Museu da Cerveja
Lisboa
PRT

Museu da Cerveja? Biermuseum? Nun, vielleicht ist die Bezeichnung ein bisschen hochtrabend, aber trotzdem ist es ein lohnenswertes bieriges Ausflugsziel mitten in Lissabon, dort, wo das (touristische) Leben pulsiert.

In glühender Hitze, das Thermometer kratzte knapp an der 40°-Marke, war ich ein Stück durch die Stadt gelaufen, als ich aus der Ferne das große Schild Museu da Cerveja – Beer Museum gesehen habe – und wie von selbst lenkten sich meine Schritte quer über den Praça do Comércio in diese Richtung.

Ein großer Biergarten mit dicht an dicht stehenden weißen Sonnenschirmen befindet sich direkt vor dem Eingang, aber trotz der Sonnenschirme ist es draußen viel zu heiß, und ich beschließe, direkt in den angenehm temperierten Innenraum zu gehen.

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Museu da Cerveja

Gleich am Eingang steht eine freundliche Dame, die mir das Prinzip erklärt. Im oberen Stockwerk gebe es das Biermuseum, das die Geschichte des Biers in den portugiesisch-sprachigen Ländern der Welt darstellen würde, und hier im Erdgeschoss ein gutes Restaurant, in dem man mich gerne bewirten würde und mir zum leckeren Essen eine Reihe von Bieren aus unterschiedlichen Brauereien aus eben den portugiesisch-sprachigen Ländern anbieten würde.

Ich lasse mich natürlich nicht lang bitten, und erkunde zunächst das Museum: Bereits 1995 hat sich in Lissabon eine Bierbruderschaft gegründet, die Confraria da Cerveja. Sie vereinigt auf nichtkommerzieller Basis die Bierliebhaber in Lissabon, und stolz präsentiert sie das Gewand ihrer Mitglieder bereits am Eingang. Ob sie dieses Museum mitgegründet hat, oder ob sie lediglich als Teil der Ausstellung angesehen wird, bleibt unklar, aber es ist der erste Eindruck, den ich hier im Biermuseum habe. Es schließt sich ein Nachbau einer historischen Bierbar an, und ein paar Utensilien aus der Welt der Bierproduktion und des Ausschanks stehen herum. Nett anzusehen, aber vielleicht ein wenig zu dunkel. Nicht nur des Fotografierens wegen, sondern auch, weil die Augen sehr lang brauchen, ehe sie sich vom gleißenden Sonnenlicht draußen an die schummerige Beleuchtung drinnen gewöhnt haben.

Was fehlt, ist eine Darstellung des Brauprozesses, und vielleicht wenigstens ein kleiner Braukessel, denn an die ersten Szenenbilder einer historischen Kneipe schließen sich unvermittelt die Vitrinen an, in denen Bierflaschen, Biergläser und ein paar andere Dinge gezeigt werden. Neben Portugal sind Angola, Brasilien, Mozambique, die Kapverdischen Inseln und São Tomé e Príncipe vertreten – kleine und gigantisch große Länder, in denen Bier eine unterschiedlich große Rolle spielt.

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die Beleuchtung ist ein wenig schummrig

Interessanterweise wirken die ausgestellten Bierflaschen und Gläser immer wieder ähnlich – so scheint sich in diesen Ländern doch eine recht einheitliche Bierkultur entwickelt zu haben, dominiert von großen Biergiganten wie Brahma in Brasilien oder dem Verbund der portugiesischen Brauereien Unicer in Portugal selbst.

Interessant sind die Schaukästen, die vom Widerstand der portugiesischen Weinbauern berichten, vom Verbot der Bierproduktion und vom Bier, das aus dem fernen Deutschland, aus Stralsund, importiert wurde.

Bis in die Neuzeit reicht die Ausstellung; was hingegen fehlt, sind die allerletzten beiden Jahre, in denen auch in Portugal die Welle der Brauerei-Neugründungen begonnen hat. All die kleinen und kleinsten Handwerksbrauereien und Brauereigaststätten, die gerade entstanden sind oder gar noch im Entstehen begriffen sind, werden noch nicht reflektiert, sondern es bleibt bei einer Betrachtung der großen Industriebetriebe.

