[Blick zurück auf Juli 2025]
„Wow, also da kann so manche bayerische Barockkirche nicht mithalten“, denke ich, „egal wie überladen dekoriert sie auch sein mag!“ Der gesamte Innenraum des Elften Gebots ist vollgestopft mit Heiligenfiguren, Ikonenbildchen und sonstigem, ursprünglich mal religiösem Krempel. Und wenn ich schreibe vollgestopft, dann meine ich vollgestopft. Ein Wunder, dass hier überhaupt noch Tische und Stühle für die Gäste hineinpassen …

jeder Quadratzentimeter ist mit Heiligenfiguren oder Ikonenbildchen gefüllt …
Das uralte Gebäude aus dem 16. Jahrhundert bietet den perfekten Rahmen für ein Biercafé dieses Stils. Schon von außen strahlen die dicht mit Efeu zugewachsenen Natursteinmauern und die schmalen, hohen Fenster eine Gediegenheit aus, eine gewisse Würde des Alters. Unter den schwarzen Markisen, die den Bereich vor dem Gebäude beschatten, steht dann aber modernes Gestühl – Stahlrohr mit Kunststoffbezug. Wetterfest, pflegeleicht und robust.
Statt einer Speise- und Bierkarte gibt es nur einen kleinen Werbeflyer und einen QR-Code, der zum aktuellen Angebot führt. Das ist dann allerdings sehr umfangreich, und kaum haben wir Platz genommen, vertiefen wir uns ins Studium. Schwierig. Einerseits wollen wir jetzt endlich mal belgische Frites essen und ein dazu passendes Bier trinken, andererseits gibt es hier auch noch gefühlt „tausend“ andere Dinge zum Schnabulieren und Genießen. Ach, herrjeh …
Nachsichtig und geduldig läuft der junge Kellner nun schon zum wiederholten Mal unauffällig an unserem Tisch entlang. Wir grübeln, studieren, diskutieren. Irgendwann steht unser Entschluss fest: Wenn nicht jetzt, wann dann? Es gibt Fritten und ein Bolleke, also absoluten Standard für Antwerpener Verhältnisse. Wir heben den Blick vom Display, und Sekunden später steht unser Kellner neben unserem Tisch und nimmt die Bestellung auf. Ob er uns am Eingang die ganze Zeit beobachtet hat, um diesen Moment nicht zu verpassen? Fast scheint es so …
Die Frites kommen. So, wie es sich für Belgien gehört. Dick geschnitten, frisch frittiert, knusprig. Passt perfekt, wir können in der Tourismus-Agenda das Häkchen setzen. Diesen Punkt hätten wir abgearbeitet.
Und das Bier? Das Bolleke ist in Antwerpen Tradition. Von der Stadsbrouwerij De Koninck zunächst als Spéciale Belge auf den Markt gebracht, um den Durst der Arbeiter mit gut verträglichen 5,2% Alkohol zu stillen, hat es ob des halbrunden Glases schnell den Spitznamen Bolleke bekommen, und 2019 hat sich die Brauerei nach acht oder neun Jahrzehnten Bedenkzeit dazu entschlossen, den Spitznamen zu übernehmen und das Bier entsprechend umzubenennen. Seitdem bekommt man auf die Bestellung „Een Bolleke, alstublieft“ ein richtiges De Koninck Bolleke und nicht mehr nur irgendein blondes Bier im halbrunden Bällchen-Glas.
Blank gefiltert und kräftig kupferfarben leuchtet es unter der üppigen und kremigen Schaumkrone so strahlend schön, dass wir uns kaum trauen, es anzutrinken und dieses Kunstwerk zu zerstören. Aber nur kucken? Den runden Malzkörper, die zarte Hopfenherbe und die fruchtige Nase mit einem Hauch orientalischer Gewürze würden wir dann verpassen. Und das erfrischte „Aaah!“ nach dem Schluck auch.

die Deko ist ja schon ein bisschen kitschig …
Mit diesem einen Bier sollte es jetzt zur Mittagszeit eigentlich auch sein Bewenden haben, aber dann entdecken wir noch ein alkoholfreies Bier vom Fass, das Zestra von The Musketeers. Der Name soll an die Zesten, also die dünne, weiße Schicht zwischen Schale und Fruchtfleisch bei Zitrusfrüchten erinnern und damit die Geschmacks- und Aroma-Dimensionen dieses Biers schon abstecken, bevor man es im Glas hat. Und? Jawoll, die Beschreibung passt. Frische Zitrusnoten in der Nase, ein spritziger Antrunk, feinherbe Zitrusnoten an Zunge und Gaumen. Und ein knackiges Finish.
Wüssten wir es nicht, wir würden zumindest zu Beginn nicht merken, dass es sich hier um ein alkoholfreies Bier handelt. Erst gegen Ende, als der Inhalt des Glases sich schon ein wenig erwärmt hat, kommen ganz dezent ein paar getreidige, süßliche Eindrücke hinzu, die offenbaren, dass es sich hier nicht um ein „richtiges“ Bier handelt. Toll gemacht!
Wir schauen noch mal drinnen, werfen ein paar Blicke auf die vielen, vielen Figuren, auf die überraschend kleine Theke und auf die vielen Winkel, in denen man sich bei schlechtem Wetter bei Bier und gutem Essen verkriechen kann. Nett hier!
Das Elfde Gebod Cathedral (es gibt noch ein zweites, das Elfde Gebod Riverside) ist täglich ab 12:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Es liegt direkt am Nordrand der Liebfrauenkathedrale in der Mitte der Altstadt, ist also völlig problemlos zu finden.
Elfde Gebod Cathedral
Torfbrug 10
2000 Antwerpen
Belgien

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