würde dort gerade ein wenig umgebaut, und zweitens ginge das nur, wenn Adam selber da sei.

Browar Kraftowy Pałacyk Łąkomin
Urkunden zeugen von der Qualität der Biere

Wir laufen zum Nachbargebäude, in dem das auf Flaschen gefüllte Bier lagert. Acht verschiedene Sorten finden sich, und begeistert fülle ich mir einen großen Karton. Und ganz hinten im Lagerkühlschrank entdecke ich noch eine neunte Sorte – eine einzelne Flasche eines Bockbiers. Die Dame zögert. Die Flasche sei doch schon etwas älter, die könne sie nicht mehr verkaufen, möglicherweise sei das Bier nicht mehr gut.

Ich betrachte das Etikett. Koziołek – ein kräftiges Bockbier, fast acht Prozent Alkohol. Etwa ein Jahr alt ist die Flasche und hat die ganze Zeit im Kühlschrank gestanden. Sollte kein Problem sein, es auch jetzt noch zu trinken, und ich überrede die gute Dame, mir auch diese Sorte zu verkaufen. Ich würde, sollte es wider Erwarten doch nicht mehr gut sein, auch ganz gewiss nicht reklamieren oder mich über die Qualität des Biers öffentlich negativ äußern.

Nicht unzufrieden verstauen wir die Kartons im Auto. Schade, dass es mit der Brauereibesichtigung nichts geworden ist, aber eine schöne Auswahl an Bieren haben wir gefunden und sind schon auf die Verkostung neugierig.

Gerade wollen wir einsteigen und davonfahren, als ein anderer Wagen auf den Hof biegt. Adam!

Prima! Nach einer kurzen Begrüßung – „Wir haben uns doch vor zwei Jahren in Stettin auf dem Hausbrauerwettbewerb schon getroffen, oder?“ – ist alles klar: Natürlich bekommen wir die Brauerei noch zu sehen. Aber mit Auflage: Keine Detailfotos veröffentlichen, solange hier noch umgebaut wird.

Kein Problem, Adam!

Wir laufen hinüber zum Jagdschlösschen und gehen hinunter in den Keller. Hinter einer Glaswand steht die winzige alte Brauerei, mehr Hobby- als Profianlage. Kaum zu glauben, dass Adam auf diesem kleinen Sudwerk alle seine Biere produziert hat – es muss unendlich viel Arbeit gewesen sein. Jetzt ändert sich das aber. Die neuen Geräte stehen schon da, müssen noch endgültig installiert und angeschlossen werden, die ersten Probesude eingebraut werden. Es ist nur noch eine Frage von wenigen Wochen. Und die Gär- und Lagertanks mit 15 hl Volumen stehen auch schon – in Zukunft wird das Bier aus Łąkomin nicht mehr ganz so rar sein. Und man wird es nicht mehr nur hier vor Ort, sondern auch in den Bierfachgeschäften des Landes kaufen können.

Browar Kraftowy Pałacyk Łąkomin
das neue Sudwerk ist schon fast betriebsbereit

Auch neue Etiketten habe er schon gestaltet, erzählt Adam, und verweist auf seine Facebook-Seite. Stolz schiebt er noch nach, dass nach dem großen Erfolg auf dem letzten Wettbewerb der Handwerksbrauereien, dem Konkurs Piw Rzemieślniczych 2016, mit den beiden Goldmedaillen in den Kategorien American Barley Wine und Belgian Dark Strong Ale, die Nachfrage gewaltig gestiegen sei und ihn letztendlich dazu ermuntert habe, die Investition in eine größere Brauerei zu wagen.

Zufrieden blicken wir uns noch einmal um. Ein hübsches kleines Schlösschen, idyllisch und ruhig gelegen, irgendwo in den tiefen Lebuser Wäldern. Wenn ein Bier nicht hier in Ruhe zu bester Qualität reifen kann, wo dann?

Langsam rumpeln wir wieder über den Waldweg, erreichen nach langer Fahrt erst wieder richtige Zivilisation. Im Kofferraum klimpern leise die Flaschen in ihren Kartons.

Die Browar Kraftowy Pałacyk Łąkomin hat den kommerziellen Betrieb 2015 aufgenommen. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht – auch weil der Hotelbetrieb nur anlassbezogen aufgenommen wird. Es empfiehlt sich daher eine vorherige telefonische Absprache. Zu erreichen ist das kleine Jagdschlösschen mit der Brauerei eigentlich nur mit dem Auto. Zwar gibt es mitten im Wald eine Bushaltestelle, aber sie wirkt, als würde der Bus hier einmal im Frühjahr und ein weiteres Mal im Herbst vorbeikommen. Und selbst dann ist es noch ein Fußweg von einem Kilometer mitten durch den Wald…

Bilder

Browar Kraftowy Pałacyk Łąkomin
Łąkomin 1
66-433 Lubiszyn
Polen

Merken

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*