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Bier, Bars & Brauer

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Bier, Bars & Brauer

Seit mehr als einem Dutzend Jahren erscheint im Mixology Verlag das gleichnamige Magazin: Mixology. Im Untertitel das Magazin für Barkultur. Erfolgreich, denn sonst würde man eine so lange Zeit nicht durchhalten. Bierkultur als Bestandteil der Barkultur fand in diesem Magazin immer schon statt, aber eben nur als ein Thema unter vielen. Es gibt ja auch noch so viele andere Genüsse, denen man sich in den Bars der Welt hingeben kann.

Es gibt aber auch die Genussmenschen, die sich spezialisieren und ihren ganz persönlichen Fokus nur auf einen bestimmten Genuss legen. Der Pfeifenraucher, die Weintrinkerin, der Whiskykenner, die Zigarrenraucherin, der Ginexperte. Oder eben der Bierfanatiker. Viele von ihnen spezialisiert aufgrund ihrer persönlichen Vorlieben, manchmal aber auch aus Gründen der Gesundheit: Die Welt der Alkoholika ist so bunt, so komplex, so verlockend, da kann man gar nicht alles probieren, ohne sich rasch gesundheitlich zu ruinieren. Und selbst das Spezialistentum ist schon recht kritisch und, seien wir mal ganz ehrlich, auch suchtgefährdend.

Für Spezialisten wie mich lohnte sich der Kauf des Mixology-Magazins daher eigentlich nicht, dazu sind zu viele andere Themen neben dem Bier drin, die zwar auch irgendwie interessant sein mögen, aber eben nur irgendwie. Da ich mittlerweile aber nicht mehr nur einer von vielen Bierfanatikern bin, sondern das eher prollige Arbeitergetränk mittlerweile auch in den hochnäsigen Kreisen des Geldadels wieder Anerkennung findet und sich die Hipsterszenen der Welt erobert hat, ist der Markt groß genug für noch ein Biermagazin, und so gibt der Mixology-Verlag seit rund einem Jahr die Zeitschrift Bier, Bars & Brauer heraus.

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ein schön gestaltetes Layout

Vor mir liegt das Heft 3|2018, erschienen im August des Jahres. Aufwändig gestaltet, das fällt sofort beim ersten in die Hand Nehmen auf. Ein Hochglanzumschlag, der auf der Vorderseite nur eine halbe Seite umfasst. Die darunterliegende erste Seite greift aber das Bild des Umschlags auf und setzt es fort. Spielerei? Vielleicht. Aber sie springt wenigstens ins Auge. Auch das feste, matte Papier gefällt beim ersten Durchblättern.

Und die Inhalte?

Bunt und abwechslungsreich. Nicht nur auf Craft-Bier und die Hipster-Szene fokussiert, sondern auf Bier im weitesten Sinn. Dennoch tendenziell eher die jüngere Generation im Visier. Das Inhaltsverzeichnis strukturiert sich nach den drei Stichworten des Titels: Bier – Bars – Brauer. Hinzu kommt als vierte Kategorie Kultur, gewissermaßen als Sammelbecken für alles, was nicht unter die ersten drei Themen zu packen ist.

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eine bunte Themenmischung

Die Artikel lesen sich locker und leicht, auch dort, wo sie kritisch sind. Dies gilt auch für den großen Aufmacher, der sich mit Glyphosat im Bier beschäftigt. Kritisch wird hinterfragt, was denn ein sogenanntes „Reinheitsgebot“ wert ist, wenn es nicht einmal verhindert, dass nachweisbare Reste von Pflanzenvernichtungsmitteln im Bier auftauchen. Schade ist dabei, dass das Thema etwas zu reißerisch angegangen wird. Auf der Umschlagseite heißt es „Pestizide im Hopfen“, im Artikel geht es um Glyphosat im Bier (das vermutlich eher über das Malz hineinkommt), und erst, wenn man den ganzen Artikel gelesen hat, bekommt man ein halbwegs ausgewogenes Bild der Sachlage (das auch durchaus etwas strukturierter hätte aufbereitet werden können).

Sehr schön: Die drei Städteartikel im Heft. Dresden. München. Leipzig. Jeder Artikel auf seine eigene Art unterhaltsam. Aber auch hier wieder: Ein wenig mehr in die Tiefe hätte man schon gehen können, ohne dass die Leichtigkeit der Lektüre verloren gegangen wäre. Das man die Kunst beherrscht, viele Fakten in einen trotzdem gut lesbaren Artikel zu packen, beweist doch das Thema Etiketten, das unter der Überschrift „Pflicht & Kür“ abgehandelt wird. Was muss, was soll, was kann alles auf ein rechtlich korrekt beschriftetes Bierflaschenetikett? Endlich einmal ein ordentlicher Leitfaden für junge Brauer und die, die es noch werden wollen. Hilfreich!

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Städteartikel über Dresden, München und Leipzig

Mit persönlich gefällt auch die Abhandlung von Joe Stange über die Rolle von Social Media gut. Locker geschrieben, mit ein paar echten Fallbeispielen, zeigt sie die Vor- und Nachteile der neuen Netzwelt. Warum dieser Artikel aber unter dem Stichwort Läuterbottich im Inhaltsverzeichnis auftaucht, bleibt mir ebenso ein Rätsel wie die Tatsache, dass eben dieses Wort auf der Seite 3 mit Doppel-T geschrieben wird: Läutterbottich. Arbeitet man bei Mixology denn nicht mit elektronischem Satz, bei dem ein Rechtschreibprogramm bei so etwas sofort Alarm schlägt?

Andererseits: Man sollte einem Rechtschreibprogramm natürlich auch nicht blind vertrauen, wie die Seite 71 zeigt. Es scheint offensichtlich unter den Roma auch eine Gruppe der Kokosas zu geben, oder warum ist hier von Kokosa-Roma die Rede? Ach, nein, es war doch nur die Silbentrennung, die hier verrückt gespielt hat, der Hopfen hat natürlich ein Kokos-Aroma.

Aber jetzt möchte ich nicht zu oberlehrerhaft werden. In der Summe gefällt mir das Heft nämlich. Kurzweilig, unterhaltsam und mit vielen Anregungen, sich mal wieder auf die Entdeckungsreise durch die Welt des Biers zu begeben. Ein wenig internationaler könnte der Ansatz sein, aber vielleicht sehen das andere Leser, die nicht so gerne global unterwegs sind, anders. Ist schon okay.

Die nächste Ausgabe soll am 15. November 2018 erscheinen. Ich bin gespannt.

Bier, Bars & Brauer
Mixology Verlags GmbH
Berlin, 2018

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