[Blick zurück auf Juni 2026]
Unser Bus hält vor einer grauen Steinmauer. Langsam schiebt sich das elektrische Tor auf, und wir rollen über groben, aber gepflegten Schotter in den Hof einer uralten Farm. Graue Steinwände, bunte Türen, dazwischen Blumenschmuck und immer wieder viel, viel Schotter. Die Ballykilcavan Farm & Brewery sieht so aus, wie man sich ein Jahrhunderte altes irisches Gehöft vorstellt, wie man es aus alten Spielfilmen zu kennen glaubt.
Eine Tür öffnet sich, und David Walsh-Kemmis kommt mit elastischem Schritt auf uns zu. Herzlich willkommen bei mir zu Hause, begrüßt er uns mit weit ausgestreckten Armen. Seit dreizehn Generationen, seit 1639, lebe seine Familie hier, erklärt er uns, und wir würden den Atem der Geschichte gleich spüren.
Dieses Gebäude sei aus dem achtzehnten Jahrhundert, jenes aus dem neunzehnten. Ein paar alte Überreste seien noch viel älter, und der Greif, den wir sowohl an der Windrose oben auf dem Dach als auch als Skulptur vor dem Pferdestall sehen könnten, sei das Wappentier der Familie.
Die Brauerei aber, so fährt er fort, sei noch jung, erst seit wenigen Jahren würde er hier handwerkliche Biere brauen, und zwar als Ergänzung zur Landwirtschaft. Er habe zwar riesig viel Land, und seine Farm sei als Immobilie theoretisch sehr, sehr viel wert, aber … leider eben nur theoretisch. Landwirtschaft wirft nicht mehr viel Ertrag ab, und da seine ganze Farm unter Denkmalschutz stünde …
Er schweigt für einen Moment.
„Ach, kommt einfach erst mal rein, wir verkosten jetzt drei von meinen Bieren.“

drei Biere, drei Sorten Käse, drei Sorten Wurst
Wir betreten den Schankraum und staunen: Das muss die alte Mühle sein – das Räderwerk ist noch zu sehen, und nun ist es geschmackvoll zu einem Tasting-Room umgebaut worden. Auf den groben Tischen stehen drei verschiedene Sorten Käse, drei verschiedene Sorten Wurst. David empfiehlt uns, welcher Käse, welche Wurst am besten zum jeweiligen Bier passen würden, ermuntert uns aber gleichzeitig auch, alle anderen Kombinationen ebenfalls zu probieren.
Was wir uns nicht zwei Mal sagen lassen.
Die Biere sind interessant:
- Backlawn Lager (4,2%)
- Greenfield’s IPA (5,5%)
- Black Well Stout (4,2%)
Alle sind hervorragend durchtrinkbar, aber das IPA weist eine intensive Brettanomyces-Note auf. Pferdedeckenroma wie bei einem uralten belgischen Lambic. „Ist das Absicht?“, wollen wir wissen, und David schüttelt den Kopf. Mit entwaffnender Ehrlichkeit gibt er zu, dass er wohl mal wieder die Leitungen der Schankanlage reinigen müsse.
Es ist trotzdem gut genießbar, aber als IPA ist es mit diesem Fehlaroma völlig fehl am Platz.

das Sudhaus
Nach der Verkostung zeigt uns David sein Sudhaus – eine überraschend moderne Anlage, optisch sehr schön, und vor allem auch blitzsauber. Nein, von hier kommt die Brettanomyces-Infektion ganz gewiss nicht, denken wir.
Mit der Besichtigung des Sudhauses und des Lagerkellers ist es aber nicht getan, denn David führt uns jetzt kreuz und quer über seine Farm. Wir gehen durch einen zweihundert Jahre alten Straßentunnel, durch einen dunklen Urwald, über saftig grüne Wiesen. Er zeigt uns den Champion Tree of Ireland, den größten und vermutlich ältesten Walnussbaum des Landes, läuft mit uns durch endlose, nicht mehr vollständig bewirtschaftete Gärten und zeigt uns die alten Stallungen, die trotz Denkmalschutz langsam verfallen. Ein uralter Volvo ist Sinnbild für diesen Verfall, und David seufzt. Mit dem, was die Landwirtschaft abwirft, wäre es unmöglich, dieses historische Gebäudeensemble zu erhalten, und immer mehr Arbeiten, ob es nun ein neues Dach sei oder der Umbau der Stallungen zu Gästezimmern oder die Pflege des alten Baumbestandes, würden zu sogenannten NGPs, zu Next-Generation-Projects, von denen er wisse, dass er selbst sie nicht mehr wird stemmen können, aber vielleicht die Generation seiner gerade erst am Anfang der Pubertät stehenden Kinder.
Er zuckt mit den Schultern. So wunderbar es ist, seit fast vierhundert Jahren hier zu leben, so viel Last ist es auch.
Schnell erhellt sich seine Miene aber wieder, und wir kehren gedanklich und auch in realiter zurück zum Bier, zurück in den Schankraum, machen noch ein paar Bilder und danken David für eine wirklich beeindruckende Führung und eine uns perplex machende Offenheit.
Was für ein einzigartiger Brauereibesuch!
Der Taproom der Ballykilcavan Farm & Brewery hat keine regulären Öffnungszeiten; er öffnet, wenn Festivals in der Nähe stattfinden oder nach Absprache für größere Gruppen, dann immer auch gern kombiniert mit einer ausgiebigen Brauereibesichtigung und Führung über das Gelände. Zu erreichen ist die Brauerei definitiv nur mit dem Auto.
Ballykilcavan Farm & Brewery
Kylebeg
Stradbally
Co. Laois, R32 Y0PK
Irland

Hinterlasse jetzt einen Kommentar