Nachtrag 16. März 2026: Ich lese eine sehr persönlich formulierte Nachricht bei Facebook, aber schon bevor ich den Text überfliegen kann, sehe ich auf dem dazugehörigen Bild den Schriftzug „The End“ und weiß, was jetzt kommt …
In der Tat: Ein wehmütiger Rückblick auf die Anfänge, auf das, was das Chmielarnia ausgemacht hat, und schließlich die Ankündigung: „Uns bleiben nur noch zwei Wochen.“
Aus und vorbei.
Für die, die alles immer genau wissen wollen, hier jetzt der Originaltext und anschließend auch die Übersetzung:
„*** THE END ***
W 2013r. otworzyliśmy dla Was naszą piwnicę z myślą: „stworzyć miejsce do którego będzie chciało się wracać“. Stworzyć miejsce, w którym spróbujecie niespotykanego połączenia piwa rzemieślniczego i kuchni nepalskiej. Stworzyć miejscówkę gdzie będziecie przychodzić w trakcie i po pracy, na rodzinny obiad, na jedno lub nawet kilkanaście piw, na przyjacielską posiadówkę czy na gruby melanż – no i chyba nam to wyszło na jakiś czas.
W tym jednym poście chcielibyśmy podziękować wszystkim ludziom, którzy tworzyli to miejsce. Gościom, którzy wracali regularnie. Tym, którzy wpadli tylko raz. Przyjaciołom, którzy zostawili tu kawał swojego życia. Browarom i Hurtowniom dzięki którym mogliśmy serwować pyszne rzeczy w naszym lokalu. I ekipie, która robiła wszystko, żeby to miejsce miało duszę i swój klimat.
Gdyby nie Wy wszyscy, to nie przelalibyśmy setek tysięcy litrów piwa i nie wydalibyśmy ton curry. Dziękujemy, że trzymaliście z nami przez tyle lat.
Powtórzymy: TO WY TWORZYLIŚCIE TO MIEJSCE!
A teraz smutne oficjalne konkrety….
Nadszedł czas, w którym skonfrontowaliśmy się z szarą rzeczywistością i pragniemy ogłosić, że po 13 latach prowadzenia działalności w piwnicy przy Twardej 42, z końcem marca 2026r., ZAMYKAMY CHMIELARNIĘ NA ZAWSZE (no chyba, że chcecie przejąć nasz biznes). Przepraszamy i błagamy o wybaczenie, niestety „this is the end“.
Pozostały ok. dwa tygodnie i chcielibyśmy, żebyście w ciągu tych 14 dni zarezerwowali sobie parę chwil żeby jeszcze odwiedzić nas kilka razy.
Prawdopodobnie w sobotę 28.03.26r. zaprosimy Was na oficjalne pożegnanie z Chmielarnią, ale to jeszcze damy znać co i jak, także „stej in tacz“
Prosimy jeszcze żebyście podzielili się tą smutną informacją ze swoimi znajomymi, ponieważ ten post może nie dotrzeć do wszystkich zainteresowanych. Niech wszyscy dookoła wiedzą, że Chmielarnia się zamyka.
Z góry dziękujemy!
Nie ma słów, które opisują nasz smutek….ehhhh
Jeszcze działamy, więc Widzimy się na Twardej!”
Und hier die Übersetzung ins Deutsche:
„*** THE END ***
2013 eröffneten wir unseren Keller mit der Idee: „Einen Ort zu schaffen, an den man immer wieder zurückkehren möchte.“ Einen Ort, an dem man eine einzigartige Kombination aus Craft-Bier und nepalesischer Küche genießen kann. Einen Ort, an dem man während und nach der Arbeit, zum Familienessen, auf ein oder auch ein Dutzend Biere, zum Treffen mit Freunden oder für einen ausgelassenen Abend vorbeikommen kann – und ich denke, das ist uns eine Zeit lang gelungen.
In diesem Beitrag möchten wir uns bei allen bedanken, die diesen Ort möglich gemacht haben. Bei den Gästen, die regelmäßig wiederkamen, bei denen, die nur einmal vorbeischauten, bei den Freunden, die einen Großteil ihres Lebens hier verbracht haben, bei den Brauereien und Großhändlern, die es uns ermöglichten, in unserem Lokal köstliches Essen zu servieren. Und natürlich bei dem Team, das alles dafür getan hat, diesem Ort seine Seele und Atmosphäre zu verleihen.
