Taproom Jungbusch
Mannheim
DEU

Mannheim, the second ugliest city in Germany. So vervollständigt Google den Ortsnamen, wenn ich ihn in das Suchfeld eintippe. Sehr ermutigend…

Nun ja, zum Mindesten ist es für mich noch ein ziemlich weißer Fleck auf der gedanklichen Bierkarte. Außer der Eichbaum-Brauerei habe ich hier noch nichts Erwähnenswertes entdeckt. Aber das soll sich heute Abend ändern – frohen Mutes verlasse ich den Hauptbahnhof und mache mich auf den Weg in Richtung Nordwesten. Der Taproom Jungbusch ist das Ziel für heute.

Jungbusch ist angeblich eine kleine Szene-Ecke. Gerade mal ein paar Schritte außerhalb der Quadrate der Innenstadt, mit Kneipen, Bars, Restaurants und einer tollen Stimmung. So heißt es.

Als ich den Luisenring überquere und die Quadrate verlasse, habe ich jetzt nicht gerade diesen Eindruck. Alles ist düster und verlassen, kaum ein Mensch auf der Straße. Kneipen, Bars, Restaurants und eine tolle Stimmung, wiederhole ich in Gedanken, aber es wird nicht besser.

Erst als ich in die Beilstraße einbiege und direkt rechter Hand die dezente Leuchtreklame des Taproom Jungbusch sehe, ändert sich dies ein wenig. Zwei Fenster, daneben die dunkle Holztür, die in den Schankraum führt. Auf den ersten Blick sehe ich: Hier bin ich richtig!

MiniaturLinker Hand eine große Wandmalerei – eine Mindmap der Bierstile dieser Welt. Rechter Hand die Bar, mit der obligatorischen schwarzen Tafel, auf der mit Kreide die angebotenen Fassbiere angeschrieben stehen, und mit zwölf Zapfhähnen. Ach was, Zapfhähne, wahre Kunstwerke sind es. Zwölf Tap-Handles, von denen jedes für sich einen eigenen Absatz wert wäre. Ob Fahrradkette, Nockenwelle, Telefonhörer, Mehrzweckzange, Kegel, Holzbrett oder Fernbedienung – es ist faszinierend, aus welchen Teilen man originelle und ansehnliche Zapfhähne basteln kann.

Die Bierauswahl ist kaum weniger originell. Neben zwei „normalen“ Bieren, also klassischen deutschen Stilen (Pils und Kellerbier), die wohl nur angeboten werden, falls jemand kommt, der einfach nur Durst hat, finden sich bekannte und unbekannte Craftbiere aus der ganzen Welt. Deutschland, Großbritannien, USA, Norwegen, Spanien, … Und wem die zwölf Hähne nicht reichen, der findet auch noch gute zwei Dutzend Flaschenbiere in der kleinen Karte.

Na, was darf’s denn sein, fragt mich Ben, der freundliche Typ an der Bar, der sich im weiteren Gespräch als der Eigner des Taprooms herausstellen sollte. Erst mal ein eher leichtes Bier gegen den Durst, und dann würde ich mich gerne mal durch die Liste durchprobieren, erwidere ich.

Klar! Und schon steht ein Glas mit einem Saisonbier von Prairie Artisan Ales aus den USA vor mir. Das eher Leichtere, gegen den Durst. Säuerlich frisch schmeckt es, in der Tat, ein guter Durstlöscher.

Jetzt wird aber auf kleine Probiergläser umgestiegen, auch wenn Brandon, der zweite Mann hinter der Bar, dann unendlich viel zum Spülen hat. Der erste Flight, wie es so schön heißt, bietet mir Black Block, ein Imperial Stout von La Pirata aus Spanien, das Ryesing Tides, ein Rye IPA von Siren aus Großbritannien, das Broken Dream, ein Stout, ebenfalls von Siren, und das Double Dorado, ein Double IPA von Ballas Point aus den USA. Samt und sonders kräftige, individuelle und überzeugende Biere.

Ein kleines Schüsselchen mit salzigen Knabbereien gibt’s gratis dazu – ein pfiffiger Schachzug, damit der Durst erhalten bleibt.

Und so folgt denn auch der zweite Flight, mit den vier Bieren von der Tafel, die ich noch nicht kenne: das Kellerbier der Brauerei Mayer aus Ludwigshafen, das Pilsener von Klosterhof aus Heidelberg, das Holy Cowbell, ein Black IPA von Beavertown aus Großbritannien, und das Sauer’d Kraut, ein Gemeinschaftswerk der Lervig-Brauerei aus Stavanger in Norwegen mit der Buddelship-Brauerei aus Hamburg. Ein Sauerbier, das in der Tat mit Sauerkraut gebraut worden ist. Hat mit klassischem Biergeschmack nun überhaupt nichts mehr zu tun, schmeckt aber genial!

Man kann es gut aushalten, hier im Taproom. Nicht nur an der Bar, sondern auch an den Tischen rundherum, oder auf dem bequemen Sofa hinten in der Ecke, unter der merkwürdig-künstlerisch gestalteten Lampe, die sofort ins Auge fällt, wenn man den Blick endlich von Kreidetafel und Zapfhähnen löst. Stimmig, das Ganze. Ein großes Lob an Ben Vivell, der den Taproom erst vor wenigen Wochen, im Dezember 2015 eröffnet hat und damit endlich etwas Ordentliches in die Craft-Bier-Diaspora Mannheim gebracht hat. Jederzeit einen erneuten Besuch wert.

Auch wenn man dazu durch die dunklen Gassen im Jungbusch schleichen muss. Kneipen, Bars, Restaurants und eine tolle Stimmung… Ha!

Der Taproom Jungbusch ist täglich ab 17:00 Uhr durchgehend geöffnet; montags und dienstags ist Ruhetag. Zu erreichen ist er entweder in guten zwanzig Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof, oder man nimmt die Stadtbahn, Haltstelle Dalbergstraße, dann sind es nur zwei Minuten.

Bilder

Taproom Jungbusch
Beilstraße 4
68 159 Mannheim
Baden Württemberg
Deutschland

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*