BrewDog Bar Brussels
Brüssel
BEL

Mit den BrewDog Bars verhält es sich mittlerweile auch nicht viel anders als mit den Hardrock-Cafés. Wo immer man in der Welt hinkommt, hat man das Gefühl, die schottische Brauerei BrewDog sei bereits dagewesen und habe eine Bar eröffnet. Asien, Nordamerika und Europa – überall. Vielleicht noch nicht gerade in Ostafrika, aber selbst das scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Es hat den schönen (für die Betreiber schönen!) Nebeneffekt, dass dies uralte Triebe im Menschen weckt und er sich wieder als Jäger und Sammler angesprochen fühlt. Der Ehrgeiz ist da, von diesen Bars, seien es nun Hardrock-Cafés oder BrewDog Bars, möglichst viele zu besuchen und dort einzukehren. Manche kriegen es fertig und reisen extra zu diesem Zweck gezielt um die Welt, andere nehmen es eher als Kollateraleffekt mit, wenn sie eh irgendwo sind, und nutzen dann die Chance auf einen Besuch. Und wieder andere beginnen, zu schummeln. Wie oft schon wurde ich vor einer Dienstreise mehr oder weniger dezent angesprochen: „Sag‘ mal“, heißt es dann etwas herumdrucksend, „Du bist doch nächste Woche in Wien…“ (wahlweise auch New York, Bangkok, Helsinki oder Neapel) „Kannst Du da nicht mal kurz im Hardrock-Café vorbeigehen und ein T-Shirt der Größe XL kaufen? Weißt Du, das ist für meinen Sohn, der sammelt die.“

Merkwürdig finde ich bei diesen Fragen eigentlich nur, dass ein Siebenjähriger T-Shirts in der Größe XL benötigt, und dass manche meiner Kollegen eigentlich gar keinen Sohn haben… Da scheint es dann doch eher so, dass der (fiktive…) Stammhalter vorgeschoben wird, weil Kollege X es nur ungern zugibt, selbst Sammler dieser T-Shirts zu sein.

Aber egal: Heute geht es nicht um Hardrock-Cafés, sondern um BrewDog Bars, der Jäger-und-Sammler-Effekt ist aber der gleiche. Wie sonst wäre es zu erklären, dass es den Bierchronisten bei einer Reise in die wohl wunderbarste und abwechslungsreichste Bierstadt der Welt, Brüssel, bereits am ersten Abend in die hiesige BrewDog Bar Brussels zieht?

Da liegt sie auch schon vor mir. An der Putterie, direkt neben dem Zentralbahnhof – noch verkehrsgünstiger kann sie eigentlich gar nicht liegen. Man steigt aus Zug, Metro oder Bus aus, dreht sich in die richtige Richtung, macht zehn Schritte, fertig.

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eher triste Architektur

Und ist vielleicht erstmal enttäuscht, denn der Bau, in dem die Bar sich befindet, hat so gar nichts Cooles, Punkiges an sich. Ein Betonklotz. Grau. Ganz leicht ins Bräunliche tendierend. Gerundete Ecken. Klotzige Bauweise aus einer Zeit, in der man mit Beton spielte und Architekten mit ihm die merkwürdigsten Innenstadtensembles formten, so wie Kinder die Sandburgen am Strand von Knokke. Belgien und Frankreich sind voll von diesen komischen Bauten.

Ein langer Balkon, darauf das BrewDog-Motto: Craftbeer for the People. Ausnahmsweise einmal nicht in blutrot, sondern vermutlich einer Denkmalschutzbestimmung geschuldet, in dezentem Grau auf Glas, trist, passend zum Rest des Gebäudes.

Der Eingang liegt auf der Rückseite. Ein paar Schritte um den Block herum, durch ein kleines Tor, und hier endlich grüßt die vertraute, blutrote Farbe. BREWDOG.

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Bar und Souvenir-Verkauf

Die Bar ist groß und geräumig. Verhältnismäßig wenig Tische und Stühle, das meiste ist freier Raum. Etwas untypisch. Wie geschaffen für einen riesigen Stehempfang mit ‘zig, wenn nicht hunderten Teilnehmern. Zentral die Bar, hinter der, wie immer bei BrewDog, zwei weiße Leuchttafeln hängen. Auf der einen die Liste der BrewDog-Biere, auf der anderen, und das muss man BrewDog schon positiv zugestehen, die Liste der Gastbiere, Biere von kleinen Brauereien aus der Region. Man bewahrt sich diesen sozialen Ansatz und bindet die lokale Bierszene immer mit ein.

Rechts von der Theke der Souvenirverkauf – wer will, kann mittlerweile auch bei BrewDog systematisch eine T-Shirt-Sammlung aufbauen. Links hinter der Theke das Sichtfenster in die Küche, Anrichte und Schaufenster zugleich, und dahinter ein weiterer, recht großer Raum, der an den Lesesaal einer Bibliothek erinnert. Von hier aus geht es dann auch hinaus auf den Balkon, der einen netten Blick über die Stadt bietet.

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eine Art Lesesaal für das konzentrierte Studium der BrewDog-Biere

Der Service an der Bar ist nett und freundlich, die junge Dame schnell und aufmerksam. Ich entscheide mich für etwas Lokales, nicht für ein BrewDog-Bier, und wähle das Golden Tricky aus der Brouwerij ‘t Verzet im Norden des Landes. Leicht fruchtig-estrig und deutlich phenolisch, wie es für belgische Biere so oft typisch ist. Dazu aber auch kräftig gehopft und somit recht komplex im Charakter. Alkoholstark, wie es die Belgier lieben: 7,5%. Ein forderndes, aber dann auch sehr ansprechendes Bier. Nichts für den großen Durst, stattdessen für den behutsamen und konzentrierten Genuss. Schluck für Schluck. Ich bin zufrieden.

Eine ganze Weile sitze ich mit diesem einen Bier hier an der Bar. Genieße einen Schluck nach dem anderen. Ohne Hast. Ich habe ein wenig Zeit, kann die Anspannung des langen Konferenztages von mir abfallen und den Tag gedanklich noch einmal Revue passieren lassen. Glücklicherweise ist in der Bar heute nur wenig los, und so sitze ich hier ungestört, vertreibe mir mit einem einzigen Bier verhältnismäßig viel Zeit. Angenehm.

Zum Wochenende hin ist hier mit Sicherheit mehr los. Dann füllt sich der große Stehbereich, an der Theke wird nach dem nächsten Bier gedrängelt, Stimmengewirr und Musik zwingen sich gegenseitig Schritt für Schritt zu immer höheren Lautstärken, bis irgendwann das entsteht, was gemeinhin als Bombenstimmung bezeichnet wird: Eine Kakophonie des Lärms, schneidend dicke Luft, Schweißgeruch. Warum ist diese Mischung eigentlich so beliebt?

Die BrewDog Bar Brussels ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; sonnabends ab 12:00 Uhr; sonntags ist Ruhetag. Sie liegt direkt gegenüber des Ausgangs vom Bahnhof Centraal, ist mit Bus, Metro und Bahn somit gleichermaßen problemlos zu erreichen.

Bilder

BrewDog Bar Brussels
Putterie 20
1000 Brüssel
Belgien

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