Wochenende des Hamburger Bieres
Hamburg
DEU

Man ist sich offensichtlich nicht ganz sicher, wie man die Veranstaltung bezeichnen möchte. Tag des Hamburger Bieres? So war es ursprünglich mal angekündigt. Dann wurde die Bezeichnung geändert: Wochenende des Hamburger Bieres. Angesichts einer zweitägigen Veranstaltung sicherlich etwas passender als der singuläre Tag. Aber was ist mit dem Sonntag? Der gehört doch auch zum Wochenende… Aber da ist die Veranstaltung schon wieder vorbei… Fragen über Fragen.

Als ich am Sonnabend den Beerenweg entlang gehe, steht eine schwarze Tafel an der Einfahrt: Tag des Hamburger Bieres. Zurück zum Singular…

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Wochenende (Tag?) des Hamburger Bieres im Hopper Bräu

Eigentlich ist das aber völlig egal, denn es geht hier nicht um Betrachtungen, wie man die Veranstaltung hätte bezeichnen sollen, sondern darum, was sich dahinter verbirgt. Und zwar Folgendes:

Vor kurzem ist das Buch Auf Hamburgs Wohlergeh’n! – Der Bierführer für die Hansestadt von Peter Stahmer, Konstantin Meisel und Jonathan Seipp erschienen, in dem alle Hamburger Brauereien, Wanderbrauer und speziell für bestimmte Lokalitäten gebrauten Biere beschrieben stehen. Und heute, beziehungsweise gestern und heute, sind die drei Autoren im Hopper Bräu und stellen ihr Buch vor. Und damit es dafür den richtigen Rahmen gibt, haben die Hopper Brauer ihre Zapfhähne neu bestückt: Aus jeder der im Buch beschriebenen Brauereien gibt es ein Bier zu verkosten.

Naja, fast, denn Holsten habe ich jetzt nicht entdecken können.

Oder doch?

Ja, an Hahn 8 hängt das Duckstein Opal Pils, produziert in der Holsten-Brauerei, den Carlsberg-Konzern tapfer im Kreativbier-Umfeld repäsentierend.

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Einmal eine repräsentative Auswahl Hamburger Biere, bitte!

Und so stehe ich denn zunächst ein wenig zögernd vor der Theke, überlege, was ich denn trinken möchte, und welches bierpolitische Statement denn mit meiner Wahl verbunden sein könnte.

Hinter mir die silbrig glänzenden Kessel und Tanks der Hopper Bräu, davor, auf Bänken und Tischen, zahlreiche kleine Stahltöpfe und Plastikeimer. Hier hat unlängst wohl ein Hobbybrauseminar stattgefunden, und in den Plastikeimern gären die angesetzten Hobbysude nun munter vor sich hin. Ohne jetzt genau nachzählen zu wollen: Ist das jetzt gerade ein Brauereibesuch oder ein Brauereienbesuch? Darf ich also behaupten, heute im Laufe des frühen Abends rund ein halbes Dutzend Brauereien besichtigt zu haben? Eine große, und ein halbes Dutzend winzige?

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Wieviele Brauereien kann man gleichzeitig besichtigen?

Ach, egal, weg mit den albernen Gedanken. Jetzt brauche ich ein Bier, und ohne noch längeres Überlegen bestelle ich mir das Spring Ale von Überquell. Die Brauerei Überquell macht nämlich erst übermorgen, am 5. Juni 2017, offiziell in den Riverkasematten beim Fischmarkt auf. Sie ist zwar schon im Buch erwähnt, aber das Bier noch nicht beschrieben, weil noch nicht verkostet.

Ein schönes, gut trinkbares Bier bekomme ich. Mit 4,3% sehr leicht, ein schönes Frühlingsbier für den großen Schluck auch bei heißem Wetter. Feine, aber nicht dominierende Hopfenaromen, eine zurückhaltende Bittere, recht schlank. Ein Bier, nicht zu weit weg von den Standardbieren, nicht zu exotisch, nicht zu fordernd.

Ich nehme einen großen Schluck, dann gehe ich vor die Tür und geselle mich zu den Autoren. Nur zwei sind da – Konstantin Meisel und Peter Stahmer. Der dritte, der Biersommelier unter ihnen, Jonathan Seipp, muss heute arbeiten, erfahre ich. Macht aber nix, für ein nettes Gespräch reicht es trotzdem, und natürlich lasse ich mir mein Buch, dass ich vor ein paar Tagen als Rezensionsexemplar bekommen habe, von den beiden anwesenden Autoren auch signieren.

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Buchvorstellung
Auf Hamburgs Wohlergeh’n! – Der Bierführer für die Hansestadt

So ein Buch bietet den perfekten Hintergrund für Biergespräche, die von hier nach da mäandrieren, von Hölzchen auf Stöckchen kommen und in kurzer Zeit bereits ein umfassendes Bild der Bierszene Deutschlands, wenn nicht gar Europas und der Welt zeichnen. Die Zeit vergeht wie im Flug, die Dunkelheit bricht herein.

Höchste Zeit für das nächste Bier, vor lauter Quasseln hätten wir fast den Biergenuss vergessen. Der Bock O’Range von Wildwuchs möchte ich jetzt verkosten. Oft schon ist er mir empfohlen worden, und immer, wenn ich ihn irgendwo probieren wollte, war er gerade aus… Heute soll es sein, und im Nu habe ich mein Glas in der Hand.

Die Farbe ist deutlich dunkler als der Name suggeriert. Ein kräftiger Braunton, weit entfernt vom fälschlicherweise antizipierten Orange. Aber duftige Zitrusnoten sind im Bier zu identifizieren. Einbildung? Oder vom Hopfen? Oder mit Orangenschalen? Ich tippe auf den Hopfen Mandarina-Bavaria, bin aber zu faul, im Internet zu recherchieren, ob ich recht habe. Das schlaue Telefon bleibt in der Tasche, Cortana wird nicht gefragt. Die 7,9% Alkohol stehen aber an der Kreidetafel, soviel steht also schon mal fest.

Und das ist gut so, denn in Hamburg werden die Frühlingsabende nach Einbruch der Dunkelheit rasch etwas kühl, und da tut ein wärmendes Bockbier gerne auch im Juni noch gut. Lecker!

Der Abend geht zu Ende mit vielen spannenden Biergesprächen und mit der Gewissheit, dass es in der Szene glücklicherweise immer noch möglich ist, brauereiübergreifend die Biere zusammenzubringen und gleichzeitig auszuschenken. Sehr schön! Gerne einmal wieder, durchaus auch ohne formalen Anlass.

Bilder

Wochenende des Hamburger Bieres
Hopper Bräu GmbH & Co. KG
Beerenweg 12
22 761 Hamburg
Hamburg
Deutschland

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