Sudhaus an der Kunsthalle Würth
Schwäbisch Hall
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Die Geschichte der Gasthausbrauerei Sudhaus an der Kunsthalle Würth beginnt eigentlich mit der Haller Löwenbräu, der 1851 unter diesem Namen gegründeten Regionalbrauerei in Schwäbisch Hall. Unmittelbar am Rand der Stadt, in der sogenannten Katharinenvorstadt, wurde 1904 ein imposantes Sudhaus errichtet, die von den Einheimischen so genannte Backsteinburg.

Was seinerzeit eine pfiffige Entscheidung zu sein schien, nämlich nicht zu weit weg von der Altstadt zu bauen, erwies sich einige Jahrzehnte später als hinderlich. Die Stadt Schwäbisch Hall wuchs um die Brauerei herum, die Brauerei selbst wuchs ebenfalls, und alles wurde zu eng, zu ineffizient, und man überlegte sich, den Braubetrieb vor die Tore der Stadt zu verlegen. 1987 war es so weit, der Braubetrieb in der Katharinenvorstadt wurde eingestellt und stattdessen in die Ritterwiese verlegt. Die alte Brauerei verschwand, an ihrer Stelle entstanden eine Tiefgarage und die Kunsthalle Würth. Einzig die Backsteinburg, das alte Sudhaus, blieb erhalten und ziert bis heute die Silhouette der Stadt.

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das Sudhaus an der Kunsthalle Würth

Und mittlerweile beherbergt das alte Sudhaus auch wieder eine Brauerei. Viel kleiner als das Original, mit einer völlig anderen Zielgruppe, aber: Es wird wieder hier gebraut, im Sudhaus an der Kunsthalle Würth.

Grund genug, einmal von der Autobahn A6 abzufahren und ein paar Minuten später hier zur Mittagsrast einzukehren.

Schwäbisch Hall ist ein wenig verbaut, aber dennoch ist die Brauerei schnell gefunden – das große Backsteingebäude ist in der Tat markant.

Wir betreten das große Gebäude und sind im ersten Moment überrascht. Winzig klein ist der Schankraum, und für einen Moment überlegen wir, wie sich ein Restaurant dieser Größe überhaupt halten kann. Aber dann registrieren wir, dass die Wendeltreppe in der Mitte des Raums nicht nur Zierde ist, sondern zwei weitere Stockwerke erschließt, auf denen dann auch deutlich mehr Sitzplätze zu finden sind.

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das Sudwerk steht direkt hinter der Theke

Das kleine kupferne Sudwerk befindet sich direkt hinter der Theke – es sieht alles ein wenig eng aus, und wir versuchen, uns vorzustellen, wie sich hier die Barmänner und -frauen und der Brauer während des Brautages ins Gehege kommen. Viel gegenseitige Rücksichtnahme scheint angesagt.

Aber egal, es wirkt ansprechend: Sudwerk und recht elegante Einrichtung passen gut zusammen, wir fühlen uns auf Anhieb wohl und suchen uns ein schönes Plätzchen mit Blick auf die Braukessel.

Sekunden später ist die freundliche Bedienung schon an unserem Tisch, legt uns die Speisekarte hin und fragt, ob sie uns etwas empfehlen kann. Der Jahreszeit entsprechend gebe es einige Gerichte mit Kürbis, und natürlich habe man das Standard-Bierangebot, also Hell und Dunkel, auch um einen Weizenbock erweitert.

Kürbis? Klingt gut, solange er nicht im Bier verarbeitet und mit Gewürznelken verhunzt wird. Insofern ist die Entscheidung für mich rasch getroffen. Ziegenfrischkäse mit Kürbis als Vorspeise, und anschließend ein Kürbisrisotto. Meine holde Ehefrau hingegen freut sich, nach langer Zeit einmal wieder im Spätzleland zu sein und lässt sich die Kässpätzle nicht entgehen. Dazu: Erstmal ein Helles.

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Blick von oben auf’s Sudwerk

Das Essen erweist sich als ganz ausgezeichnet. Appetitlich zubereitet, sehr interessant, aber dennoch ausgewogen gewürzt, mit spannenden Geschmackseffekten zwischen dem tendenziell etwas süßlichen Kürbis und den anderen, eher würzigen Zutaten. Das gefällt.

