Hopfenkult – Der Craft Beer Store
Dresden
DEU

2013 eröffnet; verkehrsgünstig gelegen, weil mit der Straßenbahn erreichbar; über 300 Biere, davon zahlreiche aus der Region; zweimal die Woche Tastings; gute Beratung – das sind die Informationen über den Craft Beer Store Hopfenkult in Dresden, die man im Netz findet.

Informationen, die ich aber, ganz ehrlich gesagt, noch überhaupt nicht kenne, während ich die Görlitzer Straße entlanglaufe. Gerade bin ich in der Zapfanstalt gewesen, habe mir das dortige Bierangebot etwas näher angeschaut und zwei Biere verkostet. Leicht unzufrieden bin ich nun, habe vielleicht etwas mehr erwartet, als die Zapfanstalt letztlich bieten konnte, als ich vor mir die Aufschrift „Beer 2 Go“ sehe. Noch weiß ich gar nicht, was sich dahinter verbirgt. Eine Markierung nur in meinem GPS, eine Adresse der Kategorie „da gehste mal hin, wennde in Dresden bist“. Wann ich mir das wohl eingetragen habe? Ich weiß es nicht mehr…

„Trinkgenuss seit 2013“ und „Fachhandel für internationale Braukultur“ steht auf dem Ausleger, der über den Eingang mit den wenigen Stufen herausragt. Na, das hört sich doch vielversprechend an!

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Blick auf den Hopfenkult

Vielversprechend ist auch der erste Eindruck, den ich bekomme, als ich durch die Tür trete und mich umschaue. Rechts von mir ist ein großer Tisch, an dem gerade eine Verkostung stattfindet. Vielleicht ein Dutzend junge Menschen sind dort versammelt, vor sich eine erkleckliche Anzahl von Biergläsern und Flaschen, und am Kopfende wird gerade halblaut über Bier doziert.

Linker Hand eine Verkaufstheke, ein paar Kunden stehen davor und unterhalten sich. Und gerade vor mir, zum Teil im etwas verwinkelten Nebenraum, ist alles voller Bierregale. Sorgfältig sortiert und beschriftet, nach Stilen und nach Regionen sortiert. „Belgische Spezialitäten, Lambik & Fruchtbiere“ steht auf einem Regal, „Sachsen“ auf einem anderen. Sehr schön. Einladend.

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Biere aus Sachsen stehen im Mittelpunkt

Ich gehe in Richtung des Nebenraums und höre eine freundliche Stimme: „Nimm Dir einen Pappträger mit“, sagt die Dame hinter dem Tresen und drückt mir einen leeren Sechserträger in die Hand. „Dann hast Du es einfacher!“

Eigentlich wollte ich ja nur mal kucken, wollte doch gar kein Bier kaufen, aber jetzt stehe ich hier, habe den leeren Träger in der Hand und da werde ich doch wieder schwach. Insbesondere das Sachsen-Regal hat es mir angetan. So oft komme ich nicht in die Region, da ist es gut, ein paar feine Spezialitäten aus dem Süden des Ostens der Republik einsammeln zu können. Blitzschnell ist der erste Träger gefüllt; ich hole mir einen zweiten.

Auf einem Tisch in der Mitte stehen schon vorsortierte Auswahlen: „Sächsischer Sechserträger“ lautet das Werbeangebot mit sechs verschiedenen Bieren aus sechs verschiedenen sechsischen, ach nein, sächsischen Brauereien. Ich stelle mir aber lieber meine ganz persönliche Auswahl zusammen.

Eine Reihe von Bieren deutlich jenseits des sogenannten „Reinheitsgebots“ findet sich hier – offensichtlich handhabt der eine Freistaat die von der Rechtsprechung eigentlich schon vor Jahren angemahnten Ausnahmen deutlich großzügiger als der andere, in dem es dem Bayerischen Brauerbund offensichtlich durch Lobbyarbeit und Gehirnwäsche unverändert gelingt, die Behörden Bayerns zum Ignorieren höchstrichterlicher Entscheidungen zu überreden.

Vergnügt sortiere ich eine Flasche nach der anderen in meine beiden Papp-Se(ä)chserträger, lasse mich dabei von Bierstilen und Brauereien leiten, entscheide aus dem Bauchgefühl heraus.