Nach so viel Theorie habe ich nun aber Hunger und Durst, und ich begebe mich zurück ins Erdgeschoss in den Restaurantbereich. Edel und elegant sieht es hier aus, und man kann sogar vor einem alten Altar auf rotgoldenen Stühlen mit viel Schnitzwerk Platz nehmen und sein Essen genießen.

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speisen vor einem alten Altar

Klar, dass es für mich am ersten Tag meines Portugalaufenthalts zunächst ein Bacalhau, ein Stockfisch, sein muss. Kabeljau, getrocknet und eingesalzen, um ihn haltbar zu machen, und zur Zubereitung dann wieder eingeweicht. Eine Art portugiesisches Nationalgericht, serviert mit viel Kräutern, zwei frischen Knoblauchzehen und leckeren Kartoffeln.

Die Bierkarte dazu ist, was die Anzahl der verschiedenen Marken angeht, recht lang, aber hinter vielen der angebotenen Marken verbirgt sich doch immer wieder ein einfaches helles oder dunkles Lager. Nur wenige kräftigere, aromatischere Biere sind dabei.

Als Museumsbiere werden ein Helles, ein Dunkles und ein IPA angeboten, und natürlich greife ich zu letzterem. Bohemia IPA steht in der Getränkekarte, und es stellt sich als Bohemia Jabutipa des brasilianischen Konzerns AmBev in São Paulo heraus – ein Produkt des weltgrößten Bierkonzerns ABInBev also. Gut trinkbar, aber nichts, was mich vom Hocker reißen würde. Ein Bier mit diesem Hopfengehalt mag für das tropische Brasilien schon als bitter gelten, aber bis zu einem richtigen, stilgerechten India Pale Ale ist es noch weit.

Insofern suche ich mir als nächstes gezielt ein Bier einer kleinen portugiesischen Brauerei heraus, das Urraca Vendaval der kleinen Lissaboner Brauerei Oitava Colina. Ebenfalls ein India Pale Ale, allerdings nicht vom Fass, sondern aus der Flasche. Und siehe da: Eine knackige Hopfenbittere, gepaart mit einem soliden Malzkörper – ein ansprechendes IPA. Nur die Hopfennase hätte noch ein wenig intensiver sein können.

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es sieht nett aus, fühlt sich aber merkwürdig an

Serviert werden alle Biere in Kunststoff-Thermo-Gläsern, deren Innenraum wie eine auf den Kopf gestellte Bierflasche aussieht. Optisch ein netter Gag, und für die Gäste draußen auf der Terrasse vielleicht auch in Ordnung, denn so bleibt das Bier auch in der Gluthitze noch eine Weile kalt. Zum Verkosten aber eine Katastrophe. Das Plastikbehältnis fühlt sich in der Hand warm und billig an, es hat einen dicken Rand, und wenn sich dann aus dem warmen Plastik das eiskalte Bier in den Mund ergießt, passen Haptik und Geschmackserlebnis überhaupt nicht zusammen. Die Irritation lenkt von Aroma und Geschmack ab. Eine nette Idee also lediglich für die Gäste, die ein unauffälliges helles Lager möglichst eiskalt genießen wollen und auf ein komplexes Geschmackserlebnis keinen Wert legen.

In der Summe ein ganz nettes Biererlebnis. Ein echtes Museum ist es nicht, die Bierauswahl ist auch nicht überwältigend, und die Preise sind happig. Aber dafür, dass ich in Lissabon bin, vermutlich der europäischen Hauptstadt mit der noch am wenigsten entwickelten Bierszene, war es dann doch den Spaziergang hierher wert.

Das Museu da Cerveja ist Bierausstellung, Bierbar und Restaurant in einem. Es ist täglich ab 12:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist es mit der Metro, Station Terreiro do Paço, oder mit den allgegenwärtigen Trambähnchen. Der Praça do Comércio ist ja Ausgangspunkt fast aller touristischen Aktivitäten in Lissabon.

Bilder

Museu da Cerveja
Terreiro do Paço
Ala Nascente Nº 62 a 65
1100-148 Lisboa
Portugal

2 Kommentare

    • Hallo, Jürgen, danke für die Anfrage. Ich kann’s Dir leider nicht sagen, da ich selber nur Gast im Museu da Cerveja war. Vielleicht versuchst Du ja mal, das Museu direkt zu kontaktieren? Mit bestem Gruß, VQ

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