Haderner Bräu – Münchner Girgbräu GmbH
München
DEU

München. Ein paar Termine über den Tag verteilt. Und zwischendrin eine Lücke, für die sich kein Termin fand. Zu lang, um einfach nur irgendwo einen Kaffee zu trinken. Und so mache ich, was ich in dieser Situation immer mache: Ich ziehe mein Telefon aus der Hosentasche. Irgendwo muss es hier doch noch etwas Bieriges zu erkunden geben. Am besten jenseits der SpatenLöwenbräuFranziskaner-Blase des Weltkonzerns ABInBev.

Großhadern, Haderner Bräu, schlägt mir Cortanas Stimme vor.

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Haderner Bräu (die Produkte)
(Foto zur Verfügung gestellt von Marta Girg, © af-photo.de)

Haderner Bräu? Nie gehört. Ich hasse es, wenn mein Telefon schlauer ist als ich. Dass ich noch nicht da war? Okay, sei’s drum. Aber dass ich noch nicht einmal davon gehört habe? Asche über mein Haupt. Ist es vielleicht doch nicht so einfach, von Tschechien aus alle Veränderungen in der deutschen Brauereiszene mitzubekommen?

Großhadern also. Kurz vorm Klinikum. Vorletzte Station der U-Bahn, und dann nur zweimal um die Ecke. Wir kommen in eine Straße, die fast schon Wohngebiet ist. „Hier gibt’s keine Brauerei, im Leben nicht“, lästert meine holde Ehefrau. „Du hast wahrscheinlich wieder die Wohnadresse des Eigentümers gegoogelt und nicht die Adresse der Brauerei…“

Seufz! Erstens war es nicht Google, und zweitens ganz sicher nicht die Wohnadresse. Den Fehler versuche ich nach schlechten Erfahrungen in Belgien und Dänemark bewusst zu vermeiden.

Doch bevor ich etwas sagen kann, heißt es: „Na, da vorne ist sie schon. Kuck! Steht groß dran!“

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Haderner Bräu

Hm. Soll ich sie jetzt auf den Widerspruch in ihren sprunghaften Gedanken hinweisen? Oder gehen wir lieber direkt an dem gelb gestrichenen Wohnhaus vorbei in den Hinterhof, wo Berge von Bierkästen uns schon den Weg weisen?

Natürlich letzteres, und rasch stehen wir in der Eingangstür zu einer großen Halle. Die Brauerei!

Gleich rechter Hand sehen wir das Sudwerk, klassisch mit zwei kupferverkleideten Geräten, aber außer dem Kupfer ohne weiteren Zierrat, einfach nur aufgeständert, auf dem blanken Fliesenboden stehend. Dahinter weitere Installationen und silbrig glänzend der Heißwassertank. Linker Hand ist die Halle gefüllt mit Gär- und Lagertanks. Keine Schaubrauerei, sondern eine zum Arbeiten. Zum Biermachen. Und wenn dann Besucher unverhofft zur Tür hineinkommen, so wie wir, dann dürfen sie auch sehen, dass gerade gearbeitet wird. Hier hängt ein Handtuch, eben mal abgelegt; dort liegen ein paar Gerätschaften herum; aus einem Schlauch tropft das Wasser; irgendwo hinten hört man Geklapper. Aber wir sehen auch, dass es hier ordentlich und sauber zugeht. Kein unordentliches Chaos, keine Schmuddelecken.

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das Sudwerk

Nach wenigen Augenblicken werden wir bemerkt. Was uns hierher geführt habe, ob wir Bier kaufen wollten, lautet die Frage, und die Antwort ist offensichtlich. Nur, wie immer, mit der kleinen Einschränkung: „Gibt’s das Bier denn auch in Einzelflaschen?“, frage ich und deute auf meinen Rucksack, der nur begrenztes Fassungsvermögen hat. „Wenn ja, dann von jeder Sorte eine!“ Meine Standardbestellung.

„Klar!“ Im Nu steht eine Handvoll Flaschen vor mir auf dem Tisch. Helles, Dunkles, Weiße, IPA. Solide, bewährte Bierstile. Selbst das IPA ist mittlerweile in Deutschland etabliert. Hat ja lange genug gedauert. „Naja, und dann hätte ich noch einen Whisky-Bock anzubieten“, kommt ein etwas zögerlicher Nachtrag des jungen Manns, der die Flaschen zusammengetragen hat. „Der ist aber holzfassgelagert, und ein wenig teurer…“

Aha, das erklärt das Zögern. Monatelange Holzfasslagerung, dann Einzelabfüllung, Verkorkung mit Naturkorken. Das treibt den Preis. Sehr sogar. Aber egal. Her damit!

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Thomas Girg
(Foto zur Verfügung gestellt von Marta Girg, © af-photo.de)

Thomas Girg, Eigner und Brauer, taucht zwischen den Gär- und Lagertanks auf und gesellt sich hinzu, beobachtet, wie wir auch den Luxus-Whisky-Bock in den Rucksack packen, und wir kommen ins Gespräch.