Ohne euch alle hätten wir nicht Hunderttausende Liter Bier ausgeschenkt und tonnenweise Curry serviert. Danke, dass ihr uns so viele Jahre die Treue gehalten habt. Wir wiederholen es noch einmal: IHR HABT DIESEN ORT ERSCHAFFEN!
Und nun die traurigen, offiziellen Details … Es ist an der Zeit, der harten Realität ins Auge zu sehen und bekanntzugeben, dass wir nach 13 Jahren im Keller der Twarda 42 Ende März 2026 die Chmielarnia für immer schließen werden (es sei denn, ihr wollt unser Geschäft übernehmen). Wir entschuldigen uns und bitten um Verzeihung, aber leider ist es nun endgültig vorbei.
Es bleiben noch etwa zwei Wochen, und wir würden uns freuen, wenn ihr euch in diesen 14 Tagen ein paar Momente Zeit nehmt, um uns noch einmal zu besuchen.
Wir werden euch voraussichtlich am Samstag, den 28. März 2026, zu einer offiziellen Abschiedsfeier der Chmielarnia einladen. Wir halten euch auf dem Laufenden und melden uns wieder.
Bitte teilt diese traurige Nachricht auch mit euren Freunden, da dieser Beitrag möglicherweise nicht alle Interessierten erreicht. Lasst alle wissen, dass die Chmielarnia schließt.
Vielen Dank im Voraus!
Es gibt keine Worte, um unsere Trauer auszudrücken… ach!
Wir haben weiterhin geöffnet, also bis bald in der Twarda Straße!“
Chmielarnia Multitap
Nachtrag 10. September 2016: Nach langer Zeit mal wieder in Warschau, und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, also vorher nix gegessen. Die thailändisch-nepalesische Küche mundet angenehm, die Bierkarte in Form eines kleinen Heftchens in Klarsichtfolie ist attraktiv.

die Bierkarte ist schon etwas abgegriffen, aber attraktiv
Wir beginnen mit zwei Bieren der Brauerei Artezan, dem Zagraniczne Session IPA, 4,5% Alkohol, und dem „großen Bruder“, dem Mera IPA, 6,5% Alkohol. Beide mit schön ausgeprägtem Hopfenaroma, das Session etwas schlanker, das Mera deutlich malziger und wuchtiger. Gut zum Essen!
Als Dessert gönnen wir uns zwei Bomben: Den Stuntman Toad Barleywine, ein Kollaborationsbier von Brewski aus Schweden und B. Nectar aus den Vereinigten Staaten. 10,9% Alkohol, schwerer Malzkörper, viel Restsüße. Ein wunderbarer Nachtisch. Und von Birbant aus Polen ein Barrel Aged Russian Imperial Stout, 10,5% Alkohol, und eine tolle Kombination aus Röstmalz und feinsten Holzaromen. Ein Gedicht.
In winzigen Schlucken arbeiten wir uns voran und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Schöner Barbesuch, wirklich!
Chmielarnia Multitap
Wenn man sich als Bierreisender in eine Craft-Bier-Bar aufmacht, von der man weiß, dass es dort mit Sicherheit eine ganz erhebliche Anzahl an interessanten und unbekannten Bieren geben wird, dann bereitet man sich vor. Unter anderem empfiehlt es sich, ein kleines Heftchen und einen Stift, wahlweise ein Smartphone oder ein Tablet mit zu nehmen, um sich Notizen machen zu können, vielleicht auch ein paar Visitenkarten einzustecken, vor allem aber vorher gut gegessen zu haben, um eine solide Grundlage für die Bierverkostung zu haben.
Dergestalt vorbereitet, also insbesondere gut gesättigt, mache ich mich am 2. Dezember 2014 auf, die Bar Chmielarnia in Warschau zu besuchen. Es gibt dort 16 Zapfhähne, und das Wissen, dass Marcin Chmielarz, ein in polnischen Brauer- und Bierliebhaberkreisen geachteter Bierkenner, für die Auswahl der Biere verantwortlich zeichnet, macht schon im Vorhinein klar, dass es lecker wird.

