[Blick zurück auf März 2026]
Der Concours International de Vins, Bières et Spiritueux de Lyon zählt zu den renommiertesten Sensorik-Wettbewerben der Welt. Gegründet in der gastronomischen Hauptstadt Frankreichs, Lyon, im Jahr 2010 hat er sich zu einem internationalen Anziehungspunkt für Produzenten, Sommeliers und Fachjuroren entwickelt. Er wird unterstützt von Institutionen wie den Toques Blanches Lyonnaises und der Association des Sommeliers Lyonnais et Rhône-Alpes, und er verbindet französische Genusskultur mit globaler Reichweite.
Im Zentrum steht eine Blindverkostung durch von internationale Jurys aus Profis und erfahrenen Amateurverkostern. Bewertet werden nicht nur Weine, Biere und Spirituosen, sondern mittlerweile auch Käse, Milchprodukte und Charcuterie – der Wettbewerb ist also deutlich breiter aufgestellt als alles, was ich persönlich bisher kennengelernt habe. Er folgt zertifizierten Qualitätsstandards wie zum Beispiel ISO 9001 und genießt den Ruf hoher Seriosität.
Dieses Jahr hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, als Biersommelier in der Jury zu sitzen und an zwei aufeinanderfolgenden Tagen insgesamt sechzig Biere zu bewerten.
Meine Erwartungshaltung war hoch, hieß es im Vorfeld doch, dass mehrere hundert Juroren einige tausend Produkte bewerten würden – eine gewaltige Dimension!

die riesige Kongresshalle
Und tatsächlich: Als ich die riesige Kongresshalle in der Cité Internationale betrete, fallen mir schier die Augen aus dem Kopf. Weiß eingedeckte Tische für jeweils vier bis sechs Juroren, dicht an dicht gestellt und den ganzen Saal bis zum letzten Winkel füllend. Zwischen den Tischen Dutzende von Helferlein und Stewards, die flink hin und her wuseln und uns in perfekter Weise mit den Bierproben (an den anderen Tischen teils natürlich auch Wein- und Schnapsproben) versorgen. Freundlich, hilfsbereit und fast schon unsere Gedanken lesend – eine hervorragende Unterstützung.
Für jeden Juror liegen bestens vorbereitete Bewertungsbögen bereit, es gibt Wasser und Brot zum Neutralisieren – es ist wirklich an alles gedacht, an jedes Detail.
Die Verkostung beginnt, und als erstes bekommt unser Tisch fünfzehn Biere vom Stil englischer Porter. Schon nach der dritten oder vierten Probe runzeln am Tisch alle die Stirn. Das sind hervorragende Biere, ohne Frage, aber soll sich das wirklich um englische Porter handeln? Intensive Röstaromen und dergleichen lassen uns eher an Stouts denken …
Dementsprechend fallen auch unsere Bewertungen aus. Das eine oder andere Mal müssen wir ein eigentlich ganz hervorragendes Bier abwerten, weil es den Stilkriterien für ein Porter auch bei großzügiger Auslegung nicht entspricht. Schade!
Die ersten fünfzehn Proben sind geschafft. Feierlich stellt Michel, unser Steward, die fünfzehn Flaschen auf den Tisch und zieht die dunklen Stoffhüllen, die die Biere vor unseren Blicken geschützt haben, von den Flaschen.
Uns gehen fast die Augen über: Mehr als die Hälfte der Biere sind Stouts. Oatmeal Stout, Extra Stout, einfaches Stout.
Die Lösung des Rätsels sollen wir erst später erfahren: Die Organisatoren haben immer mehrere Bierstile zu einer Kategorie zusammengefasst – in diesem Fall zu Dunklen Ales. Kann man ja machen, aber weder sollte man daraus vor den Juroren ein Geheimnis machen (die sollen die Biere schließlich in eine Schublade stecken, sie also innerhalb vorgegebenen Stilrichtlinien bewerten können), noch sollte man die Kategorie dann Porter nennen …
Ähnlich läuft es in der Kategorie der Weissbiere. Zwar ist hier getrennt nach Witbier, Kristall und Hefeweizen, aber es finden sich in der Kategorie alle möglichen Bierstile, Hauptsache, ein großer Teil der Malzschüttung besteht aus Weizen oder Weizenmalz.
Auch hier also echte Schwierigkeiten, die Stilrichtlinien auf die Biere anzuwenden.
Besonders skurril wird es, als mehrere Biere aus der Kategorie „Kristallweizen“ schon im Verkostungsbogen als „unfiltriert“ oder „naturtrüb“ gekennzeichnet sind. Paradox, schließlich ist das Kristallweizen als Stil ja ausdrücklich durch Filtration entstanden!
Mit zunehmender Gewöhnung an diese nur mäßig durchdachte Stilzuordnung beginnen wir, die Biere eher nach ihren absoluten sensorischen Eindrücken zu bewerten und kommen damit den Rest des Tages und den zweiten Tag (mit den Kategorien Blonde und Strong Blonde) ganz gut über die Runden.
An beiden Tagen schließt sich am Ende der Verkostung (schon gegen Mittag!) ein kleines Büffet an: Erlesene französische Käse und Charcuterie, Berge von verschiedenen Brotsorten, und dazu die von den jeweiligen Jurorenteams am höchsten bewerteten und entsprechend markierten Weine und Biere. Restetrinken, gewissermaßen, aber auf hohem Niveau.

die deutsch(sprachig)e Bierjuroren-Equipe
Gesamtbewertung: Ein schöner, gut organisierter Wettbewerb mit Schwächen in der Kategoriebildung, aber gleichzeitig auch ein lustiges und fröhliches Familientreffen – wer in der internationalen Szene der Beer Judges unterwegs ist, ist meistens auch in Lyon dabei!
Concours International de Vins, Bières et Spiritueux de Lyon
Cite International
50 Quai Charles de Gaulle
69006 Lyon
Frankreich

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