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schöne Verkostungsgläser

Dass es auch anders gehen könnte, davon werde ich unabsichtlich Zeuge: Am Regal neben mir stehen zwei junge Männer und scheinen sich in einem Wettstreit zu befinden, wer von ihnen mit mehr Pseudo-Fakten glänzen kann. Während der eine von IBUs schwadroniert und dabei nicht Ibuprofen, sondern International Bitterness Units meint, glaubt der andere, mit EBC, also Farbwerten der European Brewery Convention punkten zu müssen.

Zwar mögen diese beiden Parameter, so sie denn sorgfältig bestimmt und auf dem Etikett vermerkt worden sind, durchaus geeignet sein, eine – grobe! – Orientierung zu geben, wie bitter beziehungsweise wie dunkel ein Bier ist, zum Wettstreit eignen sie sich jedoch weniger. So bin ich denn auch außerordentlich amüsiert, als der eine der beiden meint, behaupten zu müssen, dass die 55 IBU, die er auf der einen Flasche liest, doch eine „ganz andere Hausnummer“ seien als die 50 IBU, die das Etikett auf der Flasche in der Hand seines Gegenübers verspricht.

„Viel Glück“, sage ich mir im Stillen, „beim Versuch, diesen Unterschied schmecken und benennen zu wollen.“ Was für eine Zahlengläubigkeit. Eine Malzmatrix, die mit ihrer Restsüße die Bitterkeit maskiert oder gar kompensiert, Fruchtaromen, die die Bitterkeit balancieren, Rezens, die die Bitterkeit auf der Zunge anders transportiert – all dies scheint in der Unterhaltung der beiden Besserwisser keine Rolle zu spielen.

Völlig absurd wird es aber, als der andere, also der mit der 50-IBU-Flasche in der Hand, eben diese Flasche gegen das Licht hält und durch das braune Glas die Raumbeleuchtung betrachtet. „Wieviel EBC dieses Bier wohl hat?“, sinniert er. Unter diesen Bedingungen kann man wohl nicht einmal ein Helles von einem Halbdunklen unterscheiden, vermutlich noch nicht einmal von einem Braunbier. Es müsste mindestens ein Schwarzbier oder ein Stout sein, bevor man durch das dunkelbraune Glas wirklich einen Unterschied sieht. Ich lache laut auf.

Irritiert schauen mich die beiden an. „Ach, nichts“, winke ich ab, „ich freue mich nur über die Bierauswahl!“ Eine Antwort, die die Irritation der beiden nur noch weiter verstärkt. Kopfschüttelnd wenden sie sich wieder ihrem Zahlenwettstreit zu, wie zwei Schüler mit ihren Quartettspielen. Ich habe mehr IBUs als Du, darum darf ich jetzt Deine Bierflasche in meinen Einkaufskorb tun…

Immer noch grinsend gehe ich zurück zur Kasse.

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im Kassenbereich

„Na, Dir scheint der Einkauf viel Spaß zu machen“, flachst die Dame hinter der Theke, während sie die Preise in die Kasse eintippt. „Klar, bei der Auswahl“, erwidere ich und beginne, meine Beute im Rucksack zu verstauen.

„Wenn Du eher gekommen wärst, hättest Du noch an unserer Verkostung teilnehmen können“, erzählt sie mir noch. Jeden Donnerstag und Freitag gebe es ab 20:00 Uhr eine Verkostungsrunde, als Open Bottle Night, erfahre ich.

Tja, hätte ich es früher gewusst, dann hätte ich auf die Zapfanstalt verzichtet und wäre hierher gekommen…

Aber auch so war es ein netter Besuch in einem netten Bottle Shop. Ein schönes Angebot, faire Preise, eine angenehme Atmosphäre, freundliche Beratung an der Theke und die, leider verpasste, Verkostungsmöglichkeit. Bis auf die beiden Besserwisser hinten am Regal hat alles wunderbar gepasst.

Obwohl… In der Rückschau betrachtet, waren auch die beiden durchaus unterhaltsam!

Hopfenkult – Der Craft Beer Store ist täglich von 12:00 bis 22:00 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonnabends sogar bis 0:00 Uhr; sonntags ist Ruhetag. Zu erreichen ist der kleine, aber ansprechende Bottle Shop bequem mit der Straßenbahn: Von der Haltestelle Görlitzer Straße / Nordbad der Linie 13 sind es etwa 250 m Richtung Norden, und schon ist man da.

Bilder

Hopfenkult – Der Craft Beer Store
Görlitzer Straße 25
01 099 Dresden
Sachsen
Deutschland

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