Le Trappiste
Brüssel
BEL

Ja, ja, ja, ich weiß, und ich gebe es ja auch sofort zu: Es ist zwar ganz nett hier, aber ein Geheimtipp für Biertrinker ist es eigentlich nicht. Es ist einfach nur ein gutes Restaurant in Brüssel, das auch eine gute Bierkarte hat. Punkt.

Die Rede ist vom Le Trappiste im Stadtteil Ixelles.

Und so ist es denn der Vollständigkeit halber hier aufgenommen. Als eine Empfehlung, falls jemand einmal in der gleichen Situation ist wie ich heute (und Geschäftsreisenden wird dies nur allzu vertraut vorkommen):

Ich sitze in einer Besprechung. Man hat sich per eMail, Telefon oder über die Vorzimmer verabredet. Hat etwas ungeheuer Wichtiges, das es zu klären gilt. Meistens stellt sich später heraus, dass es dann doch nicht so wichtig war, und dass, wenn die Besprechung nicht stattgefunden hätte, die Welt gar nicht untergegangen wäre, es vielmehr niemand wirklich bemerkt hätte… Aber das weiß man eben erst hinterher, und ab und an, ganz selten einmal, ist es dann ja doch so, dass die Besprechung wirklich wichtig war, ganz außerordentlich wichtig sogar, und dann rechtfertigt diese eine, seltene, außerordentlich wichtige Besprechung mindestens zwei Dutzend andere, unwichtige, für die man unnötig Zeit, Energie und Spesen aufgewandt hat.

Ich sitze also in einer Besprechung. Neunzig Minuten sind dafür angesetzt, hundertundzwanzig sind bereits vergangen, und ich bin mir mit meinem Gesprächspartner einig: Wir brauchen locker noch einmal so lange. Aber … wir sind hungrig, und mit leerem Magen ist schlecht verhandeln. Ein Blick auf die Uhr also, und los geht’s, irgendwo in der Nähe wird es schon ein angemessenes Restaurant geben, in dem wir in Ruhe etwas essen und, naja, das gehört auch dazu, das Gespräch fortsetzen können.

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Le Trappiste

Da er mein skurriles Hobby kennt und meine Beiträge auch ab und an selbst liest, empfiehlt mir mein Gesprächspartner das Restaurant Le Trappiste, gerade um die Ecke. Gutes Essen gebe es da, sagt er, und vor allem „eine große Auswahl an Trappistenbieren“. Zu einem belgischen Geschäftsessen gehöre schließlich entweder ein guter Rotwein oder ein starkes belgisches Bier dazu. Oder zwei. Und danach verhandle es sich schließlich umso besser.

Und so sitzen wir im Le Trappiste. Genießen die sehr typische, sehr belgische Atmosphäre. Den etwas zurückhaltenden, aber nicht unfreundlichen Service. Das ordentliche, für Brüsseler Verhältnisse nicht allzu teure Essen. Und, natürlich, die Trappistenbiere.

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angenehme Atmosphäre

Nicht alle davon stehen auf der Bierkarte und sind hier erhältlich, das ist mittlerweile auch nicht mehr möglich. Gab es bis vor einiger Zeit nur fünf (später sechs) belgische und eine niederländische Trappistenbrauerei, so sind mittlerweile welche in Österreich, Italien und sogar den Vereinigten Staaten von Amerika und eine zweite in den Niederlanden hinzugekommen. Die Entfernung macht es schwierig, sie alle zu beschaffen und ständig vorzuhalten, und erschwerend kommt auch hinzu, dass das Westvleteren ja „schon immer“ extrem schwer bekommen zu war.

Aber immerhin, es gibt Orval, Chimay (drei Sorten), Rochefort (zwei Sorten) und Westmalle (zwei Sorten). Dazu noch ein paar anerkannte Abteibiere, die den Trappistenbieren in Qualität eigentlich gleichkommen: Saint Bernardus (drei Sorten). Elf Biere, jedes von ihnen könnte mich zum deftigen Essen jetzt reizen. Die Auswahl fällt schwer.

Orval ist immer eine Option. Es fällt unter den Trappistenbieren aus dem Rahmen. Sein kräftiger, ledriger, manche meinen auch erdiger, Geschmack macht es sehr individuell und zu einem robusten Begleiter auch für kräftige Speisen. Orval also. Und es passt.

Zur Nachspeise passt das Orval dann natürlich nicht mehr, aber zu Süßem ist eines der kräftigen Biere mit estrig-fruchtigem und komplexem Aroma ein guter Begleiter, und so entscheide ich mich für ein Chimay Bleue, Jahrgang 2017. Ganz frisch also. Und es passt mindestens genauso gut.

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Chimay Bleue 2017

Mein Fazit zum Le Trappiste heute: Das Essen ist sehr ordentlich und gut zubereitet, nicht zu teuer, die Biere dazu haben die richtige Temperatur (beim Einschenken noch einen Hauch zu kühl, aber im Verlauf des Mahls wärmen sie sich genau im richtigen Maß auf, um alle Aromen freizusetzen), der Service ist gerade aufmerksam genug, dass wir nicht unnötig warten müssen, und gleichzeitig zurückhaltend genug, dass wir uns auch in Ruhe während des Essens weiter unterhalten können.

Alles gut also.

Gut genug, um Le Trappiste hier aufzunehmen und bei Bier vor Ort zu erfassen.

Das Restaurant Le Trappiste ist, laut Beschriftung im Fenster, 7/7 geöffnet, also an allen Tagen der Woche, ohne Ruhetag. Aus den Uhrzeiten macht man aber ein Geheimnis; sicher ist nur: Zur Mittagszeit ist definitiv geöffnet – das habe ich heute verifizieren können. Zu erreichen ist das Lokal komfortabel mit der Metro (Linien 2 und 6) oder dem Bus (Linien 34, 64, 71 und 80), Station Naamsepoort, quasi direkt vor der Tür.

Bilder

Le Trappiste
3, Avenue de la Toison d’Or
1050 Bruxelles
Belgien

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