Hostinec a Pivovar U Hušků
Běleč nad Orlicí
CZE

Gefangen in unseren deutschen Vorurteilen stehen wir vor der Hostinec a Pivovar U Hušků.

Vor uns ein eigentlich schönes, altes Gebäude, ein ehemaliger Gutshof, so wie es scheint. Große, schwarze, eiserne Buchstaben weisen auf die Gasthausbrauerei hin, aber rundherum bröckelt der Putz, großflächig sieht man die alten Ziegel, zum Teil ziehen sich Risse über die Fassade. Wirklich einladend sieht es nicht aus. Die grauen, splittverschmutzten Schneereste tragen das Ihrige zu diesem Eindruck bei.

der Zahn der Zeit nagt an der Fassade

Wir zögern. Schließlich geben wir uns einen Ruck: „Wenn es drinnen genauso vergammelt aussieht, dann gehen wir halt wieder!“

Wir drücken uns durch die schmale, eigentlich zu enge Tür und stehen mit einem Mal in einer urgemütlichen Gaststube. Etwa die Hälfte der Tische ist besetzt, man hört leise Gespräche, Gläserklirren, und die Bedienung flitzt mit großen Biergläsern zwischen den Tischen hin und her. Völlig anders als draußen, und einmal mehr erkennen wir, dass hier in Tschechien das Äußere einer Wirtschaft oder Brauerei nichts darüber aussagt, wie gut und gemütlich es im Inneren ist.

die gemütliche Gaststube

Wir suchen uns einen Platz in einem kleinen Winkel und sehen uns ein wenig um. Überall im Raum verteilt kleine mehr oder weniger originelle Kunstwerke. Eine Fingerspitze aus Holz, rund 30 cm groß. Eine Karikatur, professionell ausgeleuchtet, davor eine modellierte offene Hand. Nicht alles erschließt sich uns sofort, aber uns fasziniert die Mischung aus klassisch-gutbürgerlicher Gemütlichkeit der Einrichtung, einschließlich des offenen Kamins, und der modernen Kunst.

Ein Blick in die Getränkekarte – drei eigene Sorten Bier gibt es. Zunächst das Bělečský Car, ein helles Lager mit 12° Stammwürze. Ein Bier, wie es typischer nicht sein kann. Eine deutliche, wenn auch zum Glück nicht zu dominante Diacetylnote, ein runder und malziger Geschmack, dezent, aber aromatisch gehopft, verhältnismäßig niedrig gespundet und mit einer schönen Schaumkrone gezapft. Wenn das Diacetyl nicht stört, ein tolles Bier, um den ganzen Tag durchzutrinken.

Das zweite Bier, das Bělečská Carevna ist ein Dunkles, mit 13° ein bisschen stärker eingebraut. Dunkelbraun, mit einem schönen rötlichen Schimmer, und ebenfalls mit einer schönen Schaumkrone gezapft steht es vor mir. Kein Diacetyl, stattdessen eine ganz feine Karamellnote. Süffig. Auch ein schönes Bier.

Das dritte Bier schließlich ist ein Honigbier, das Bělečská Včelka. Trotz seiner niedrigen Spundung schäumt es gewaltig, der Schaum ist stabil, fällt nicht zusammen – es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis die freundliche Bedienung es gezapft hat und servieren kann. Das Honigaroma ist spürbar, aber dezent – sehr schön ausbalanciert.

Übermütig (schließlich haben wir anderswo doch gerade erst reichlich gegessen…) bestellen wir uns ein paar Liwanzen (Plinsen) mit Waldfrüchten und Schlagsahne. Ausgezeichnet! So was von lecker! Unsere Augen strahlen.

Während wir genießen, fällt uns zwei Tische weiter eine Video-Installation auf. Wir recken den Hals, und im Nu werden wir eingeladen, uns doch für einen Moment an diesen Tisch zu setzen und das Video zu genießen. Wir setzen uns Kopfhörer auf, und aus einem überkopf montierten Projektor wird auf den Tisch vor uns eine witzige Animation des Brauvorgangs projiziert. Ein kleiner Roboter und ein Roboterhund brauen Bier, untermalt von fetziger Musik und voll mit kleinen Gags. Lustig!

die Videoinstallation

Schade nur, dass der nette Herr, der uns den Projektor eingeschaltet hat, hinterher spurlos verschwunden ist. Es war nämlich Josef Voltr, der Brauer und Eigentümer der Hostinec a Pivovar U Hušků. Und er hätte uns bestimmt auch gerne seine Brauerei gezeigt, wie die freundliche Kellnerin später auf unser Nachfragen versicherte. Aber ohne ihn darf niemand hinein, und sie wisse auch nicht, wohin er verschwunden sei und wann er wiederkäme, beteuert sie. Die einzige Enttäuschung heute bei unserem Besuch also: Wir bekommen die Braukessel nicht zu sehen. Und dabei hätten wir doch nur ein wenig eher zu fragen brauchen…

Aber auch so war es schön, hier eingekehrt zu sein. Süffiges Bier, ausgezeichnetes Essen, ein wirklich witziges und originelles Video, eine angenehme Atmosphäre. Alles hat gestimmt. Und selbst die Toiletten haben uns am Schluss noch begeistert. Vollgepackt mit wunderlichen Kunstwerken und versteckten Gags. Am besten der kleine, hölzerne Schaukasten mit einem tischtennisballgroßen Stein und dem Vermerk: „Dies ist der Harnstein, der hier unserem Gast J.P. am 13.9.2001 nach dem Genuss des neunten Hausbiers abging.“

Zufrieden trollen wir uns wieder unseres Weges, und vielleicht führt uns der Weg einmal wieder in das kleine Dörfchen Běleč nad Orlicí, und vielleicht haben wir dann die Möglichkeit, die Brauerei zu besichtigen. Und eventuell sogar den Brauroboter kennenzulernen? Denn auf der Website der Brauerei wird er angekündigt:

die Einladung, den Roboter kennenzulernen

Die Hostinec a Pivovar U Hušků ist täglich ab 13:00 Uhr durchgehend geöffnet, sonnabends und sonntags schon ab 11:00 Uhr. Montags und dienstags ist geschlossen. Zu erreichen ist sie am besten mit dem Auto, man kann direkt vor der Tür kostenfrei parken; von Hradec Králové aus fährt aber auch ein Linienbus (Linie 17), der ebenfalls direkt vor der Tür hält.

Bilder

Hostinec a Pivovar U Hušků
Běleč nad Orlicí 58
503 46 Běleč nad Orlicí
Tschechien

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