simple, aber eindeutige Beschriftung
Aber ach, hätte ich aber doch im Zuge meiner Vorbereitungen nicht nur nach Adresse, Öffnungszeiten und Bierauswahl geschaut, sondern auch einmal einen Blick im Internet in die Speisekarte geworfen! Kaum stehe ich vor Ort an der Theke, fällt mir nämlich mit schreckgeweiteten Augen auf, dass es hier thailändische und nepalesische Küche gibt, eine Küche, die mit Sicherheit extrem gut zu den angebotenen Bieren gepasst hätte. Oh, es hat wohl nicht sollen sein – beim besten Willen kann ich nach dem gerade erst genossenen opulenten Mittagsmal anderswo nichts mehr essen … Es ist zum Heulen! Allein, es bleibt die Hoffnung auf ein andermal!
Die Chmielarnia befindet sich im Keller des Dom Wędkarza, des Anglerhauses, also des Gebäudes, in dem der polnische Anglerverband seine Residenz hat. Angelausrüstungen, Angelscheine und ähnliches kann man hier erwerben, und man muss an den verschiedenen Schaltern und Tresen unmittelbar vorbeilaufen, um zur Treppe in den Keller zu kommen.
Einmal hier unten angekommen, erinnert nichts mehr an die Fischerei. Eine verhältnismäßig kleine Theke mit den versprochenen 16 Zapfhähnen befindet sich an der Längsseite, direkt daneben – durch ein kleines Fenster zu sehen – der Kühlraum für die Fässer. Und vor der Theke, im Fußboden eingelassen, eine Glasscheibe, unter der sich zahlreiche dekorativ zertrümmerte Bierflaschen und –dosen von Großbrauereien, von Bierfabriken befinden. Eine klare Aussage, fast schon eine Kampfansage.

Kampfansage
An den sechzehn Zapfhähnen das Beste aus der polnischen Bierszene, aber auch einige gute Biere aus Skandinavien (Nøgne Ø, To Øl) oder den USA (Rogue). Und neben den 16 Fassbieren gibt es noch ungezählte Spezialbiere aus der Flasche. Ein Bier besser als das andere, egal ob aus Polen oder der großen, weiten Welt.
Was aber offensichtlich nicht jeder findet. Ungewollt, aber amüsiert werde ich Zeuge eines langen Monologs, gehalten von einem arroganten Schnösel, geduldig ertragen vom zugetexteten und innerlich mit den Augen rollenden Barmann. Die polnischen Biere wären ja alle dermaßen schlecht, heißt es in völliger Verkennung der Realität, die kleinen Handwerksbrauereien hätten ja noch einen sehr weiten Weg vor sich, bis sie qualitativ auch nur annähernd mit den guten internationalen Bieren mithalten könnten. Spricht‘s und pfeift sich demonstrativ und das hervorragende Ansehen der polnischen Craft-Brauer in den einschlägigen Foren und Gremien ignorierend einen halben Liter Russian Imperial Stout von Nøgne Ø rein, das teuerste und stärkste Bier heute im Angebot. Und während dieses gute RIS achtlos die Kehle hinunter gespült wird, fast auf ex, da denke ich mir so ganz im Stillen Wenn Du alle Deine Biere so auf ex säufst, dann merkst Du – außer an der Wirkung – doch sowie so keinen Unterschied! und genieße mein – ausgezeichnetes! – polnisches Craft-Bier.
Aber wie so oft: Die besten Bars können nichts für ihre Kundschaft.
Zum Glück ist der Rest der Gäste angenehmer, das freundliche Personal sowieso, und Herr Großkotz trollt sich nach zwei großen Gläsern im Stil Perlen vor die Säue. Und so kann ich hier gemütlich die eine oder andere weitere polnische Bierspezialität mit großem Genuss verkosten.
Die Chmielarnia ist täglich ab 11:00 Uhr, sonnabends und sonntags erst ab 12:00 Uhr, durchgehend geöffnet. Sie ist etwa 150 m Fußweg vom Rondo ONZ entfernt und so mit der Straßenbahn (Linien 1, 10, 17, 31, 33 und 41) problemlos zu erreichen.
Chmielarnia Multitap
ulica Twarda 42
00-831 Warszawa
Polen

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