Svatojakubský Pivovar
Hluboké
CZE

Vier leckere Biere, dazu gutes und deftiges Essen, drei freundliche junge Bedienungen, eine angenehme Atmosphäre und am Ende noch eine kurze Führung durch die Brauerei und den Lagerkeller – was die Svatojakubský Pivovar heute geboten hat, hat rundum gestimmt.

Ostersonnabend, bedeckter Himmel, trocken. Ganz Mähren dämmert vor sich hin und rüstet sich für das Osterfest. Die Hausfrauen werken geschäftig in der Küche vor sich hin, um morgen die ganze Familie bewirten zu können – es muss ja aufgetischt werden, dass sich die Tafeln biegen. Die Straßen sind entsprechend leer, und selbst die Staugarantie an der Baustelle kurz vor Brünn kann heute nicht eingelöst werden.

Wir rollen durch einen eher langweiligen Teil Südmährens, überqueren die Grenze ins Vysočina, ins Hochland. Endlose trockene Felder, viel Staub, und die kleinen Dörfer passen sich an. Gepflegt zwar, aber alt, staubig, in unendlich vielen Grautönen. Keine Augenweide, und unsere Erwartung an die Brauerei, die heute auf dem Plan steht, sinkt langsam ab. Wird schon so eine Kaschemme sein, denke ich verstohlen, als ich nach Hluboké einbiege, und im selben Moment verfluche ich meine Gedanken. Denn … vor uns taucht ein schön renovierter Hof auf, davor eine kleine Kreidetafel: „Svatojakubský Pivovar otevřeno!“, Svatojakubský Pivovar geöffnet.

Svatojakubský Pivovar, Hluboké
der hübsche Innenhof

Wir folgen den mit einem schäumenden Bierkrug verzierten Pfeilen und stehen in einem hübschen Innenhof. Biertischgarnituren in der Mitte, der Seitenflügel offensichtlich frühere Stallungen, jetzt an den Seiten offen, eine Art überdachter Biergarten. Das Hauptgebäude wohl ein ehemaliger Gutshof, in dem sich nun der Gastraum der Brauerei befindet. Man sieht, dass hier erst im Juli letzten Jahres eröffnet worden ist, und am Ende des Gebäudes wird noch fleißig renoviert und angebaut.

Die Gaststube ist aber schon fertig und empfängt uns mit gemütlicher Atmosphäre. Nette Osterdekoration mit viel grünem Gras, elegante Tische und Stühle, dicke Eichenbalken an der Wand, Ziegelgewölbe darüber. Sehr stilvoll, und wir fühlen uns vom ersten Moment an wohl. Eine der beiden jungen Kellnerinnen kommt an den Tisch, bringt die Speisekarte, und ich frage – wie immer – nach der Bierauswahl. „Helles Elfer, halbdunkles Dreizehner, helles Vierzehner und helles Sechzehner“, rattert die Dame fröhlich runter und fügt gut gelaunt hinzu, dass ich alle Sorten als kleines Glas oder als normalen Halbliter bekommen kann.

„Na, fangen wir doch mal mit dem Vierzehner an“, entscheide ich mich, und blitzschnell bekomme ich das Svatojakubský Bavorský Speciál, ein Bayerisches Spezial, serviert. Mit vierzehn Grad Stammwürze ist es ungewöhnlich kräftig für ein bayerisches Helles, oder umgekehrt, für ein Oktoberfest-Märzen ist es ungewöhnlich hell. Also irgendwo dazwischen. Der Geruch ist sauber, nicht einmal ein Hauch von Diacetyl. Ich nehme einen großen, ersten Schluck und bin begeistert. Ein kerniges Bier, kräftig herb, der Malzkörper solide, ohne süßlich zu sein, und ein sauberer Abgang, der sofort Lust auf den nächsten Schluck macht. Toll!

Zum deftigen Rindergulasch mit Speckknödeln – lecker! – kommt das Svatojakubský Světlý Ležák 11°, ein einfaches Helles. Ebenfalls kernig und kräftig herb. Spürbar leichter als das Vierzehner, klar, aber dennoch ein Bier, das nicht einfach nur wässrig daher fließt, sondern mit robustem Charakter erfreut. Wie das Bavorský Speciál kaum Restsüße, schön kompakt, dadurch ein guter Begleiter zum deftigen Essen.