Seit rund einem Jahr gebe es die Brauerei erst, erzählt er, im Oktober 2016 sei die Eröffnung gewesen. Er habe schon länger darüber nachgedacht, es habe sich eine günstige Konstellation ergeben, und dann sei alles ganz schnell gegangen. Bitteschön, hier stünde sie nun, die Münchner Girgbräu GmbH, wie sie offiziell hieße, oder Haderner Bräu, wie sie alle hier nennen und kennen würden.

10 hl würde das Sudwerk pro Sud hergeben, das sei sicherlich nichts Besonderes. Aber, er macht eine kleine und bedeutungsschwangere Pause, hier würde ausschließlich Bio-Bier gebraut. Ausschließlich biologisch angebaute und verarbeitete Zutaten, und noch dazu ausschließlich aus Bayern. Das sei dann doch etwas Anderes als in anderen Kleinbrauereien.

Ich muss nicht lang nachfragen: Bio-Bier ist sicherlich etwas Anderes, etwas Weiterreichendes als lediglich das Brauen nach einem sogenannten „Reinheitsgebot“, das, der Dialektik der Brauerbünde folgend, die chemische Aufbereitung der Rohstoffe erlaubt, solange sie außerhalb des Brauprozesses stattfindet. Auf dem Feld beim Spritzen gegen Schädlinge und Unkraut oder bei der Wasseraufbereitung. Logisch auch, dass hier im Haderner Bräu die fertigen Biere dann nicht maschinell gefiltert werden. Das hat zwar mit Bio direkt nichts zu tun, passt aber in das Gesamtkonzept, mit so wenig technischen Eingriffen wie möglich zu arbeiten. Und da in Deutschland auch keine Klärungsmittel wie Gelatine, Irish Moss oder Fischblase genutzt werden dürfen, ist das Bier ganz nebenbei auch vegan.

Grundsätzlich jedenfalls, denke ich mir im Stillen, denn der eine oder andere Käfer im Malz wird vielleicht doch seinen Weg in den Maischebottich finden. Genauso, wie die bedauernswerte Maus oder der Feldhamster vielleicht bei der Ernte der Braugerste in das Dreschwerk des Mähdreschers geraten ist. Aber diese Überlegungen sind natürlich albern, schnell verdränge ich diese Gedanken wieder.

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Bio-Bier
(Foto zur Verfügung gestellt von Marta Girg, © af-photo.de)

Biobier, also. Nachhaltiger Anbau der Zutaten. Kurze Haltbarkeit, weil frisch und unbehandelt. Und, was angesichts der jüngsten Berichterstattung in den Medien, auch wenn sie einseitig panisch machend und übertrieben, aber nicht ganz falsch war, besonders wichtig scheint: Auch glyphosatfrei.

Klingt alles prima, denke ich, und am liebsten würde ich jetzt schon den Flaschenöffner aus der Hosentasche nesteln und die erste Flasche verkosten. Meine holde Ehefrau schaut kritisch von der Seite. Kann sie eigentlich Gedanken lesen? Fast kommt es mir so vor… Nein, die Flaschen bleiben natürlich zu und werden mich gleich auf der nächsten Etappe leise klimpernd begleiten.

Langsam gehe ich noch einmal zwischen Brauerei und Lagertanks entlang, spiegele mich im polierten Stahl. „War es eigentlich schwierig, hier mitten in einem der etwas ruhigeren Bereiche der Stadt die Genehmigung für eine Brauerei zu bekommen?“, will ich noch wissen. Thomas schüttelt den Kopf. „Eigentlich nicht“, sagt er, „es ist ja schließlich kein Riesenindustriebetrieb, wo jeden Tag Dutzende von Lastwagen kommen oder die Brüden im Umkreis von hunderten von Metern zu riechen sind.“ Nein, es sei doch nur ein kleiner, feiner handwerklicher Betrieb.

Und genauso sieht sie auch aus, die Brauerei. Wie ein kleiner, feiner handwerklicher Betrieb. Die Brauerei in der Nachbarschaft. Wer möchte nicht hier wohnen und die Möglichkeit haben, mal eben nach nebenan zu gehen und sich ein paar Flaschen oder eine ganze Kiste frisches Bier, direkt aus der Produktionshalle zu holen?

Die Haderner Bräu – Münchner Girgbräu GmbH ist montags bis freitags von 10:00 bis 15:00 Uhr für den Rampenverkauf geöffnet; zusätzlich schließt sich freitags von 15:00 bis 18:00 Uhr die Möglichkeit an, nicht zur Bier zu kaufen, sondern auch mal hinter die Kulissen der Brauerei zu schauen und zwischen Kesseln, Pfannen und Tanks umherzulaufen. Zu erreichen ist die Brauerei bequem mit der U-Bahn, Linie U6, Haltestelle Großhadern. Von dort aus sind es drei Minuten zu Fuß. Oder vier, wenn man den falschen Aufgang erwischt…

Bilder

Haderner Bräu – Münchner Girgbräu GmbH
Großhaderner Straße 16
81 375 München
Bayern
Deutschland

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