Café Métropole
Brüssel
BEL

Da könnte sich ein Bier noch so sehr bemühen – hier, im nostalgisch-überladenen Ambiente des Café Métropole würde selbst ein Barrel Aged Double Imperial Baltic Polter nur die zweite Geige spielen können… Dekor ist alles, was hier im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, und so geht es denn auch weniger darum, eine riesige und möglichst einzigartige Bierauswahl zu finden, sondern darum, ein ordentliches und gutes Bier in einer Umgebung zu trinken, die man in Klein-Hinterpfuideifi wohl eher nicht finden wird.

Es geht alles zurück auf zwei Brüder, zwei Brauer, und zwar die Brüder Wielemans der 1868 gegründeten Brouwerij Wielemans-Ceuppen, die 1890 in Brüssel das Café Métropole eröffneten, um hier ihr Bier nahe des historischen Zentrums der Stadt ausschenken zu können. Offensichtlich war dies von Anfang an ein großer Erfolg, denn nur kurze Zeit später entschloss sich die Familie Wielemans-Ceuppen, auch das unmittelbar benachbarte Gebäude, eine ehemalige Bank, zu übernehmen und in ein Hotel umzuwandeln, das 1895 eröffnet wurde.

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das eher schlichte Äußere

Café und Hotel Métropole existieren bis heute, und beeindruckt schon das Hotel mit seiner großen und eindrucksvollen Rezeption, die noch deutlich an die Architektur einer mondänen Bank erinnert, so setzt das Café mit seiner opulenten Ausstattung dem Ganzen noch die Krone auf.

Große und robuste Säulen, ein gewaltiger Marmorkamin, Holzschnitzereien an der Decke, große Spiegel und ein riesiger Kronleuchter mit gallionsfigurartigen Schnitzereien, alles in rötlich-braunen Farbtönen, erschlagen den Gast fast, wenn er das Café durch den eher dezent, fast schon bescheiden wirkenden Eingang betritt. War die Terrasse draußen noch schlicht und gemütlich, bot unter Heizstrahlern auch bei schlechtem Wetter die Möglichkeit, eben schnell ein Glas Bier oder einen Kaffee im Freien zu trinken, so ist der Innenraum das schlichte Gegenteil: Opulenz pur.

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Opulenz pur

Ich lasse mich in eines der breiten und weich gepolsterten Ledersofas fallen und sehe mich um. Das Métropole ist eines der ersten Luxushotels in Brüssel gewesen, und das lässt es sich heute noch anmerken. Hinten, in der Ecke, ist die Theke, dahinter steht einer der Barmänner und poliert mit einem Handtuch die Gläser.

Neugierig greife ich zur Bierkarte. Sehr umfangreich ist sie nicht. Für Brüssel vielleicht sogar eher enttäuschend kurz. Ein paar Trappistenbiere, ein paar Allerweltslager, und das einzige, was meine Aufmerksamkeit erregt, ist das Monatsbier. Monatlich wechselnd wird ein Bier einer kleineren, günstigstenfalls auch gänzlich unbekannten Brauerei angeboten.

Heute ist es, und darüber informiert mich auch der Werbeaufsteller auf dem Tisch, der ein wenig die stimmige Dekoration durcheinanderbringt, das La Houppe der Brauerei Artisanale de Namur – L’Echasse.

Es dauert eine Weile, bis sich der Ober bequemt, an meinen Tisch zu kommen. Mehrfach ging er schon an mir vorbei, ohne die Bestellung aufzunehmen. Nicht, dass er mich bewusst ignoriert hätte, nein, es ist eher eine Art gleichgültiger Unaufmerksamkeit. Zwei Dinge gleichzeitig zu tun, also an einem Tisch den Kaffee oder einen Drink zu servieren, und dann auf dem Rückweg zur Theke auf einem Weg die Bestellung aufzunehmen, kommt ihm einfach nicht in den Sinn. Erst wird ein Auftrag komplett abgearbeitet, einen kurzen Moment verschnauft, und dann geht es zum nächsten. Und ich habe nicht den Eindruck, als ob die Verschnaufpause wirklich gerechtfertigt ist…

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das Monatsbier

Irgendwann werde ich die Bestellung des Monatsbiers aber los, und dann dauert es auch nicht mehr lange, bis das Glas vor mir steht. Orangefarben leuchtend, eine stabile Schaumkrone. Ein feines, fruchtig-estriges Aroma mit dezenten Hopfennoten im Hintergrund. Sehr schön. Ich freue mich auf den ersten Schluck und werde nicht enttäuscht. Kräftig, aber nicht übermäßig herb, eine feine und ausgeglichene Bittere. Dazu fruchtige Hopfenaromen und leichte, geradezu spielerische Akzente der ebenfalls fruchtigen Hefe.

Für den Augenblick bin ich rundum zufrieden. Ich genieße ein eindrucksvolles Ambiente, eine ruhige und entspannende Atmosphäre und ein sehr ausgewogenes und trotzdem interessantes Bier.

Risse bekommt das Bild erst wieder, als ich bezahlen möchte. Zunächst dauert es wieder eine gute Weile, bis der Kellner sich erbarmt, nach meinen Wünschen zu fragen. Dann eine weitere Weile, bis er mit dem Ausdruck des Kassenzettels kommt. Und dann, leider, wagt er es auch noch, das Gesicht zu verziehen, als ich mit Karte bezahlen möchte. Wenn es irgendjemandem zugestanden hätte, das Gesicht zu verziehen, dann wohl eher mir. Und zwar wegen der „Schnelligkeit“ des Service und wegen des auch für Brüsseler Verhältnisse astronomischen Bierpreises.

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Blick zurück

Und so verlasse ich das Café Métropole dann doch mit sehr gemischten Gefühlen. So schön die Inneneinrichtung auch ist, so wohl ich mich für einen Moment auch gefühlt habe – der Service hat vieles wieder kaputt gemacht. Den Bierpreis hätte ich vielleicht noch akzeptiert, wenn der Kellner die adäquate Leistung erbracht hätte.

So bleibt, leider, ein etwas schaler Beigeschmack bei einem ansonsten gar nicht so schlechten Biererlebnis.

Das Café Métropole befindet sich im Erdgeschoss des gleichnamigen Luxushotels am Nordrand der Altstadt von Brüssel. Es ist täglich ab 09:00 Uhr bis nach Mitternacht geöffnet, sonnabends und sonntags ab 11:00 Uhr; kein Ruhetag. Kommt man mit der Metro, Linien 1 und 5, und nimmt an der Station De Brouckere den richtigen Aufgang, kommt man fast direkt vor dem Café heraus.

Bilder

Café Métropole
Place De Brouckère 31
1000 Brüssel
Belgien

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