Alabardieri 25
Napoli
ITA

Alabardieri 25
Name und Adresse zugleich

Alabardieri 25 – die winzige Craftbier-Bar mit dem sprechenden Namen.

Zum einen, weil es natürlich ungemein praktisch ist, wenn der Name einer Craftbier-Bar mit ihrer Adresse identisch ist. Die dumme Frage „Unter welcher Adresse finde ich denn die Bar Alabardieri 25?“ erübrigt sich dadurch ein für allemal.

Und zum anderen, weil es – der wunderbaren italienischen Sprache sei Dank – Musik in den Ohren ist. Um wieviel melodischer klingt es doch, wenn es heißt „Via Alabardieri Venticinque“, als wenn es beispielsweise in Deutschland lauten würde „Von-Zitzewitz-Straße Dreizehn“. Ersteres klingt wie ein Frühlingslied, dass mich schon auf die aromatisch-verspielte Welt der Craftbiere einstimmt, letzteres eher, als wenn ich mit dem Lötkolben auf einer Hochspannungsplatine ausrutsche.

Willkommensgruß vor dem Eingang

Ich folge also der kleinen Melodie und stehe nach einigen mäandrierenden Schleifen – der, der sich im Gassengewirr Neapels nicht verläuft, muss erst noch geboren werden – schließlich vor der kleinen Bar. Eine bunte Leuchttafel begrüßt mich und informiert mich über die Neuzugänge, und darüber hängt eine schwarze Tafel mit dem mit farbiger Kreide geschriebenen Hinweis auf 100 verschiedene Craftbiere. Hier bin ich richtig.

Die Bar ist winzig, eine Handvoll Tische nur, ein paar Barhocker und niedrige Stühlchen. Wenn man sich drängt, dann passen vielleicht fünfzehn, höchstens zwanzig Gäste hinein. Aber in Neapel ist das Nebensache – es wird sich sowieso alles rund um den Eingang und auf der Gasse davor treffen.

Fünf Zapfhähne gibt es, und von denen sind lediglich drei angeschlossen. Auf den ersten Blick enttäuschend wenig, aber die Kühlschränke, die in der Bar stehen, senden genau die gegenteilige Botschaft aus: Eine schier unendliche Auswahl an leckeren Bieren aus der ganzen Welt. Ob belgisches Trappistenbier, IPA aus den USA, deutsches Weißbier oder englisches Ale – es ist alles da. Große und bekannte Namen, kleine und völlig unbekannte. Konzerne und junge Wilde, alles steht fein säuberlich im Kühlschrank aufgereiht, und man könnte ein Vierteljahr lang jeden Tag ein anderes Bier hier trinken, ohne sich zu wiederholen. Auch einige, und das finde ich persönlich sehr schön, große 0,75-l-Flaschen mit edlen Degustationsbieren stehen hier.

Ich fokussiere mich gleichwohl auf die Fassbiere, denn deren Namen habe ich noch nie gehört.

Zunächst probiere ich das Pink IPA der Brauerei Almond 22. Eine kleine Brauerei in Spoltore, irgendwo bei Pesaro. Das Bier angeblich gebraut mit rosa Pfeffer aus Brasilien, insofern also auch Pink Pepper Italian Pale Ale genannt.

Ich möchte ein kleines Glas und bringe den Barmann in Verlegenheit. Kleine Gläser hat er nur in Form von Pilstulpen, nicht wirklich zu diesem Bier passend. Und so kommt denn das feine Hopfenaroma in der engen Tulpe nur bedingt zur Entfaltung. Tief stecke ich die Nase ins Glas und schnuppere, aber vom Pfeffer spüre ich nichts, nur feine Hopfenaromen. Auf der Zunge folgt eine kräftige, aber weiche Bittere, die nur kurz nachhängt. In der Summe ein schönes Bier, ich bin trotz des falschen Glases zufrieden.

Das zweite Bier, das Belgica Triple Rouge 10, bringt mich eher zum Nachdenken. Erstens finde ich trotz intensiver Recherche keine Brauerei mit dem Namen Belgica, und alle Hinweise, die ich auf das Bier finde, weisen eher darauf hin, dass es sich um ein Etikettenbier handelt. Onkel Google stößt heute an seine Grenzen. Der Barmann allerdings auch, denn außer der Behauptung, dass Belgica eine Brauerei sei, kann er auch nichts zur Wahrheitsfindung beitragen. Und zweitens ist das Bier mit seinen 10% Alkohol auch richtig alkoholscharf. Während ein gutes belgisches Starkbier auch bei über 10% den Alkohol noch gut maskieren kann und stattdessen vollmundig und fruchtig daherkommt, ist es hier andersherum. Eine spritige, alkoholische Schärfe überdeckt die fruchtigen Ester, derentwegen ich belgische Biere doch eigentlich so mag. Ein wenig enttäuschend also. Da fällt dann das falsche Glas, nämlich erneut die kleine Pilstulpe, auch nicht mehr ins Gewicht.

Hätte ich mich nach dem leckeren Pink IPA also doch besser den Flaschenbieren zugewandt, denke ich mir. Aber trotzdem, es ist ein netter Besuch in einer sehr gemütlichen, kleinen Bar. Der junge Mann hinter der Theke spricht recht gutes Englisch, ist aufmerksam und blitzschnell, und die Atmosphäre ist schön. Und das Flaschenangebot: Ohne Fehl und Tadel.

urgemütlich mit netter Dekoration

Sollte es mich also einmal wieder nach Neapel führen, ist eine Einkehr hier schon fest eingeplant. Dann aber von Beginn an mit Fokus auf den Flaschenbieren und den dazu besser passenden großen Gläsern…

Die Bar Alabardieri 25 ist täglich ab 18:00 Uhr bis tief in die Nacht geöffnet; montags und dienstags ist Ruhetag. Von der pompösen Einkaufsstraße Via Gaetano Filangieri, in der sich die überteuerten Boutiquen von Louis Vuitton über Bvlgari bis Hermès ballen, sind es nur hundert Meter zu Fuß. Oder, wenn man nicht zuvor teuer bummeln möchte, nimmt man den Stadtbus zur Piazza Martiri und geht von dort aus drei Minuten zu Fuß.

Bilder

Alabardieri 25
Via Alabardieri 25
80 121 Napoli
Italien

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