Vom Hellen kann man das leider nicht sagen. Ein wenig süßlich, ein wenig dumpf, etwas nach Getreide schmeckend, ein Hauch Schwefel im Aroma. Ohne es wirklich fachgerecht beurteilen zu können, aber es schmeckt, als sei es noch lange nicht ausreichend gelagert worden, weist einen regelrechten Jungbiercharakter auf. Und mit dem Hopfen scheint auch sehr sparsam umgegangen worden zu sein.

Vielleicht kann das Dunkle ja etwas retten? Ich bestelle mir ein weiteres Bier.

Aber nein, auch beim Dunklen habe ich den Eindruck, es sei viel zu früh serviert worden, hätte gut noch zwei oder drei Wochen kalte Lagerung und Reifung vertragen können. Hohe Restsüße auch hier, und ein etwas unangenehm nachhängender Nachgeschmack, der ein wenig an Malzextrakt erinnert.

Schade. Sollte das Sudhaus an der Kunsthalle Würth ein weiteres Beispiel dafür sein, dass gute Küche, freundlicher Service und angenehme Atmosphäre auf leider grottenschlechte Biere treffen? Es wäre nicht das erste Mal, dass wir auf eine Gastronomie treffen, die durch die eigene Brauerei nicht gewinnt, sondern sogar etwas an Qualität verliert.

Vielleicht reißt der Weizenbock noch etwas raus? Ich blicke auf die Uhr. Wir haben noch einiges an Fahrt vor uns, und da meine holde Ehefrau ab jetzt fahren muss, darf sie auch entscheiden, ob wir noch genug Zeit für ein weiteres Glas haben. „Eigentlich nicht“, sagt sie entschieden, „lass uns lieber zahlen und fahren!“

Aber die Bedienung hat ein Einsehen mit mir. Ein ganzes Glas jetzt ganz schnell zu trinken, dafür würde sich der Weizenbock mit Sicherheit nicht eignen, meint sie. „Der hat es nämlich in sich! Fast acht Prozent!“ Aber einen kleinen Probierschluck könne sie mir geben, fügt sie hinzu, und Augenblicke später habe ich ein halbvolles kleines Probierglas vor mir stehen. „Dann haben Sie den auch mal probiert“, nickt sie mir zufrieden zu.

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ein Probierschluck vom Weizenbock

Und was für ein Glück! Die dritte Sorte heute reißt es tatsächlich noch einmal raus. Der Weizenbock schmeckt, wie ein Weizenbock schmecken soll. Fruchtig-duftig im Aroma, ich rieche Banane, Aprikose, Stachelbeeren und weitere Früchte. Spritzig und etwas süßlich im Antrunk, ein frisches Bizzeln auf der Zunge. Dann aber eine kremige Geschmacksfülle, mild-hefig und gleichzeitig fruchtig wie ein ganzer Obstkorb. Im Abgang dann eine ganz milde Herbe, nur ein Hauch von Hopfen, und eine feine Wärme, die sich im Rachenraum und im Hals breitmacht. Keine alkoholische Schärfe, keine Spritigkeit, nur diese Wärme lässt die acht Prozent Alkohol ahnen.

Ein ganz außerordentlich guter Weizenbock. Für dieses Bier ein großes Lob an den Brauer.

Fast lässt er den schlechten Eindruck des Hellen und des Dunklen vergessen – aber nur fast, und stirnrunzelnd überlege ich, warum es in Gasthausbrauereien so oft vorkommt, dass die Standardbiere eigentlich gar nicht wirklich gut schmecken.

Jetzt wird es aber wirklich Zeit, zu gehen. Ein kurzer Blick noch einmal zurück auf das schöne alte Gebäude, ein kurzer Gedanke an die gute Küche und den sehr angenehmen und freundlichen Service, und dann geht es zum Auto.

Das Sudhaus an der Kunsthalle Würth ist täglich von 09:00 bis 22:00 Uhr geöffnet, sonntags nur bis 18:00 Uhr. Montags ist Ruhetag. Zu erreichen ist es bequem mit dem Auto, das Parkhaus „Alte Brauerei“ befindet sich direkt unterhalb. Und auch mit der Bahn ist es kein Problem, bis zum Bahnhof Schwäbisch Hall sind es etwa 300 m in südlicher Richtung.

Bilder

Sudhaus an der Kunsthalle Würth
Lange Straße 35/1
74 523 Schwäbisch Hall
Baden Württemberg
Deutschland

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