Homeland Brewery
Amsterdam
NLD

Wie in vielen anderen Großstädten auch besitzt in Amsterdam das Militär das eine oder andere Filetstückchen unter den Immobilien. Gerade ein paar hundert Meter ostwärts vom Amsterdamer Hauptbahnhof, direkt am IJ, residiert die Königliche Marine der Niederlande.

Noch…

Schon seit 1655 befindet sich hier eine Kaserne, und schon seit einigen Jahrzehnten haben die Amsterdamer Stadtväter ein Auge auf das schön gelegene und zum Teil auch sehr schön historisch bebaute Gelände geworfen. Und in der Tat, Schritt für Schritt beginnt mittlerweile der Rückzug. Im vorderen Bereich der Kasernenanlage, auf der Rückseite des Schifffahrtmuseums, hinter den alten, steinernen Wehrmauern ist seit wenigen Jahren ein Teil des Geländes bereits privatisiert worden, aus einem ehemaligen Internatsgebäude ist die kleine Pension Homeland geworden, und im hinteren Teil dieser Pension befindet sich seit 2015 … eine Brauerei!

Homeland Brewery, Amsterdam
Homeland Brewery

Homeland Brewery, so steht es auf dem weißen Hinweisschild, und als ich am 17. April 2017 dem Pfeil darauf folge und um das Gebäude herumgehe, stehe ich als erstes einmal vor einem Bauzaun und einem Container. Hier wird fleißig gewerkelt. Aber wenigstens ist der Bauzaun mit bunten Szenen eines reichhaltigen Picknicks verziert, die Appetit auf leckeres Essen und Bier machen. Rechts davon eine überdimensionierte Bierflasche aus Holz, aus einem Baumstamm herausgesägt, und noch ein paar Schritte weiter rechts ein wunderschöner Panoramablick über das Wasser und auf das alte Museumsschiff, das hinter dem Schifffahrtsmuseum seinen letzten Ankerplatz gefunden hat.

Das Gebäude der Brauerei selber ist leider eher unansehnlich. Architektur der sechziger Jahre. Viel Beton, Einfachverglasung, schnell und billig hingeklotzt. Hinter den Scheiben ahnt man mehr als dass man es sieht das 10-hl-Sudwerk der Brauerei. Die stählernen Geräte und Tanks sind ansatzweise zu sehen; der Eingang zur Brauerei ist leider fest verschlossen.

Homeland Brewery, Amsterdam
Betonarchitektur der sechziger Jahre

Der Eingang zur Pension zum Glück nicht, und so sitze ich wenige Augenblicke später im gemütlichen Barbereich der Pension Homeland, blicke in der einen Richtung auf das Wasser und in der anderen auf die Theke mit ihren acht Zapfhähnen.

„Die acht Biere sind aber jetzt nicht alle von Euch?“, frage ich den Barmann leicht provozierend. „Nein“, lacht er zurück. „Wir haben auch drei kommerzielle Biere am Hahn, bekanntere Marken, speziell für so Gäste wie Dich aus Deutschland, die beim Bier immer sehr konservativ sind“, frotzelt er. Aber immerhin, fünf verschiedene Biere der Homeland Brewery sind am Hahn, und so beginne ich, mich durchzutesten.

Homeland Brewery, Amsterdam
fünf Homeland-Biere am Hahn

Den Auftakt macht das Spelt, benannt nach einer Dinkelsorte, einem Getreide, das als Urahn des heutigen Weizens gilt. Und man merkt die Verwandtschaft zum Weizenbier. Vollmundig, spritzig, trüb, aber auch dinkelspezifisch kernig, mit einem robusten Aroma. Ein gutes Bier zum Auftakt, und auf der Homepage wirbt die Brauerei auch damit, dass dieses Bier, in Amsterdam gebraut, zum leckersten Bier der Welt gekürt worden sei: „Verkozen tot lekkerste en beste spelt bier van de wereld. Gebrouwen in Amsterdam.“, steht dort – leider ohne es weiter zu erläutern und zu belegen.

Weiter geht es mit dem Stunt Ale, einem fast schon rubinroten, obergärigen Bier mit fruchtigen Noten, ein wenig Melanoidin im Geruch, wie mir scheint, und einem schönen, vollen Körper.

Weniger gelungen scheint mir der Versuch eines Sauerbiers, des Bien Zuur. Es soll wohl an ein belgisches Lambik erinnern, weist aber eine eher scharfe Säure auf und lässt die weinige Milde eines jahrelang gereiften Lambiks vermissen. Optisch kommt es einem Lambik zwar gleich, leicht trüb, ohne Rezens und Schaum, aber geschmacklich wirkt es eher ein wenig plump.

Bier Nummer Vier, das Pale Ale. Solide, prägnant hopfig und – wie es sich auf den ersten Blick widersprüchlicher Weise für ein Pale Ale gehört – kräftig in der Farbe. Pale, hell, war, als dieser Bierstil entstand, immer nur relativ zu sehen. Relativ zu den dunklen Bieren der damaligen Zeit, und weit entfernt von den wirklich hellen Bieren, wie wir sie heutzutage gewohnt sind. Lecker!

Und schließlich, zum krönenden Abschluss, das Amber Ale. Bernsteinfarben sollte es eigentlich leuchten, aber es überrascht mit einem schönen tiefroten Ton, der durch das Kerzenlicht auf dem Tisch, inzwischen ist nämlich die Sonne untergegangen, besonders schön zur Geltung kommt. Malzig und rund, ein schöner Abschluss einer netten Verkostung.

Homeland Brewery, Amsterdam
der Blick aus der Hotelbar

Draußen wiegt sich das alte Museums-Segelschiff sanft in den Wellen, drinnen wird es jetzt erst so richtig gemütlich. Die Bar füllt sich mit Pensionsgästen und Bierliebhabern, die aus der nahen Innenstadt hier vorbeikommen. Ein wenig versteckt liegt der Eingang, nichts außer einem kleinen Aufsteller weist auf die Pension und die Brauerei hinter den alten Kasernenmauern hin, und so kann man davon ausgehen, dass außer den Pensionsgästen hier in der Tat nur Bierliebhaber einkehren, die diese Adresse gezielt gesucht – und gefunden! – haben.

Die Homeland Brewery beziehungsweise die Bar der Pension Homeland ist täglich von 07:00 bis 01:00 Uhr geöffnet, kein Ruhetag. Zu erreichen ist sie in etwa einer Viertelstunde zu Fuß vom Hauptbahnhof, der Centraal Station. Für Hotelgäste gibt es auch die Möglichkeit, mit dem Auto anzureisen und vor der Pension zu parken.

Nachtrag 20. April 2017: Drei Tage später sehe ich, wie vor der Brauerei ein neuer Lagertank angeliefert wird, und in einem kurzen Gespräch mit der Köchin der Pension Homeland, die gerade eine Zigarettenpause vor dem Eingang zur Brauerei macht, erfahre ich, dass man vom Erfolg der Homeland-Biere völlig überrascht worden sei. Nach noch nicht einmal zwei Jahren Betrieb würden daher neue Tanks installiert, um den Ausstoß der Brauerei auf 800 hl pro Jahr zu vergrößern. Respekt!

Bilder

Homeland Brewery
Kattenburgerstraat 5
1018 JA Amsterdam
Niederlande

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