Restaurace Kulový Blesk
Praha
CZE

Kulový Blesk – der Kugelblitz. Ein etwas seltsamer Name für eine Bierbar? Mag sein. Mag vielleicht aber auch sein, dass der eine oder andere Gast nach vollständiger Degustation aller hier angebotenen Biere schon einmal den einen oder anderen Kugelblitz gesehen oder sich wie ein solcher benommen hat, als er wieder auf die Straße getreten ist.

Kulový Blesk – ein kleines Restaurant, einen schönen Spaziergang von der Altstadt entfernt, in einer stark befahrenen Straße, von der man aber, nachdem man die schwere Holztür hinter sich hat zufallen lassen, nicht mehr viel mitbekommt.

Kulový Blesk – 17 plus 11 Zapfhähne, an denen die Biere durchrotieren. Nicht immer sind alle Zapfhähne belegt, es gibt auch Phasen, Tages- und Jahreszeiten, in denen selbst der Tscheche etwas weniger Durst hat als sonst, und dann wird die Anzahl der gleichzeitig angeschlagenen Fässer – ein wenig! – reduziert, um immer frisches Bier anbieten zu können.

Wir haben den kleinen Spaziergang von der Prager Altstadt aus gemacht. Zugegebenermaßen mithilfe der Straßenbahn, nach einem langen Tag in der Goldenen Stadt waren die Beine schon etwas müde. Und nun stehen wir hier in der Sokolska-Straße und schauen auf die wuchtige Holztür. Restaurace Kulový Blesk steht drauf, Restaurant Kugelblitz.

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Restaurace Kulový Blesk

Na klar, es ist ein Restaurant. Man bekommt hier etwas zu essen, kann sich dazu in einem der drei Schankräume bequem an einen Tisch setzen und speisen.

Aber die Masse der Gäste kommt zunächst einmal wegen des Biers. Setzt sich in den langen Gang, der von der dicken Holztür bis in den Wintergarten führt. Hockt sich einfach auf die simplen Stühle oder stellt sich gar gleich nur an die lange Wand, an der schmale Holzbretter die Möglichkeit bieten, das Bierglas abzustellen. Oder bleibt im Wintergarten hängen, dem kleinen Biergarten direkt am Ende des Ganges. Kommt gar nicht bis in die eigentlichen Gasträume, sondern fühlt sich hier vorne einfach schon wohl.

Es geht das Gerücht, dass der eine oder andere regelmäßig hier einkehrende Gast, im Tschechischen wie im Deutschen Stammgast (Štamgast) genannt, bis heute noch nie einen Schritt in den eigentlichen Restaurantbereich gesetzt haben soll, sei es, weil er stets schon vorne beim Bier hängen geblieben ist, sei es weil er – und auch das soll schon vorgekommen sein – von der Existenz des Restaurantbereichs gar nichts wusste.

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reichlich Platz für Stehbiertrinker

Na, da befinden wir uns zum Glück in bester Gesellschaft. Denn auch wir sind, nachdem wir durch die Holztür getreten sind, gleich in dem langen Gang hängen geblieben, haben die Bierreklamen an der Wand bewundert, gemütlich unsere Biere genossen, und die Gäste beobachtet, die an uns vorbei ein- und ausgegangen sind. Was braucht man in Tschechien auch mehr? Ein gutes Bier in der Hand, einen halbwegs bequemen Steh- oder Sitzplatz, und dann lässt man das Geschehen an sich vorbeiziehen. Jede Kneipe, jede Bierbar, jede Pivnica ist ein Treffpunkt aller sozialen Schichten. Ob der Arbeiter nach Feierabend, der Geschäftsmann nach erfolgreichem Vertragsabschluss, der alte Mann, der kein anderes Zuhause zu haben scheint und immer hier sitzt … Ob jung oder alt, ob Pärchen oder einsamer Streuner, oft auch die ganze Familie – die Bierkneipe ist der Treffpunkt für alle, und so wird es nie langweilig, hier zu stehen, das Bier zu genießen und die Menschen zu beobachten.

Und wenn dann das Bier auch noch so ausgezeichnet schmeckt wie hier, dann ist doch einfach alles in Ordnung. Oder etwa nicht?

Das Twist Red India Pale Ale 14° aus der Pivovar Clock ist jedenfalls ein hervorragender Begleiter, um hier zu sitzen, ab und an einen kleinen Schluck zu genießen, und die Welt an sich vorbeiziehen zu lassen. Kräftig rot in der Farbe, rund und malzig, und darüber eine aromatische Hopfenbittere, deren Ecken und Kanten vom Malzaroma im Schach gehalten, gewissermaßen gezähmt werden.

Ein freundlicher Gruß von einer völlig unbekannten Person, die vorbeigeht, ein Schluck vom Red IPA, und schon gehen die Gedanken auf Wanderschaft. Der sonnige Tag in Prags Altstadt zieht vor dem inneren Auge noch einmal vorbei. Kirchen, Museen, Heerscharen von Touristen. Hier scheint es weit weg.

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schwarzes Stout und rotes Ale

Im anderen Glas ein ON Imperial Russian Stout 19° des Wanderbrauers Falkon. Tiefschwarz, mit einer beigefarbenen Schaumkrone. Kräftige Röstaromen, ein Hauch von Hopfen in der Nase. Der Körper vielleicht nicht ganz so gewaltig, wie wir es bei einem neunzehngrädigen Imperial Stout erwartet hätten, aber dennoch robust und kernig. Wie der Gast, der offensichtlich schon ein paar mehr Biere verkostet hat und leicht schwankend, die ganze Breite des Ganges ausnutzend, zur Straße hinaus geht, nicht ohne uns mit der leeren Hand noch einmal symbolisch zuzuprosten.

Wir träumen wieder von den Erlebnissen des Tages, nehmen einen Schluck und merken, wie sich eine tiefe innere Entspannung breit macht. Auf einmal sind wir nur noch im Hier und Jetzt, in einer kleinen Bierkneipe, mitten in Prag, und doch so weit weg vom Touristenstrom, und einmal mehr fühlen wir die Magie des tschechischen Biers.

Das Restaurace Kulový Blesk ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend bis 23:00 Uhr geöffnet; sonnabends und sonntags erst ab 17:00 Uhr; kein Ruhetag. Neben bis zu 31 verschiedenen Bieren bietet es einfache landestypische Snacks zum Bier: Tatar (Tatarák), Olmützer Käse (Olomoucké Tvarůžky), eingelegten Camembert (Hermelín) oder sauer eingelegte Würste (Utopence). Und es gibt einfache Tagesgerichte. Zu erreichen ist der Kugelblitz am besten mit der Metro, Linie C (rote Linie), Station I.P. Pavlova, und dann ein paar Minuten zu Fuß.

Bilder

Restaurace Kulový Blesk
Sokolská 1499/13
120 00 Praha
Tschechien

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