Svatojakubský Pivovar, Hluboké
ein Bier besser als das andere

Auch das Dreizehner, das Svatojakubský Vídeňský Speciál, also ein Bier des Wiener Typs, reiht sich ein. Halbdunkel, ein bisschen malziger als die anderen beiden Biere, aber dennoch: Der Hopfen spielt die erste Geige. Nicht zierlich und aromatisch, sondern muskulös und, der Chauvinismus sei mir verziehen, männlich-herb. Und alle drei Biere haben einen leicht mineralischen Charakter im trockenen Abgang, was dem Durst ungemein förderlich ist.

Aber es ist noch früh am Nachmittag, ich muss der Versuchung widerstehen, statt der kleinen Gläser doch gleich einen großen Becher zu bestellen. Insbesondere beim vierten und letzten Bier für heute ist diese Beschränkung angeraten, denn als Pale Ale mit 16° Stammwürze ist es ein wenig kräftiger. Im einfachen Willibecher wird es serviert, eigentlich ja nicht das richtige Glas für so ein fruchtiges Bier. Aber dieses Pale Ale präsentiert seine Fruchtaromen selbsstbewusst auch ohne ein Verkostungsglas. Blumig und estrig der Duft, der Geschmack dann ein lebhaftes Spiel der Fruchtaromen mit knackiger Hopfenbittere auf der Zunge. Wunderbar. Vielleicht einen Hauch zu kalt serviert, ansonsten aber nahe am perfekten Biergenuss.

Vier exzellente Biere hintereinander – der Brauer hier im winzigen Dörfchen Hluboké kann was! Ganz prima!

Begeistert frage ich den jungen Mann, der uns die Rechnung (und ein halbes Dutzend Literflaschen zum Mitnehmen) bringt, wo denn das Sudwerk stünde, ob ich das denn auch sehen könne. Ich erwarte eine eher ablehnende Antwort, aber ganz im Gegenteil: „Na klar“, heißt es, „auf geht’s!“

Svatojakubský Pivovar, Hluboké
das Sudwerk

Und wir verschwinden im weitläufigen Keller des Gutshofs. Endlose Gänge durch schmale und weite Ziegelgewölbe. Weitere Gast- und Konferenzräume, die für besondere Anlässe genutzt werden können, und schließlich … das Sudwerk. Ein einfaches Zwei-Geräte-Sudwerk, kupferverblendet. 10 Hektoliter können hier pro Sud produziert werden, und in sechs Lagertanks gleicher Größe kann das Bier dann in Ruhe reifen, bevor es zum Ausschank kommt. Ein kleiner Flaschenfüller für den Handbetrieb steht ebenfalls am Rand des Gewölbes, und hinten, im Nebenraum, entdecke ich die offenen Gärtanks, darf sogar in diesen Raum hinein und Bilder von der wunderbar sahnig-kremigen Kräusenschicht machen. Keine Berührungsängste; keine Sorge, ich könnte mal in den Bottich spucken.

Svatojakubský Pivovar, Hluboké
klassische offene Gärung

Unser junger Kellner amüsiert sich über meine Begeisterung und erzählt noch ein wenig von weiteren Plänen der Besitzer. Ein weiterer, eingezäunter Biergarten mit Blick auf die Wiesen und Weiden unterhalb soll noch entstehen, der Hotelbetrieb werde noch weiter ausgebaut, es gebe noch viel zu tun. Immerhin sei die Brauerei ja noch nicht einmal ein Jahr alt!

Ein letzter Blick in die Runde. Ein wirklich schönes – und schön hergerichtetes! – Ensemble, und dazu ausgezeichnetes Bier. Wenn der Brauer dieses Niveau halten kann, dann sollte einem großen Erfolg der Brauerei nichts im Wege stehen!

Die Svatojakubský Pivovar ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Sie bietet Gaststube, großen Biergarten und – für Veranstaltungen – große Gewölbekeller. Zu erreichen ist sie bequem mit dem Auto (gebührenfreie Parkplätze auf der anderen Seite der Straße). Grundsätzlich gibt es auch eine Busverbindung, wie überall in Tschechien, aber ob der Bus 420 öfter als nur ein paar Mal am Tag hier vorbeikommt, glaube ich eher nicht.

Bilder

Svatojakubský Pivovar
Hluboké 27
675 71 Hluboké
Tschechien

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