Hopper Bräu GmbH & Co. KG
Hamburg
DEU

Letzter Tankstopp vor Weihnachten. Restetrinken. Dann ist erst einmal zu.

So hieß es.

In den Social Media.

Und da alle Weihnachtseinkäufe erledigt waren, alle Vorbereitungen getroffen, alle Grußkarten geschrieben, ja, selbst die Küche aufgeräumt und die Betten frisch bezogen, sprach nun wirklich nichts mehr dagegen, am letzten Abend vor den Festtagen noch auf ein Bier zu gehen.

Und so stolpern wir im Halbdunkel den ungepflasterten und mit leeren Pizzakartons und ähnlichem reich geschmückten Bürgersteig des Beerenwegs entlang. Einmal noch, kwtsch!, in eine Pfütze getreten, und nun stehen wir an der Einfahrt zu den Hallen in zweiter Reihe. Irgendwo dahinten muss sich die Hopper Bräu befinden, die Brauerei, die gerade erst im September eröffnet hat.

Und richtig: Die changierende Beleuchtung, die durch das gesamte Spektrum aller Bonbonfarben wechselt, weist uns den Weg. Simples Blech, ein großes Rolltor, daneben ein kleiner Eingang. „Vorsicht, frischer Beton!“ warnt uns ein Schild, und direkt hinter der Tür müssen wir auf einem schmalen Brett über die frisch betonierte Rampe balancieren. Nach dem Bürgersteig des Beerenwegs ist das jetzt aber keine echte Herausforderung mehr.

Wir stehen in einer riesigen Halle. So groß, dass das gar nicht mal so kleine Sudwerk der Hopper Bräu trotzdem ganz verloren in einer Ecke steht. Bonbonrosa angestrahlt, mit feinen, himmelblauen Akzenten. Barbie meets Craft-Brewer Ken?

Wir bleiben einen Moment vor dem Sudwerk stehen, betrachten die Edelstahlgeräte und die Gär- und Lagertanks. Rechts von uns jede Menge KEGs, einige Plastikgäreimer, wie sie auch von Hobbybrauen benutzt werden, ein paar Holzfässer, Malzsäcke, Bierkästen. Nicht wirklich unordentlich, aber man merkt, dass das Team viel Platz hat und die Sachen einfach so irgendwohin stellen kann.

Eine Drehung um 180°, und das Licht normalisiert sich. Keine Bonbonfarben mehr, sondern Kerzen auf Biertischen. Romantisch ist anders, dazu ist die Halle zu groß, aber trotzdem strahlt es Behaglichkeit aus. Viel, viel Platz, aber scheinbar gehören wir zu den ganz wenigen in der Stadt, denen es tatsächlich gelungen ist, die Weihnachtsvorbereitungen abzuschließen, und die jetzt Zeit haben auf ein Jahresabschlussbier. Außer uns nur noch eine kleine Gruppe junger Bierfans, die aber auch schon fast im Aufbruch begriffen ist. Halb acht, und der Laden ist leer…

Wir setzen uns trotzdem, jetzt sind wir schon mal hier, dann wird auch getrunken!

Das Anstich, ein süffiges Märzen, und die Schwarze Macht, ein Smoked Porter, machen den Auftakt. Das Märzen eher unauffällig. Ein Bier für den Durst, nicht für den snobistischen Genuss. Das Smoked Porter nur dezent rauchig, in erster Linie röstig und kräftig. Schön!

Weiter geht’s. Ich gehe erneut zur Bar, die in einen alten Seecontainer integriert und einfach in die Ecke der Halle gestellt worden ist. Ein India Pale Ale darf es jetzt sein, das Son of the Gun. Kräftiger Malzkörper, starke Hopfung, mit viel Bittere und Aroma, recht gut ausbalanciert. Mit 7,3% Alkohol ein recht starker Geselle. Wärmt schön, und das ist gut so, denn draußen regnet es, es ist kalt und windig, und der Heimweg lang.

Zum direkten Vergleich eines der Gastbiere, das Lupuloid von Beavertown. Ebenfalls ein IPA, aber von der fruchtigen Sorte. Eine gewaltige Aromawolke aller möglichen Südfrüchte umschwebt das Glas, vor dem inneren Auge beginnen, Südsee-Schönheiten mit ihren Hula-Hoop-Reifen zu tanzen. Eher ein Maracuja-Cocktail, denn ein Bier. Hawaiʻi lässt grüßen.

Die Gruppe der Bierenthusiasten hat die Halle mittlerweile verlassen, und zu zweit verlieren wir uns in der großen Halle. Letzter Tankstopp vor Weihnachten? Offensichtlich eine zu große Herausforderung für Hamburg.

Ein letztes Bier gönnen wir uns noch – ein fruchtiges, hopfiges Weizen-Ale, das Weizheit, wurde im Cognac-Fass gereift. Cognac Barrel Aged Weizheit. Leichte, erfrischende Säure, dezente Cognac-Aromen, ebenfalls dezente Holzaromen. Ein leichtes, erfrischendes Bier. Nicht ganz das, was ich erwartet hatte, ich rechnete eher mit etwas Kräftigem, Ausdrucksstarkem, aber dennoch: Ein feines Bier!

Gemütlich trinken wir aus, sehen uns noch einmal um. Eine neue Brauerei, alles ist offen einsehbar und zugänglich. Der Ausschank in der Halle bietet beides, Biererlebnis und Brauereibesichtigung, in einem. Sicherlich sehr schön, wenn mehr los ist. Heute aber sind wir allein. Restetrinken? Zu groß, die Herausforderung, als dass wir sie zu zweit bewältigen könnten.

Und so trollen wir uns. Wünschen dem Barmann nicht nur Frohe Weihnachten, sondern auch einen schönen Feierabend. Wir hören, wie hinter uns der Schlüssel herumgedreht wird, sehen, wie das bonbonfarbene Licht erlischt, und wir stolpern wieder über den Beerenweg in Richtung Bushaltestelle.

Jetzt kann Weihnachten kommen.

Die Hopper Bräu GmbH & Co. KG betreibt ihren Ausschank direkt in der Halle der Brauerei in einem 20-Fuß-Seecontainer. Die Bar ist donnerstags und freitags ab 17:00 Uhr, sonnabends ab 12:00 Uhr geöffnet. Zusätzlich werden auch Führungen, Tastings und Braukurse angeboten – Details dazu finden sich auf der Website der Brauerei. Zu erreichen ist die Brauerei recht bequem mit dem Bus, Linie 3, Haltestelle Bornkampsweg. Von dort sind es etwa 300 m zu Fuß.

Bilder

Hopper Bräu GmbH & Co. KG
Beerenweg 12
22 761 Hamburg
Hamburg
Deutschland

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